Politik

Über 7200 Tote nach Beben in Türkei und Syrien

Rettungskräfte suchen weiterhin nach Überlebenden in den Trümmern tausender Gebäude, die durch ein starkes Erdbeben und mehrere Nachbeben eingestürzt waren.
07.02.2023 21:18
Aktualisiert: 07.02.2023 21:18
Lesezeit: 2 min

Mit Hochdruck suchen die Rettungskräfte einen Tag nach dem schweren Erdbeben in der Türkei und Syrien nach Überlebenden. Eisige Temperaturen und Regen erschweren die Suche in den Trümmern. Die Zahl der Toten stieg auf über 7200, mehr als 5430 davon in der Türkei.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan rief den Notstand in den betroffenen Gebieten aus. Er gelte für drei Monate in zehn Provinzen im Süden des Landes, sagte Erdogan am Dienstag. Zugleich erklärte er die Region zum Katastrophengebiet. International lief die Hilfe an, erste Teams auch aus Deutschland trafen im Katastrophengebiet ein. 70 Länder hätten inzwischen ihre Unterstützung bei den Such- und Rettungsmaßnahmen angeboten, sagte Erdogan.

"Es ist ein Wettlauf mit der Zeit", sagte der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus. "Jede Minute, jede Stunde, die verstreicht, schmälert die Chancen, noch jemanden lebend zu finden." In der Nacht zum Montag hatte ein erstes schweres Beben die Grenzregion erschüttert, am frühen Montagnachmittag folgte ein zweites. Tausende Gebäude stürzten ein, Zehntausende Menschen wurden verletzt. Viele verbrachten die Nacht zu Dienstag aus Angst vor Nachbeben auf den Straßen, in ihren Autos oder in Notunterkünften.

Die türkische Regierung plant Präsident Erdogan zufolge, Betroffene vorübergehend auch in Hotels in der westlich gelegenen Tourismusmetropole Antalya unterzubringen. In der Türkei sind den Behörden zufolge 13,5 Millionen Menschen betroffen. Das Gebiet erstreckt sich in der Türkei über 450 Kilometer von Adana im Westen bis Diyarbakir im Osten und über 300 Kilometer von Malatya im Norden bis Hatay im Süden. Syrische Behörden meldeten Tote auch aus Hama im Süden, etwa 100 Kilometer vom Epizentrum entfernt.

Die Zahl der Toten dürfte Experten zufolge weiter steigen. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, befürchtet, dass Tausende Kinder darunter sein dürften. Das Beben in der Türkei war das Schwerste seit einem Beben ähnlicher Stärke im Jahr 1999, bei dem mehr als 17.000 Menschen ums Leben kamen.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser stellte der Türkei zusätzliche Hilfe in Aussicht. "Weitere Hilfslieferungen mit Notstromaggregaten, Zelten und Decken werden gerade zusammengestellt, um schnellstens starten zu können", sagte die SPD-Politikerin am Dienstag. Sie habe außerdem angeboten, dass das Technische Hilfswerk (THW) Camps mit Notunterkünften und Wasseraufbereitungsanlagen zur Verfügung stelle. Ein erstes ISAR-Hilfsteam mit etwa 40 Einsatzkräften sei bereits eingetroffen, ein weiteres Search und Rescue-Team des THW mit 50 Einsatzkräften sollte noch am Dienstag aufbrechen.

In den Städten warteten Überlebende verzweifelt auf Rettungskräfte. "Sie machen Geräusche, aber niemand kommt", klagte Deniz wie andere Bewohner der südtürkischen Mittelmeer-Provinz Hatay auch. 13.740 Such- und Rettungskräfte wurden laut der türkischen Katastrophenschutzbehörde Afad in die Erdbebenregion entsandt. Allerdings ist das Ausmaß der Schäden enorm.

In Syrien öffneten Moscheen ihre Pforten, um Betroffene aufzunehmen. Nach Angaben der Regierung und von Rettungskräften in den von der Regierung kontrollierten Regionen und von Rebellen gehaltenen Gebieten im Nordwesten des Landes starben mindestens 1832 Menschen. Auch hier werden noch viele Opfer unter den Trümmern vermutet. Die Region hatte schon unter dem syrischen Bürgerkrieg besonders zu leiden.

Zerstörte Straßen und der harte Winter erschweren den Vereinten Nationen zufolge die Rettungsarbeiten. In Hama wurden am Dienstag die ersten Toten beerdigt. "Es ist schrecklich", sagte Abdallah al-Dahan, ein Einwohner der Stadt. "In meinem ganzen Leben habe ich so was noch nicht gesehen, bei allem was uns schon widerfahren ist." (Reuters)

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