Wirtschaft

Chinas Industrie überrascht mit stärkstem Wachstum seit 2012

Chinas offizieller Einkaufsmanagerindex ist im Februar auf den höchsten Stand seit 2012 gestiegen. Der IWF erwartet ein starkes Wachstum, mit weltweiten Folgen.
01.03.2023 10:00
Aktualisiert: 01.03.2023 10:00
Lesezeit: 1 min
Chinas Industrie überrascht mit stärkstem Wachstum seit 2012
Die Harbin Electric Corporation ist ein führender chinesischer Hersteller von Elektromaschinen in der Provinz Heilongjiang. (Foto: dpa) Foto: Wang Song

Nach dem Ende der Corona-Beschränkungen nimmt das Wachstum in China rasant an Fahrt auf. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie stieg im Februar um 2,5 auf 52,6 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit April 2012, wie das Statistikamt am Mittwoch zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Das Barometer liegt nunmehr deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Die Prognose der von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Analysten wurden klar übertroffen: Sie hatten nur einen kleinen Anstieg auf 50,5 Zähler erwartet. Das Barometer für die Dienstleister sprang um 1,9 auf 56,3 Punkte, womit der höchste Wert seit knapp zwei Jahren erreicht wurde.

"Die Daten deuten auf einen starken Start der chinesischen Wirtschaft ins Jahr 2023 hin", sagte Commerzbank-Ökonom Tommy Wu. "Sie wird sich in diesem Jahr erholen, da das Ende der Null-Covid-Politik die Nachfrage ankurbelt und eine Normalisierung der Lieferketten ermöglicht." Dabei dürften vor allem die Konsumausgaben für Schwung sorgen, die besonders unter den Lockdown-Maßnahmen der vergangenen drei Corona-Jahre gelitten hätten. Viele Chinesen haben während der Pandemie weniger Geld als üblich ausgeben können, da etwa Reisen und Restaurantbesuche nur stark eingeschränkt möglich waren. Dieses Geld könnte nun mit vollen Händen ausgegeben werden, der Nachholeffekt den Konsum somit anschieben.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 5,2 Prozent in China. 2022 hatte es wegen wiederkehrender Corona-Lockdowns nur zu einem Plus von drei Prozent gereicht. Die erwartete Beschleunigung ist eine gute Nachricht für die deutsche Wirtschaft, ist doch die Volksrepublik ihr wichtigster Handelspartner. Mit einem Außenhandelsumsatz von 297,9 Milliarden Euro war China 2022 bereits im siebten Jahr in Folge Deutschlands wichtigster Handelspartner.

"Der Schwung Chinas wird erfreulicherweise auch das globale Wachstum wieder unterstützen können", sagte NordLB-Analyst Bernd Kampen. Das könne aber auch eine unangenehme Nebenwirkung haben: Die höhere Nachfrage Chinas sollte "für anhaltend hohe Preise generell auf dem Weltmarkt sprechen", sagte Kampen. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik EU-Rohstoffpolitik: Europäischer Rechnungshof sieht strukturelle Schwächen
22.02.2026

Die EU will mit ihrer Rohstoffpolitik die Versorgung mit kritischen Rohstoffen sichern, doch der Europäische Rechnungshof sieht deutliche...

DWN
Politik
Politik World Leaders Ranking: Indiens Premier Modi bleibt beliebtester Staatschef – wo steht Merz?
22.02.2026

Die aktuellen Ranglisten zur Zustimmung für Staats- und Regierungschefs offenbaren spürbare Verschiebungen im globalen Machtgefüge....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Der Ukraine-Krieg und Deutschlands Rohstoff-Dilemma: Abhängigkeit statt Versorgungssicherheit
22.02.2026

Der Ukraine-Krieg hat nicht nur Europas Sicherheitsordnung erschüttert, sondern auch Deutschlands wirtschaftliches Fundament offengelegt....

DWN
Finanzen
Finanzen Amundi verringert Dollar-Exponierung: Europa im Zentrum der Anlagestrategie
22.02.2026

Amundi reduziert gezielt Dollar-Engagements und richtet seine Portfolios stärker auf Europa und Schwellenmärkte aus. Signalisiert dieser...

DWN
Politik
Politik Sanktionslücke bei Düngemitteln: Russlands Rüstungsindustrie profitiert
22.02.2026

Eine Sanktionsausnahme für Düngemittel verschafft Russlands Rüstungsindustrie Zugang zu zentralen Vorprodukten für Munition, obwohl...

DWN
Politik
Politik Washington Post unter Druck: Welche Rolle spielt Jeff Bezos für die Pressefreiheit?
22.02.2026

Die Washington Post steht exemplarisch für den wachsenden Druck auf die Pressefreiheit in den USA. Gerät die publizistische...

DWN
Politik
Politik Das Ländle wählt: Wohin steuert das Autoland Baden-Württemberg?
22.02.2026

Am 8. März entscheidet sich, welche Wirtschaftspolitik im Südwesten künftig gelten soll. Die Konzepte der Parteien reichen von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue Ära im Welthandel: Bain-Chef sieht strukturellen Umbruch
21.02.2026

Geopolitische Spannungen und technologische Umbrüche erzwingen eine strategische Neuausrichtung in der Weltwirtschaft. Wie lässt sich...