Wirtschaft

Gas-Preisdeckel: EU-Beschluss kommt nächste Woche

Nächste Woche will die EU den Gaspreisdeckel beschließen. Doch der Vorschlag aus Brüssel stößt bei den Staaten auf Ablehnung. Sie diskutieren Gegenvorschläge.
Autor
06.12.2022 17:19
Lesezeit: 2 min

Die Staaten der Europäischen Union sind sich noch immer nicht einig darüber, wie der Preisdeckel beim Gas im Großhandel aussehen soll. Doch die Zeit drängt. Denn bereits in der kommenden Woche solle auf einem Treffen der Energieminister eine Einigung erzielt werden.

Die Tschechische Republik, die turnusmäßig die EU-Ratspräsidentschaft innehat, hat zuletzt einen zweiten Kompromiss für eine breitere Preisobergrenze vorgeschlagen. Sie senkte die von der EU-Kommission im November vorgeschlagene Interventionsschwelle von 275 Euro auf 220 Euro, wie aus einem von Bloomberg eingesehenen Dokument hervorgeht.

Zuvor hatte die Mehrheit der Mitgliedstaaten die von der Kommission vorgeschlagene Höhe von 275 Euro scharf kritisiert. Unabhängig davon haben zwei Gruppen von Ländern ihre eigenen Lösungen vorgeschlagen. Eine Einigung über eine Preisobergrenze ist der Schlüssel, um die Verabschiedung eines umfassenderen Pakets von Notfallmaßnahmen freizugeben, einschließlich einer Stärkung der gemeinsamen Käufe und einer Begrenzung der Volatilität innerhalb eines Tages.

Auch wenn sich die Minister im November auf die endgültige Form des Pakets geeinigt hatten, wurde die endgültige Verabschiedung zurückgestellt, um weitere Gespräche über die Begrenzung der Gaspreise zu ermöglichen. Tschechien hat außerdem vorgeschlagen, die Anzahl der Tage, die für die Auslösung der Gaspreisobergrenze erforderlich sind, von den ursprünglich vorgesehenen zwei Wochen auf fünf zu reduzieren.

Die EU habe eine große Chance verpasst, bei der Gaspreisobergrenze zu handeln, sagte der slowenische Ministerpräsident Robert Golob beim Treffen der Staats- und Regierungschefs in Tirana, Albanien. Die Uneinigkeit unter den Mitgliedern und der "unzureichende" Vorschlag der EU-Kommission sende "katastrophale Botschaften an die Märkte, weshalb wir höhere Energiepreise zahlen", fügte Golob hinzu.

Mehrere Länder warnen jedoch weiterhin davor, dass eine zu enge Obergrenze die Gaslieferungen in die EU gefährden könnte. "Ich habe bereits gesagt, dass wir keine zu niedrige Obergrenze haben können, da wir sonst keine Lieferungen erhalten können", sagte der französische Präsident Emmanuel Macron in Tirana. "Es muss einen Mechanismus zur Begrenzung geben, um Spitzenwerte zu verhindern. Das ist es, was wir als Europäer beschlossen haben."

Die Niederlande schlugen eine gesonderte Preisobergrenze für gespeichertes Gas vor. Im Sommer war es zu einem noch nie dagewesenen Preisanstieg beim Gas gekommen, weil die EU-Staaten hastig ihre unterirdischen Anlagen auffüllten. In einem von Bloomberg zitierten Dokument argumentieren die Niederlande, dass ein von der Kommission vorgeschlagener umfassenderer Preiskontrollmechanismus die Märkte verzerren und dem Angebot schaden könnte.

"Der aktuelle Kommissionsvorschlag hat viele Nachteile", heißt es in dem Dokument. "Diese Nachteile können durch die Einführung einer gezielteren Preisobergrenze vermieden werden, die darauf abzielt, Episoden übermäßiger Preisspitzen wie im vergangenen August zu verhindern." Die niederländische Idee zeigt die anhaltenden Meinungsverschiedenheiten darüber, wie die Gaspreise im Winter am besten gesenkt werden können.

Eine Gruppe von sieben EU-Ländern forderte letzte Woche eine strengere Obergrenze für die Gaspreise und argumentierte, dass die Version der Kommission niemals in Kraft treten würde, weil sie zu viele strenge Bedingungen enthält. Die EU-Energieminister versuchen, am 13. Dezember eine Einigung in dieser strittigen Frage zu erzielen, obwohl die Diskussionen bis zum Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs im Laufe der Woche andauern könnten.

Das niederländische Dokument sagt, dass ihre Idee darin bestünde, preisunempfindliche Käufer, die von EU-Regierungen kontrolliert oder unterstützt werden, daran zu hindern, während der Abfüllsaison, die in der Regel nach August stattfindet, zu viel zu bieten. Der Preis würde niedriger angesetzt als das von der Kommission vorgeschlagene Niveau und jeden Monat überprüft, um sicherzustellen, dass genügend Gas in die Speicher gelangt.

"Die Verbraucherpreise werden sinken, weil die allgemeinen Marktpreise erheblich zurückgehen werden, was letztlich zu einer Senkung der Endverbraucherpreise führen wird", heißt es in dem niederländischen Dokument. Diese Regelung könnte in Zukunft auch auf die Wasserstoffspeicherung angewandt werden, heißt es weiter.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Musk spendet Millionen an Republikaner: Politische Annäherung an Trump?
04.02.2026

Elon Musk sendet mit einer neuen Spende ein politisches Signal an das republikanische Lager. Deutet der Schritt auf eine erneute...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Chiphersteller AMD übertraf Investorenerwartungen, konnte den Kursrutsch jedoch nicht verhindern
03.02.2026

Die US-Börsen warteten gespannt auf die Ergebnisse von AMD, in der Hoffnung, eine Bestätigung für das anhaltende Wachstum des KI-Sektors...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Börse färbt sich rot: Technologiesektor zieht US-Märkte ins Minus
03.02.2026

Die Hoffnung auf einen neuen Rekord an den US-Börsen wich schnell Kursverlusten, und der Handelstag endete in den roten Zahlen.

DWN
Finanzen
Finanzen Trumps Politik schwächt Dollar: US-Währung verliert an Einfluss weltweit
03.02.2026

Trumps Wirtschaftspolitik lässt den Dollar schwanken und bringt Anleger in Alarmbereitschaft. Die US-Währung hat seit seiner...

DWN
Politik
Politik Kevin Warsh als FED-Vorsitzender: Mehr Stabilität oder neue Unsicherheit?
03.02.2026

Die Nominierung von Kevin Warsh als Vorsitzenden der US-Notenbank verschiebt die Erwartungen an die künftige Geldpolitik und beeinflusst...

DWN
Panorama
Panorama Tanken in Deutschland: Spritpreise steigen wegen Rohöl und CO2-Preis
03.02.2026

Sprit wird teurer: Benziner und Diesel kosten im Januar deutlich mehr. Haupttreiber sind steigende Rohölpreise und die neue CO2-Abgabe.

DWN
Politik
Politik Nato-Generalsekretär Rutte zu Besuch in Kiew
03.02.2026

Russlands Angriffe auf die Ukraine treffen erneut die Energieinfrastruktur. Hunderttausende Menschen stehen ohne Heizung und Strom da....

DWN
Finanzen
Finanzen Zalando-Aktie bricht ein: TikTok-Konkurrenz verunsichert Anleger
03.02.2026

Ein einziger Analystenkommentar reicht – und schon rauscht die Zalando-Aktie in den Keller. Die Anleger fürchten, dass globale...