Technologie

Start-up-Gründungen: KI treibt Boom auf Rekordniveau

Deutschland steckt wirtschaftlich fest, doch ausgerechnet jetzt wagen so viele Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit wie nie zuvor. Getrieben von Künstlicher Intelligenz und neuen Geschäftsmodellen erreicht die Zahl der Start-up-Gründungen ein Rekordniveau. Warum der Boom nicht nur Berlin trägt, welche Rolle KI wirklich spielt und weshalb auch die Krise ihren Anteil hat.
09.01.2026 07:30
Lesezeit: 2 min

Boom um KI: Start-up-Gründungen steigen 2025 auf Rekordwert

Die Euphorie um Künstliche Intelligenz ermöglicht neue Geschäftsmodelle. Das treibt die Zahl der Start-up-Gründungen in bislang ungekannte Höhen. Besonders stark nach oben geht es abseits von Berlin.

Boom inmitten der Krise: Die Zahl der Start-up-Gründungen in Deutschland ist auf einen Rekord gestiegen. Im vergangenen Jahr entstanden 3.568 neue Wachstumsfirmen, 29 Prozent mehr als 2024, zeigt eine Analyse des Startup-Verbands, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die Zahlen liegen damit noch über dem Boom-Jahr 2021, als die Corona-Pandemie für einen Digitalisierungsschub sorgte und etwa Lieferdienste sowie Finanz-Apps beflügelte. Treiber der Rekordwerte ist die Euphorie um Künstliche Intelligenz, die Gründungen erleichtert und neue Geschäftsfelder eröffnet.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sprach von guten Nachrichten zum Jahresbeginn. "Deutschland gründet auf Rekordniveau. Mehr Start-ups bedeuten mehr Innovation, mehr Wachstum und mehr Arbeitsplätze", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. "Jetzt geht es darum, diesen Trend zu verstetigen und aus jungen Unternehmen globale Player zu machen." Die Bundesregierung schaffe dafür bessere Bedingungen: mehr Wagniskapital, weniger Bürokratie, mehr Talente und ein stark vernetztes Start-up-Ökosystem.

"Über 3.500 Gründungen, ein Drittel mehr als 2024 – das zeigt den Mut und die Dynamik des deutschen Unternehmertums", sagt Kati Ernst, stellvertretende Vorsitzende des Startup-Verbands. Allerdings habe Deutschland weiterhin Schwächen bei der Finanzierung, wenn es darum gehe, Start-ups großzumachen.

Viele Gründungen in Berlin und Bayern

Der Aufwärtstrend bei den Gründungen zeigte sich in fast allen Bundesländern. In Berlin entstanden mit 619 erneut die meisten Start-ups (plus 24 Prozent), deutlich vor München (290). Die Hauptstadt sei auf gutem Weg, sich von der Branchenkrise der vergangenen Jahre zu erholen.

Noch stärker wuchsen die Gründungszahlen jedoch in Bayern (plus 46 Prozent), Nordrhein-Westfalen (plus 33 Prozent) und Sachsen (plus 56 Prozent).

Konkurrenz bekommt Berlin vor allem aus Bayern, wo ein Fünftel aller Start-ups gegründet wurde (785) – 247 mehr als im Vorjahr. München liegt zudem bei den Gründungen pro Kopf auf Platz eins, vor Berlin und Düsseldorf. Es folgen die Universitätsstädte Aachen, Potsdam, Heidelberg und Darmstadt. Das unterstreicht die Bedeutung von Wissenschaft und Technologie für die Start-up-Branche.

KI prägt viele Branchen

27 Prozent aller gegründeten Start-ups nutzten KI als wichtigen Bestandteil ihres Geschäftsmodells, hieß es in der Studie, die in Zusammenarbeit mit der Analysefirma startupdetector entstand. Die meisten neuen Firmen wurden im Software-Bereich gegründet (853).

Künstliche Intelligenz präge viele Bereiche, sagte Arnas Bräutigam, Co-Gründer von startupdetector. "Wir sehen KI immer häufiger dort, wo konkrete Probleme gelöst werden – von Software über Medizin bis hin zu industriellen Anwendungen wird sie das Fundament neuer Geschäftsmodelle."

Wirtschaftsflaute und Kapitalzufluss als zusätzliche Treiber

Ein wichtiger Grund für den Gründungsboom dürfte auch die Wirtschaftsflaute in Deutschland sein. In Krisen machen sich üblicherweise viele Menschen aus der Not selbstständig, weil sich Jobchancen verschlechtern.

Zudem kamen Start-ups zuletzt wieder etwas leichter an Wagniskapital von Investoren, zeigen neue Zahlen der Förderbank KfW. Demnach flossen allein im Schlussquartal 2025 rund zwei Milliarden Euro. Für die aussichtsreichsten Start-ups habe sich die Finanzierungslage 2025 gegenüber dem Vorjahr verbessert.

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