Unternehmen

Der Fall von Tesla und der Aufstieg von Exxon inmitten der Energiekrise

Die hohe Inflation und die steigenden Zinssätze haben sich 2022 auf alle Arten von Wachstumsaktien ausgewirkt. Bestes Beispiel hierfür sind die unterschiedlichen Aktienverläufe von Tesla und Exxon Mobil.
07.01.2023 09:11
Aktualisiert: 07.01.2023 09:11
Lesezeit: 4 min

Wachstumsaktien wurden 2022 gründlich unter Beschuss genommen, da die hohe Inflation und die steigenden Zinssätze Wachstumsaktien aller Art unter Druck setzen. Aber nur wenige Aktien sind der Investors Business Daily ein Beispiel für die dramatische Umwälzung an der Spitze, wie der führende Elektroauto-Hersteller Tesla. Die Tesla-Aktie ist im Jahresverlauf 2022 um 69,5 Prozent eingebrochen und hat damit eine Marktkapitalisierung von 877 Milliarden US-Dollar verloren. Im Vergleich dazu ist der S&P 500 im gleichen Zeitraum um bescheidenere 19,7 Prozent gesunken.

Reihenweise Kunden stornieren Tesla-Bestellungen

Tesla ist vom fünftwertvollsten börsennotierten Unternehmen auf den dreizehnten Platz mit einer Marktkapitalisierung von 385 Milliarden. US-Dollar abgerutscht. Die Probleme von Tesla sind hinreichend dokumentiert, darunter Musks Twitter-Übernahme und die damit verbundenen Ablenkungen, die Sorge, dass die hohe Inflation und die steigenden Zinsen die Begeisterung der Verbraucher für Elektroautos dämpfen werden, sowie die Nervosität der Anleger in Bezug auf Wachstumswerte. Wie das Wall Street Journal berichtet, sind die Tesla-Aktionäre wütend auf CEO Elon Musk wegen seiner Twitter-Debatten, die zu mehreren Herabstufungen der Aktie geführt haben.

In der Zwischenzeit stornieren laut der Webseite Futurism reihenweise Kunden ihre Tesla-Bestellungen: „Seine Persönlichkeit ruiniert die Marke Tesla völlig. Ich freue mich auf ein Leben ohne Elon“, so ein Biotech-Manager, der ein Model S geleast hat. „Es gibt heute keinen Tesla-CEO“, twitterte Gary Black, ein Hedgefonds-Manager mit Tesla-Aktien im Wert von 50 Millionen US-Dollar, gegenüber Futurism. Aber Tesla ist hier kaum allein: Die Elektroauto-Branche befindet sich in einer Krise und die meisten Elektroauto-Aktien haben ein Jahr zum Vergessen hinter sich, in dem steigende Kosten, Probleme in der Lieferkette, zunehmender Wettbewerb und die Gefahr einer möglichen Rezession viele zu starken Verkäufen veranlassten.

Einige Wall-Street-Experten haben Tesla Aktie noch nicht aufgegeben

Überraschenderweise haben einige Wall-Street-Experten die Tesla-Aktie noch nicht aufgegeben und fordern die Anleger auf, den Ausverkauf als Kaufgelegenheit zu nutzen. So hat Citi laut dem Crowdsourcing-Content-Service Seeking Alpha Tesla als eine bullische Contrarian-Aktie für 2023 eingestuft, während Baird-Analyst Ben Kallo Tesla immer noch als „Best Idea“-Aktie für 2023 sieht.

Morgan Stanley ist der Meinung, dass Tesla seinen Vorsprung gegenüber seinen Konkurrenten im Bereich der Elektrofahrzeuge im kommenden Jahr ausbauen könnte, und nennt „Bewertung, Cashflow, Innovation und Kostenführerschaft“ als Hauptgründe für die Beibehaltung der Einstufung mit „Kaufen“. Die berühmte Contrarian-Investorin Cathie Wood, die dafür bekannt ist, in großem Stil auf ehemalige Wachstumsaktien zu setzen, wenn diese fallen, hat sich vor kurzem mit mehr als 25.000 Aktien des Elektroauto-Riesen eingedeckt.

Exxon Mobil mit höchstem Anstieg im S&P 500

Im krassen Gegensatz dazu hätten die Dinge für Teslas größten Konkurrenten im Bereich der fossilen Brennstoffe, Exxon Mobil, nicht anders laufen können. Exxon Mobil hat in diesem Jahr den größten Anstieg im S&P 500 verzeichnet, wobei der Energieriese dank der hohen Öl- und Gaspreise, die durch die Energiekrise ausgelöst wurden, fast so stark gestiegen ist wie die Technologiewerte während des Tech-Booms. Die XOM-Aktien sind in diesem Jahr um 72 % gestiegen und haben den Marktwert des Unternehmens um 190 Milliarden Dollar erhöht. Der Anstieg des Marktwerts von Exxon übertrifft den jedes anderen Unternehmens im S&P 500 und macht Exxon Mobil zur achtwertvollsten Aktie im S&P 500. Das ist ein bemerkenswerter Sprung, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen vor einem Jahr noch auf Platz 27 der wertvollsten Aktien im S&P 500 lag. Exxon war im Jahr 2011 das wertvollste Unternehmen im S&P 500, bis man 2012 von Apple überholt wurde.

Erträge für den US-Energiesektor werden sich stabilisieren

Während Citi XOM als eine der bearishen Contrarian-Aktien für 2023 ausgewählt hat, wird die Aktie von den meisten Wall-Street-Analysten positiv gesehen, wie ihr durchschnittliches Kursziel von 118,89 US-Dollar beweist, was einem Aufwärtspotenzial von 10 Prozent entspricht. Es wird erwartet, dass der Energiesektor im Jahr 2023 wieder besser abschneidet als der Markt, und XOM sollte das gut gelingen, da die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (Fwd) von 7,9 immer noch günstig ist. Im Oktober 2022 erhöhte Exxon seine vierteljährliche Dividende um 0,03 US-Dollar pro Aktie auf 0,91 US-Dollar pro Aktie, womit das Unternehmen seine Dividende das 40. Jahr in Folge erhöht hat und weiterhin zur Elite der Dividenden-Aristokraten gehört. Die XOM-Aktie rentiert jetzt 3,3 Prozent.

Die Aussichten für den US-Energiesektor sind weiterhin gut. Einem kürzlich erschienenen Forschungsbericht von Moody's zufolge werden sich die Erträge der Branche im Jahr 2023 insgesamt stabilisieren, wenngleich sie leicht unter dem Niveau der letzten Spitzenwerte liegen werden. Die Analysten stellen fest, dass die Rohstoffpreise von einem sehr hohen Niveau zu Beginn des Jahres 2022 zurückgegangen sind, prognostizieren aber, dass die Preise bis 2023 zyklisch stark bleiben dürften. In Verbindung mit einem bescheidenen Wachstum der Fördermengen wird dies den Öl- und Gasproduzenten einen starken Cashflow bescheren. Moody's schätzt, dass das EBITDA des US-Energiesektors im Jahr 2022 bei 623 Milliarden US-Dollar liegen wird, 2023 aber leicht auf 585 US-Dollar zurückgeht.

Starke Exportnachfrage wird hohe Erdgaspreise weiter stützen

Nach Ansicht der Analysten werden die niedrigen Investitionsausgaben, die zunehmende Unsicherheit über die Ausweitung des künftigen Angebots und die hohe geopolitische Risikoprämie die zyklisch hohen Ölpreise jedoch weiterhin stützen. In der Zwischenzeit wird laut der Webseite Oilprice die starke Exportnachfrage nach US-amerikanischem Flüssiggas die hohen Erdgaspreise weiter befeuern.

Die kombinierte Dividenden- und Rückkaufsrendite für den Energiesektor nähert sich jetzt acht Prozent, was im historischen Vergleich hoch ist. Ähnlich hohe Niveaus gab es in den Jahren 2020 und 2009, die Phasen der Stärke vorausgingen. Im Vergleich dazu liegt die kombinierte Dividenden- und Rückkaufsrendite für den S&P 500 bei knapp fünf Prozent, was eine der größten Lücken zugunsten des Energiesektors in der Geschichte darstellt. Mit anderen Worten: Es gibt für Anleger, die auf dem US-Aktienmarkt investieren, einfach keine besseren Plätze, um ihr Geld zu parken, wenn sie auf der Suche nach ernsthaftem Ertragswachstum sind.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Cupra Terramar im Test: Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens ist nur noch Erinnerung
23.05.2026

Der Cupra Terramar will nicht brav sein. Er kombiniert SUV-Format, Premium-Gefühl und sportliche Optik mit einem Benziner, der mehr kann,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hohe Ölpreise: IEA erwartet neuen Wachstumsschub für Elektroautos
23.05.2026

Elektroautos verkaufen sich weltweit so stark wie nie zuvor. Hohe Energiepreise und die Krise im Nahen Osten könnten diesen Trend...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ökonomen ratlos: Stehen wir vor einer großen Weltwirtschaftskrise?
23.05.2026

Pessimisten warnen vor Stagflation, Optimisten vertrauen auf KI und starke Unternehmen. Die Wahrheit über die Weltwirtschaft könnte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DreiMeister-Insolvenz: Traditionsreicher Schokoladenproduzent unter Druck – 150 Jobs bedroht
22.05.2026

Mit der DreiMeister-Insolvenz gerät ein bekannter deutscher Pralinenhersteller in schwere Turbulenzen. Trotz internationaler Kunden und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: S&P verzeichnet längste Gewinnserie seit 2023
22.05.2026

Was die Märkte antreibt und welche entscheidenden Signale Anleger jetzt im Blick behalten sollten

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Start-up selvendo: Wenn künstliche Intelligenz Unternehmensnachfolger für den Mittelstand sucht
22.05.2026

Rund 250.000 Unternehmen stehen in den kommenden Jahren vor dem Aus, weil sich kein Nachfolger findet. Das Start-up selvendo vermittelt...

DWN
Finanzen
Finanzen Trade Republic attackiert Europas Banken mit sechs Prozent Zinsen
22.05.2026

Sechs Prozent Zinsen, Brad Pitt im Werbespot und ein deutscher Anbieter, der in Polen plötzlich klassische Banken herausfordert. Trade...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft im Alarmzustand: Fünf Daten zerlegen den Aufschwung
22.05.2026

Deutschland steht wirtschaftlich schlechter da, als das schwache Wachstum vermuten lässt. Industrie, Konsum, Inflation und Arbeitsmarkt...