Politik

3,8 Billionen Dollar für eine wirkungslose Energiewende?

Der Großbank Goldman Sachs zufolge wurden in den letzten zehn Jahren fast vier Billionen Dollar weltweit in die Energiewende gesteckt - mit ernüchterndem Ergebnis.
04.12.2022 07:50
Lesezeit: 5 min
3,8 Billionen Dollar für eine wirkungslose Energiewende?
Ernüchterndes Fazit zur Energiewende: Teuer und doch wirkungslos. (Foto: dpa)

Die Energiewende ist wirkungslos verpufft. Billionen Dollar an Investitionen in Erneuerbare Energien haben nichts erreicht, meint ein Analyst der US-Investmentbank Goldman Sachs. Genau gesagt wurden demnach in den letzten zehn Jahren von Staaten, Unternehmen und Kapitalgebern unvorstellbare 3,8 Billionen (3.800 Milliarden) Dollar in den Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt – unter dem Strich sank der Anteil fossiler Energie am weltweiten Energieverbrauch aber lediglich von 82 auf 81 Prozent. Dieser Rückgang ist im großen Bild vollkommen vernachlässigbar.

Und vielleicht ist der Anteil sogar leicht gestiegen. Jeff Curie von Goldman gegenüber CNBC: „Angesichts der jüngsten Ereignisse und der Tatsache, dass Gas zuletzt zunehmend durch Kohle ersetzt wurde, liegt diese Zahl wahrscheinlich sogar über 82. [...] Unterm Strich haben wir also eindeutig keine Fortschritte gemacht.“

Sollten die Staaten da vielleicht ihre Klima-Strategie überdenken? Ob man die Idee der staatlich angeschobenen Energiewende befürwortet oder nicht, es hat offensichtlich – auf globaler Ebene – bislang überhaupt nicht funktioniert.

Klimarettung für Anfänger

Dafür gibt es zwei Hauptgründe:

1. Der Industrie-Verbrauch fossiler Brennstoffe (und damit auch die damit verbundenen Kohlendioxid-Emissionen) haben sich einfach nur von West nach Ost verlagert. Nicht die ganze Welt hat die Energiewende in dieser Form mitgemacht wie Europa und zunehmend auch die USA.

Die CO2-intensive Industrieproduktion verschiebt sich einfach kontinuierlich nach Asien – also dorthin, wo mit niedrigeren Umweltstandards und geringerer Energie-Effizienz gearbeitet wird. Das relevante Maß ist hier die Emissionsintensität, also Kohlendioxid-Ausstoß pro Einheit der Wirtschaftsleistung.

Wie man sieht, ist Deutschland in der energetischen Effizienz der Gesamtwirtschaft unter den Spitzenreitern, China schneidet deutlich schlechter ab. Im Übrigen zeigt die Grafik auch, dass die globalen Emissionen im Verhältnis zum BIP langfristig fallen. Das ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass Unternehmen möglichst niedrige Energiekosten anstreben – ganz ohne staatlichen Eingriff. Beispielsweise sind deutsche Kohlekraftwerke heute weltweit führend in Bezug auf die Emissions-Minimierung von Schadstoffen und CO2. Nun werden sie nach und nach abgeschaltet. Sinnvoller globaler Klimaschutz sieht anders aus.

2. Erneuerbare Energien übernehmen zwar eine immer wichtigere Rolle bei der Stromerzeugung, aber der viel größere Posten beim Energieverbrauch ist die Heizung und hier sind Öl und Gas weiterhin dominant – auch im Westen. Hinzu kommt noch Treibstoff im Automobilverkehr, wo Elektroautos zwar politisch fleißig propagiert, aber von den meisten Verbrauchern konsequent ignoriert werden.

Die konkreten Zahlen für Deutschland: Erneuerbare Energien haben einen Anteil von über 40 Prozent an der Stromerzeugung. Weil Strom aber nur für etwa 20 Prozent des gesamten Energiebedarfs verantwortlich ist (Heizung/Wärme: 50 Prozent; Mobilität: 30 Prozent), machen Solar- und Windkraft nur rund 8 Prozent am Energiemix aus. Wenn man Wasserkraft und Biomasse (Holzverbrennung) zu den Erneuerbaren hinzuzählt, sind es deutlich über zehn Prozent, aber das Grundproblem bleibt bestehen.

Deutschland ist dabei noch das Vorreiterland in der Energiewende. Unsere Kohlendioxid-Emissionen pro Kopf sind von 2012 bis 2019 um 17 Prozent gesunken. Der Anteil von Solar- und Windkraft am Energiemix hat sich in den letzten zehn Jahren knapp verdoppelt. Deutschland steht aber nur für rund 2 Prozent des menschengemachten CO2-Ausstoßes auf der Welt. Für das globale Klima ist unser energiepolitischer Sonderweg also völlig irrelevant, selbst wenn die komplette Industrie und Landwirtschaft dem Erdboden gleichgemacht und zusätzlich die menschliche Atmungs-Frequenz reglementiert wird. Wer letzteres für eine unrealistische dystopische Vorstellung hält, sollte übrigens zur Kenntnis nehmen, dass immer mehr Banken und Fintechs Software einsetzen, die den CO2-Fußabdruck von Kunden anhand deren Finanztransaktionen abschätzen.

Immerhin befinden sich Deutschland in guter Gesellschaft. Massig viel Geld für Stilpunkte haben nämlich auch andere westliche Nationen ausgegeben. Freilich ohne damit aus globaler Sicht ein Ergebnis zu erzielen. Erneuerbare Energie ist sehr teuer und die Kapazitäten können wegen der unbeständigen Leistung nur unzureichend abgerufen werden. Gleichzeitig scheren sich die wachstumsstarken Schwellenländer nicht um irgendwelche Klimaziele und verbrennen mehr fossile Energie als jemals zuvor.

In Bezug auf konkrete Zahlen sieht das dann unter dem Strich so aus - Quelle ist hier der „Statistical Review of World Energy 2022. Der Anteil der konventionellen Energieträger Kohle, Erdöl und Gas am weltweiten Energiekonsum 2021 betrug 82 Prozent , aus der Wasserkraft kamen 6,8 Prozent, sonstige erneuerbaren Energien lieferten 7 Prozent und Kernkraft 4,2 Prozent .

Da haben sich die Abertausenden Milliarden an staatlichen Investitionen und die zunehmend realitätsfremden Klima-Vorschriften doch ordentlich ausgezahlt. Der Anteil fossiler Brennstoffe ist seit 2012 minimal gesunken, Wind und Solarenergie decken jetzt 7 statt 4 Prozent des Primärenergiebedarfs. Atomkraft ist relativ konstant geblieben, dürfte aber nun ein großes Comeback feiern, alleine schon als notwendige CO2-neutrale Backup-Kapazität für die unzuverlässigen und teuren Erneuerbaren.

Das Klima lässt sich nicht kontrollieren und die Kollateralschäden der grünen Planwirtschaft sind enorm

Die Prognosen des Weltklimarates (IPPC) liegen ständig daneben und zudem sind die globalen CO2-Emissionen absolut gemessen trotz Billionen Dollar an Ausgaben für Klimaschutz und Energiewende noch nicht einmal rückläufig.

Aber wen wundert das wirklich? Das Klima zu zähmen, die globale Temperatur auf den Grad genau kontrollieren zu wollen, ist im Kern eine absurde, ja größenwahnsinnige Vorstellung. Die Atmosphäre und das Erdklima sind ein hochkomplexes, chaotisches System mit so vielen Variablen, dass man es kaum prognostizieren kann. Nur 10 bis 15 Prozent der jährlichen C02-Emissionen sind überhaupt direkt oder indirekt menschengemacht. Der Rest ist natürlichen Ursprungs, vor allem durch den Stoffwechsel von Boden- und Meeresbakterien.

Die westliche Klimapolitik verkennt außerdem die Knappheit von Ressourcen. In einer Marktwirtschaft werden knappe Ressourcen, wozu auch Energie zählt, über den Preismechanismus automatisch ihrer bestmöglichen Verwendung zugeteilt, ergo maximal effizient eingesetzt. Staatliche Eingriffe haben den Energiemarkt aber mittlerweile vollkommen verzerrt.

Infolge der grünen Agenda wird besonders in Europa zu wenig in Öl- und Gasförderungsanlagen investiert, was genauso wie CO2-Steuern und -Emissionszertifikate den Preis fossiler Brennstoffe langfristig nochmal künstlich nach oben treibt. Derweil führt die gigantische Fehlallokation von Geldern im Energiebereich zu Ressourcen-Verschwendung, gravierenden Ineffizienzen und damit rapide steigenden Energiepreisen, was wiederum die Preise auf breiter Front erhöht.

Rational ist das schon lange nicht mehr, die Umweltpolitik ist heutzutage nur noch ideologisch getrieben. Wir leben aber im energetischen Zeitalter. Ohne Energie funktioniert gar nichts. Können wir uns da wirklich eine derart schlechte ideologische grüne Planwirtschaft erlauben?

Bei einer Staatsquote von grob 50 Prozent leben wir in Deutschland immerhin noch in einer halben Marktwirtschaft. Wenn sich die Regierungen zumindest teilweise aus dem Energiesektor zurückziehen würden, wenn eines Tages wieder Menschen und Firmen halbwegs frei entscheiden könnten, welche Energieformen benutzt und ausgebaut werden, bestünde vielleicht noch eine Chance auf eine erfolgreiche Energiewende – wenn das denn überhaupt das ist, was die meisten Menschen wollen. Und wenn es unbedingt die Staaten richten müssen, dann wären großflächige Aufforstungsprogramme dank der CO2-Bindung von Pflanzen deutlich effektiver, billiger, einfacher zu skalieren und zudem nachhaltiger – ohne die besonders bei Windrädern vorhandenen Recyclingprobleme.

Eine groteske Geldverschwendung

Beim Schreiben dieser Zeilen musste der Autor unweigerlich an den gescheiterten Sowjet-Sozialismus und seine unendlich hässlichen Plattenbauten denken. Die Parallelen zu den gigantomanischen Windrädern (auch größtenteils aus Beton gebaut), Symbolobjekte einer mit Ansage scheiternden Energiewende, welche mittlerweile das komplette Landschaftsbild in vielen Regionen Europas prägen, sind allzu offensichtlich.

Nicolai Lilin hat die triste und einfältige sowjetische Bauweise in seinem Roman „Sibirische Erziehung“ (S. 341) wie folgt beschrieben. „Orte wie dieser, wo die Natur ausgelöscht und gegen ein stupid-groteskes Projekt menschlicher Selbstverherrlichung eingetauscht worden waren, lösten bei Leuten wie mir Trauer und Schmerz aus.“ Lilin beziehungsweise der Protagonist bezieht sich hier konkret auf einen riesigen Spielplatz vor den Häuserblocks eines besonders hässlichen Stadtviertels, der für Kinder aufgrund allerlei spitzer Oberflächen hochgefährlich ist. Genauso wie heutzutage die Rotorblätter in den meist wenig profitablen Windparks zur Todesfalle für die Vögel verkommen.

Das traurige Fazit zum Status Quo in der Klimapolitik, frei nach Nicolai Lilin: Nichts als eine „groteske“ Geldverschwendung.

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Jakob Schmidt

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Jakob Schmidt ist studierter Volkswirt und schreibt vor allem über Wirtschaft, Finanzen, Geldanlage und Edelmetalle.

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