Finanzen

Japans Notenbank verliert Kontrolle, Rendite bricht aus

Anleger haben offenbar das Vertrauen in die japanische Notenbank verloren. Sie wetten trotz gegenteiliger Ankündigungen auf eine Straffung der Geldpolitik.
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14.01.2023 09:46
Aktualisiert: 14.01.2023 09:46
Lesezeit: 3 min
Japans Notenbank verliert Kontrolle, Rendite bricht aus
Der Bank of Japan scheint die Kontrolle über den Markt für Staatsanleihen zu entgleiten. (Foto: dpa) Foto: Eugene Hoshiko

Die Renditen langfristiger japanischer Staatsanleihen und der Yen sind am Freitag sprunghaft angestiegen. Damit wächst der Druck auf die Bank of Japan, der die Kontrolle auf dem Anleihemarkt zu entgleiten scheint. Daher wird die Notenbank möglicherweise bereits auf ihrer Vorstandssitzung in der kommenden in einem Kernpunkt ihrer ultralockeren Geldpolitik weiter nachgeben.

Analysten sagten, die starken Bewegungen erhöhten die Unsicherheit im Vorfeld der Vorstandssitzung der Bank of Japan, wie die Financial Times berichtet. Händler in Tokio bezeichneten die Unvorhersehbarkeit im Hinblick auf die zweitägige Sitzung als "brutal" für Anleger, die an ein Jahrzehnt vorhersehbarer Quantitativer Lockerung (QE) unter Notenbankchef Haruhiko Kuroda gewöhnt sind.

Die Bank of Japan hatte im Dezember ihre langjährigen Maßnahmen zur Steuerung der Renditekurve überarbeitet und versprochen, den Markt für japanische Staatsanleihen wieder in Ordnung zu bringen. Stattdessen hat die Änderung - die Erweiterung der Bandbreite, in der die Anleihen schwanken können - in den letzten Wochen zu mehr Volatilität geführt.

Die Rendite zehnjähriger Anleihen stieg am Freitag nach der Markteröffnung in Tokio kurzzeitig auf über 0,53 Prozent. Sie durchbrach damit die von der Notenbank neu festgelegte Obergrenze von 0,5 Prozent und erreichte den höchsten Stand seit Juni 2015. Der Yen erreichte mit 128,66 gegenüber dem US-Dollar den höchsten Stand seit mehr als sieben Monaten.

Takeshi Yamaguchi, Japan-Chefvolkswirt bei Morgan Stanley, sagte, der neu geschaffene Renditerahmen könne als ein Spiel zwischen der Zentralbank und den Märkten betrachtet werden. "Die plötzliche Änderung im Dezember könnte das Vertrauen der Marktteilnehmer in die Kommunikation der Bank of Japan und die Nachhaltigkeit der Renditekontrolle erschüttert haben", so Yamaguchi.

"Wenn viele Marktteilnehmer die Abschaffung des Rendite-Rahmens zu einem bestimmten Zeitpunkt erwarten, wird diese Situation wahrscheinlich den Verkauf von japanischen Staatsanleihen beschleunigen und das Funktionieren des Marktes bis dahin verschlechtern", sagte der Morgan-Stanley-Ökonom.

Citigroup-Ökonom Kiichi Murashima erwartet, dass Kuroda die langjährigen Maßnahmen zur Renditekontrolle abschaffen wird, wenn die Entscheidungsträger der Bank am Dienstag und Mittwoch zusammenkommen. Seiner Ansicht nach scheinen die Probleme im Markt für japanische Staatsanleihen "schlimmer zu sein als erwartet".

Daher könnte eine weitere Anpassung der Notenbankpolitik unvermeidlich geworden sein, sagt Murashima. "Die Bank of Japan hat vielleicht nicht damit gerechnet, dass sich die Bedingungen so verschlechtern würden, aber sie ist nun Geisel ihrer eigenen Logik, dass sie handeln würde, um das Funktionieren des Marktes zu verbessern."

Für Kuroda wird die geldpolitische Sitzung nächste Woche die vorletzte sein, bevor er im April zurücktritt. Dies hat auch Spekulationen genährt, er werde den Renditerahmen beenden, um den Übergang zu seinem Nachfolger zu erleichtern. Am Dienstag berichtete die japanische Zeitung Yomiuri Shimbun, dass die Notenbank den Renditerahmen überprüfen und bei Bedarf zusätzliche Anpassungen vornehmen wird.

Die Bank of Japan hatte die Märkte im Dezember mit der Ankündigung überrascht, die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen um 0,5 Prozentpunkte über oder unter ihrem Zielwert von Null schwanken zu lassen und damit die bisherige Bandbreite von 0,25 Prozentpunkten in beide Richtungen zu ersetzen. Die Tagesgeldzinsen beließ sie bei minus 0,1 Prozent.

Seitdem haben die Märkte Kurodas Versicherung, die Bank of Japan werde ihre Geldpolitik nicht straffen, auf die Probe gestellt und die Zentralbank gezwungen, eine ganze Reihe außerplanmäßiger Käufe von Staatsanleihen im Wert von mehreren Billionen Yen zu tätigen, um den Anstieg der Renditen einzudämmen.

"Die Anleiherenditen und der Yen sind gestiegen, während die Aktien gefallen sind. Das war auf jeden Fall eine Straffung", sagte Masamichi Adachi, Chefvolkswirt der UBS in Japan. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass die Notenbank kühnere Schritte zur Straffung unternehmen werde, es sei denn, es gäbe eine wesentliche Änderung der Inflationsaussichten in Japan und Hinweise auf eine Beschleunigung des Lohnanstiegs.

Die Kerninflation, in der die volatilen Preise für frische Lebensmittel nicht enthalten sind, erreichte im November mit 3,7 Prozent den höchsten Stand seit fast 41 Jahren. Einige große Unternehmen haben erhebliche Lohnerhöhungen angekündigt, aber die Ökonomen sind sich uneins darüber, ob diese Maßnahmen nachhaltig genug sein werden, um einen Zyklus steigender Löhne, Konsum und Preise zu schaffen.

Naka Matsuzawa, leitender Japan-Makro-Stratege bei Nomura, sagte, es sei unwahrscheinlich, dass die Bank of Japan in der nächsten Woche ihre Politik ändern werde. Denn die Märkte für kurzfristige Staatsanleihen würden derzeit nicht nur das Ende der Negativzinsen einpreisen, "sondern auch weitere Zinserhöhungen", so Matsuzawa.

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