Politik

Norwegen: Unternehmer fliehen vor Vermögensabgabe ins Ausland

Mehr als 30 der reichsten Bürger sind dieses Jahr aus Norwegen ins Ausland geflohen. Unternehmer machen dafür die Anhebung der Vermögenssteuer verantwortlich.
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17.12.2022 07:59
Aktualisiert: 17.12.2022 07:59
Lesezeit: 3 min
Norwegen: Unternehmer fliehen vor Vermögensabgabe ins Ausland
Unternehmer fliehen vor der Vermögenssteuer aus Norwegen - unter anderem in die Schweiz. (Foto: dpa) Foto: Yanik Buerkli

Im Jahr 2022 sind mindestens 30 Millionäre aus Norwegen in die Schweiz umgesiedelt, wie aus den öffentlichen Meldungen an das Bevölkerungsregister des wohlhabenden skandinavischen Staates mit nur 5,4 Millionen Einwohnern hervorgeht. Weitere wohlhabende Norweger werden wahrscheinlich folgen.

Auch der vom Fischerei- zum Ölmagnaten aufgestiegene Kjell Inge Røkke, der einst reichste Mann Norwegens, ist in die Schweiz ausgewandert. Denn das Alpenland Alpenland bietet weitaus niedrigere Steuern. Andere Ziele für wohlhabende Auswanderer sind Zypern, Italien und Kanada.

Der jüngste wohlhabende Auswanderer aus Norwegen war dieses Jahr Fredrik Haga, der 31-jährige Mitbegründer des 1 Milliarde Dollar schweren Kryptowährungsdatenunternehmens Dune, der am heutigen Samstag seinen Wechsel von Norwegen nach Zug in der Schweiz formell anmelden wird.

"Ich musste mich entscheiden: Bin ich in Norwegen ansässig oder will ich, dass dieses Unternehmen Erfolg hat? Es geht nicht darum, dass ich keine Steuern zahlen will. Es geht darum, Steuern auf Geld zu zahlen, das ich nicht habe", sagte Haga der Financial Times.

Im Mittelpunkt der Debatte steht die norwegische Vermögenssteuer, die auf alle Nettovermögen über 1,7 Millionen Kronen (162.000 Euro) zu einem Satz von 1,1 Prozent erhoben wird. Auch die Schweiz hat eine Vermögenssteuer, bietet aber Vergünstigungen für Ausländer an.

Für Unternehmer, deren Vermögen größtenteils in ihrem Unternehmen gebunden ist, kann die Struktur der Steuer dazu führen, dass sie sich selbst hohe Dividenden ausschütten oder sogar Teile des Unternehmens verkaufen müssen, um die Steuer an den Staat abführen zu können.

Da Dune jedoch Verluste macht, konnte Haga keine Dividende ausschütten und will auch keine Anteile an seinem Unternehmen verkaufen. "Ich muss entweder Geld aus dem Unternehmen nehmen oder umziehen", so Haga, der befürchtete, dass seine nächste Steuerrechnung ein Mehrfaches seines verfügbaren Einkommens betragen würde.

Die 30 reichen Norweger, die in diesem Jahr in die Schweiz ausgewandert sind, verfügten über ein Gesamtvermögen von 29 Milliarden Kronen (2,8 Milliarden Euro) und zahlte 550 Millionen Kronen (52 Millionen Euro) Steuern, wie aus den jährlichen Steuererklärungen des Landes hervorgeht, die öffentlich zugänglich sind.

Nach Berechnungen der norwegischen Zeitung Dagens Naeringsliv ist die Abwanderung im Jahr 2022 größer als in den 13 Jahren zuvor zusammen. Røkke, der im September nach Lugano gezogen ist, zahlte im vergangenen Jahr 181 Millionen Kronen (17 Millionen Euro) Steuern.

Norwegens Vermögenssteuer ist eine der wenigen in Europa, die noch erhoben wird, seit Frankreich sie 2018 zugunsten einer Immobiliensteuer abgeschafft hat. Sie zwingt Unternehmer, Dividenden aus ihrem Unternehmen zu ziehen, die manchmal höher sind als die Gewinne. Das Investieren in Unternehmen wird dadurch weniger attraktiv.

Die Mitte-Links-Regierung von Ministerpräsident Jonas Gahr Støre hat die Vermögenssteuer in diesem Jahr erhöht, die Abgabe auf Dividenden angehoben und die Ermäßigung auf Betriebsvermögen für die Vermögenssteuer zurückgefahren. Die politische Rechte hingegen verspricht die Abschaffung der Steuer.

Laut Mathilde Fasting, einer Steuerexpertin beim Think-Tank Civita, dürfte sich die Vermögenssteuer auf Betriebsvermögen im Jahr 2022 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt haben, während die Dividendensteuer um fast 50 Prozent gestiegen sei.

Eine Wegzugssteuer, die flüchtende Millionäre abschrecken soll, soll demnächst verabschiedet werden. Obwohl Norwegen "nie als ein Land mit politischem Risiko" gegolten habe, dächten die Unternehmer jetzt, "dass wir noch ein paar Jahre mit dieser Regierung haben und es noch schlimmer werden könnte", so Fasting.

Laut Erlend Trygve Grimstad, Staatssekretär im Finanzministerium, müssen die Reichsten mehr zahlen, um den großzügigen Sozialstaat des Landes aufrechtzuerhalten. Zudem gebe es in Norwegen immer noch mehrere tausend Millionäre, mehr als in vielen anderen reichen Ländern pro Kopf der Bevölkerung.

"Die Menschen profitieren von kostenloser Bildung, nationaler Infrastruktur, kostenloser Gesundheitsfürsorge, subventionierter Kinderbetreuung im Vorschulalter, robusten Urlaubsregelungen und einer Körperschaftssteuer, die mit der anderer Länder vergleichbar ist", sagte er.

Haga sagte, er habe wenig davon, wenn er sich zu Wort melde, aber er wolle die Unternehmer und die aufstrebende Start-up-Szene Norwegens warnen. "Norwegen hat sich von einem schlechten zu einem schrecklichen Ort für den Aufbau eines Unternehmens entwickelt. Der Grund dafür ist die Vermögenssteuer", sagte er.

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