Finanzen

Russland: Staatsfonds ersetzt Euro durch Gold, Yuan und Rubel

Der russische Staatsfonds wird den Anteil des Euro noch in diesem Jahr auf Null absenken. Stattdessen setzt der Fonds nun ganz auf Yuan, Gold und Rubel.
Autor
11.02.2023 13:21
Aktualisiert: 11.02.2023 13:21
Lesezeit: 3 min

Russlands Finanzministerium wird den Anteil des Euro in seinem Nationalen Vermögensfonds noch in diesem Jahr auf null absenken. Dies berichtete am Donnerstag die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf den stellvertretenden Finanzminister des Landes, Wladimir Kolytschew. Der Fonds solle nur noch Gold, chinesische Yuan und Rubel halten.

Ein Bericht in der Global Times, dem englischsprachigen Sprachrohr der Kommunistischen Partei Chinas, zitiert Analysten, denen zufolge der jüngste Schritt Russlands gegen den Euro "die Internationalisierung des Yuan auf ein höheres Niveau hebt und auch zu einer weiteren Entdollarisierung führen wird".

Am 30. Dezember hatte das russische Finanzministerium bereits eine bedeutende Aufstockung der Anteile von Yuan und Gold im Nationalen Vermögensfonds genehmigt. Demnach darf der Staatsfonds den Anteil von Gold nach zuvor 20 Prozent jetzt auf bis zu 40 Prozent aller Einlagen anheben, die Obergrenze für den Anteil des Yuan wurde von 30 Prozent auf 60 Prozent verdoppelt.

Diese Woche bestätigt nun der stellvertretende russische Finanzminister Wladimir Kolytschew, dass der russische Staatsfonds zu maximal 60 Prozent aus Yuan und zu höchstens 40 Prozent aus Gold bestehen wird, "und Russland kann den Staatsfonds mit Rubel aufstocken", fügt Kolytschew hinzu. Stand 1. Februar 2023 verfügte der russische Staatsfonds laut einem Bericht des Finanzministeriums über

  • 10,46 Milliarden Euro,
  • 307,44 Milliarden Yuan (42,2 Milliarden Euro),
  • 551,27 Tonnen Gold (31 Milliarden Euro) und
  • 530,1 Millionen Rubel (6,7 Millionen Euro).

Die Herausnahme des Euro aus dem NWF ist im Wesentlichen eine Fortsetzung der früheren systematischen Entdollarisierungspolitik Russlands. Das Yuan-System ist objektiv die beste Lösung für die Entdollarisierung Russlands und anderer Länder", sagte Chen Jia, ein Analyst für internationale Strategie, am Freitag gegenüber der Global Times.

Dies zeigt sich dem Analysten zufolge auch an der Ausweitung des Yuan-Handels an der Moskauer Börse, nachdem westliche Länder im Jahr 2022 Sanktionen gegen russische Finanzinstitute verhängt hatten. Im November 2022 entfielen 48 Prozent des Devisenhandels an der Moskauer Börse auf den Yuan, gegenüber nur 0,2 Prozent zu Beginn des Jahres 2022.

In der Folge hat der Yuan bereits einen erheblichen Einfluss auf den Rubelkurs. Die Zunahme des Anteils des Yuan am Handelsvolumens und der Abrechnung wird dazu beitragen, den Rubelkurs zu stabilisieren und das Investitionsumfeld in der russischen Wirtschaft zu verbessern, sagten die Analysten gegenüber der Global Times.

Die wachsende Rolle des Yuan sei auch eine Folge der westlichen Finanzsanktionen, die Russland dazu veranlassten, eine sicherere Währung zu suchen. Die Beliebtheit des Yuan bei russischen Unternehmern sei zudem ein Beweis dafür, dass sich die russischen Unternehmen neuen Märkten zuwenden, insbesondere China, so die Analysten.

Einem Bericht der russischen Bank für industrielle Kommunikation zufolge haben zwischen Mai und Oktober letzten Jahres etwa 15 Prozent der russischen kleinen und mittleren Unternehmen ausländische Währungen verwendet. Von denjenigen, die Devisen verwendeten, entschieden sich 34 Prozent für den US-Dollar, 31 Prozent für den Yuan und 28 Prozent für den Euro.

In der Umfrage der russischen Bank für industrielle Kommunikation vom letzten Jahr wurde zudem festgestellt, dass der Yuan von den russischen Unternehmen aufgrund des zunehmenden Handels mit Asien und der geringeren Zahlungsrisiken bevorzugt wird, die mit der Verwendung der chinesischen Währung einhergehen sind.

Der Yuan hat sich angesichts der starken Zinserhöhungen durch die US-Notenbank und der weltweiten Inflation relativ stabil gehalten. Dies sei der Hauptgrund dafür, dass Russland und zahlreiche andere Entwicklungs- und Schwellenländer in der Welt den Anteil des Yuan an ihren Staatsreserven weiter erhöhen, so Chen.

Der aktuelle geopolitische Konflikt zwischen dem Westen und Russland beschleunigt den globalen Trend zur Entdollarisierung, sagte Hong Yong, Forschungsbeauftragter der Chinesischen Akademie für internationalen Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit, am Freitag gegenüber der Global Times.

"Die Rolle des US-Dollars auf dem internationalen Finanzmarkt ist nicht mehr so stark wie früher, und die US-Regierung hat ihre Kontrolle über den Dollar verstärkt, sodass viele Länder nach alternativen Währungen suchen", sagte Hong. Mit der Abschwächung der US-Wirtschaft schwinde auch das internationale Vertrauen in den Dollar, was den Prozess der Entdollarisierung beschleunigen werde.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Vielleicht ist alles, was man Ihnen über Geld erzählt hat, falsch?
12.07.2026

Vielleicht gelten die jahrhundertealten Investitionsweisheiten nicht mehr? Vielleicht sind es Mythen, die früher einmal funktioniert...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungswirtschaft: Neubau droht der "Kollaps"
12.07.2026

Schon 2025 sank die Fertigstellung neuer Quartiere auf den niedrigsten Wert seit mehr als einem Jahrzehnt. Auch für dieses Jahr schlägt...

DWN
Technologie
Technologie Cyberrisiken erkennen: 5 typische Schwachstellen im Mittelstand und was Unternehmen tun können
12.07.2026

Cyberangriffe treffen den Mittelstand oft nicht durch spektakuläre Hackertricks, sondern durch alltägliche Versäumnisse. Eine Analyse...

DWN
Panorama
Panorama Von der Pandemie zur erschöpften Gesellschaft: Verschwindet die Menschlichkeit immer mehr?
12.07.2026

Alles begann mit der COVID-19-Pandemie, seitdem geht es weiter bergab. Es entstehen immer neue militärische Konflikte, wirtschaftliche...

DWN
Technologie
Technologie Verliebt in einen Bot – Sind KIs die besseren Partner?
12.07.2026

Immer verfügbar, stets zuvorkommend, keine Ego-Touren: Im Gespräch mit KI-Bots fehlt der menschliche Faktor. Kann das unter Umständen...

DWN
Immobilien
Immobilien Vom Leerstand zum Lebensraum – der Staat will leere Büros in Wohnraum verwandeln
12.07.2026

Die deutschen Innenstädte stecken in einer bizarren Identitätskrise: Auf der einen Seite suchen Menschen verzweifelt nach bezahlbarem...

DWN
Panorama
Panorama Porträt: Er erbte Milliarden und ein Schloss – so hält er das Erbe seines berühmten Großvaters am Leben
12.07.2026

Er erbte Tausende von Werken des vielleicht größten Künstlers der Welt. Nun widmet er seine Zeit dem Verleihen dieser Werke an Museen...

DWN
Politik
Politik Renteneintritt: Die Babyboomer-Welle trifft den Arbeitsmarkt hart
11.07.2026

Der bevorstehende Rentenboom der Babyboomer-Generation wird die deutsche Wirtschaft weitaus härter treffen als bislang prognostiziert. Zu...