Deutschland

Deutscher Einzelhandel meldet Rekordumsatz wegen gestiegener Preise

Die Inflation hat den Konsum der Deutschen 2022 nicht abgewürgt, auch wenn der Rekordumsatz im Einzelhandel vor allem eine Folge der gestiegenen Preise ist.
06.01.2023 09:31
Lesezeit: 1 min

Die deutschen Einzelhändler haben wegen der stark steigenden Preise im vergangenen Jahr einen Umsatzrekord erzielt. Die Einnahmen übertrafen das Ergebnis des alten Rekordjahres 2021 um 8,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag zu seiner vorläufigen Schätzung mitteilte. Inflationsbereinigt (real) sank der Umsatz hingegen um 0,3 Prozent.

"Die Differenz zwischen den nominalen und realen Ergebnissen spiegelt die hohen Preissteigerungen im Einzelhandel wider", hieß es dazu. 2021 war der reale Umsatz noch um 0,8 Prozent gewachsen.

Einen empfindlichen Rückschlag musste im vergangenen Jahr der lange boomende Versand- und Internethandel hinnehmen: Dessen Umsatzminus von real 8,1 Prozent fiel überdurchschnittlich stark aus. "Allerdings hatte diese Branche während der Corona-Krise enorme Umsatzzuwächse erzielt", so die Statistiker.

Zuletzt zeigte der Trend für den gesamten Einzelhandel überraschend deutlich nach oben. Im November - in dem traditionell das wichtige Weihnachtsgeschäft mit Aktionen wie dem "Black Friday" beginnt - wurde real 1,1 Prozent mehr umgesetzt als im Vormonat. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hier mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet.

"Trotz Energiepreisdebakel und schlechter Verbraucherlaune hält sich der Umsatz erstaunlicherweise", kommentierte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger, diese Entwicklung. "Ein herber Konsumeinbruch ist bislang jedenfalls ausgeblieben." Die zunehmende Krisengewöhnung spreche gegen einen Konsumabsturz und für eine milde Rezession.

Begrenzt wird das Geschäft aber durch enorme Kaufkraftverluste der Verbraucher. Diese leiden unter der enormen Inflation. Im Oktober hatte die Teuerungsrate mit 10,4 Prozent den höchsten Stand seit 1951 erreicht, seither aber etwas nachgelassen. Auch für dieses Jahr rechnen viele Experten mit sinkenden Realeinkommen, auch wenn die Inflation nicht mehr so hoch ausfallen dürfte wie 2022. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Europäischer Medtech ist günstig, Goldrückgang ist vorübergehend
27.09.2026

Die Wall Street glänzt nahe seinen Rekordhöhen, doch unter der Oberfläche brodelt es. Während Künstliche Intelligenz die...

DWN
Politik
Politik Kanada und EU: Von der Leyens Plan könnte den Binnenmarkt verändern
27.09.2026

Kanada soll enger an die Europäische Union rücken als je zuvor. Ursula von der Leyen bringt dafür sogar eine "assoziierte...

DWN
Politik
Politik Gelockerter Kündigungsschutz für Hochverdiener: Was Arbeitgeber für 2027 wissen sollten
27.09.2026

Die Bundesregierung plant eine Reform des Kündigungsschutzes, in der Hochverdiener leichter kündbar werden sollen. Arbeitgeber können...

DWN
Panorama
Panorama Auswandern nach Andalusien: „In meinem Herzen habe ich zwei Seelen“
27.09.2026

Jens Halbroth und seine Frau Claudia suchten jahrelang nach einem neuen Lebensmittelpunkt. Sie reisten mit Motorrad und Wohnmobil durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
27.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Technologie
Technologie KI und Burnout: Warum ausgerechnet Entlastung krank machen kann
27.09.2026

KI soll Beschäftigte entlasten, Routinearbeit übernehmen und Unternehmen produktiver machen. Doch ausgerechnet die neue Effizienz schafft...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkttrend „Boomerang Hiring“ – erst gekündigt, dann zurückgeholt
27.09.2026

Die Wiedereinstellung ehemaliger Arbeitnehmer wird auch in Deutschland zum wachsenden Trend auf dem Arbeitsmarkt: Wie Arbeitgeber mit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Horacio Pagani im Porträt: Seine Autos sind verkauft, bevor die Öffentlichkeit sie sieht
27.09.2026

Horacio Pagani baut keine Autos für den Massenmarkt. Im vergangenen Jahr sollen es gerade einmal rund 50 gewesen sein, das günstigste...