Finanzen

Der Yuan ist der überraschende Gewinner der Ukraine-Krise

Lange war es erwartet worden, doch erst der Ukraine-Krieg hat es nun tatsächlich bewirkt. Der chinesische Yuan ist plötzlich eine echte Alternative zum Dollar.
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16.03.2023 20:02
Aktualisiert: 16.03.2023 20:02
Lesezeit: 4 min

Chinas Einfluss auf den russischen Markt hat sich infolge des neuen Ost-West-Konflikts massiv verstärkt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Moskauer Börse hat der Yuan im vergangenen Monat den Dollar als die am meisten gehandelte Währung überholt. Die chinesische Währung erreichte im Februar einen Anteil von fast 40 Prozent am Handelsvolumen, wie Bloomberg berichtet.

Die gängige Meinung auf den Finanzmärkten besagt, dass der Yuan der Weltwährung Dollar oder dem Euro keine Konkurrenz machen kann, solange China ihn nicht vollständig konvertierbar macht. Zudem zeigen die SWIFT-Daten zeigen, dass der Anteil des Yuan am internationalen Zahlungsverkehr seit 2016 nur mäßig gewachsen ist, als die chinesische Währung in den Korb der Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds aufgenommen wurde.

Infolge des Krieges des Kremls in der Ukraine und der westlichen Sanktionen gegen Russland ist der Yuan plötzlich auf dem Weg zur dominierenden Regionalwährung in Nordeurasien. Die Mühen, welche die chinesische Währung zuvor auf dem russischen Markt hatte, sind vergessen. Lange war die Logik des Marktes wichtiger als die Geopolitik, nun jedoch hat die Geopolitik alle anderen Erwägungen mit Macht in die Schranken gewiesen.

Die von der russischen Regierung nach der Annexion der Halbinsel Krim im Jahr 2014 angeordnete Entdollarisierung der russischen Wirtschaft verlief nicht immer reibungslos. Moskau ermutigte die Unternehmen des Landes dazu, im Handel mit China auf den Dollar zu verzichten und stattdessen den Rubel oder den Yuan zu verwenden.

Im Jahr 2017, nachdem der US-Kongress den Countering America's Adversaries Through Sanctions Act verabschiedet hatte, ordnete die russische Zentralbank eine umfassende Anpassung der Struktur ihrer Währungsreserven an. Sie verlagerte 15 Prozent ihrer Devisenbestände in Yuan. Trotz dieses Vorstoßes des Kremls wollten nur wenige russische Unternehmen in nicht konvertierbaren Yuan bezahlt werden.

Einige große staatliche russische Unternehmen wie Rosneft Oil stellten ihre Verträge mit China vom Dollar auf den Euro um. Viele russische Energieunternehmen kauften in China Werkzeuge und Maschinen, wie zum Beispiel Bohrtürme. Aber selbst hier war es üblich, nur einen Bruchteil des Vertrags in Yuan zu denominieren: gerade genug, um die Ausrüstung zu kaufen. Der Rest sollte in konvertierbaren Währungen außerhalb Chinas, meist dem Euro, bezahlt werden.

Der Krieg und die darauf folgenden Sanktionen des Westens gegen Russland haben alles verändert. Die Abhängigkeit Russlands vom Yuan nimmt seitdem in allen Bereichen rapide zu. Der Anteil der russischen Exporte, die in Renminbi abgewickelt werden, stieg in den ersten neun Monaten des Jahres 2022 nach Angaben der Bank von Russland von 0,4 Prozent auf 14 Prozent.

Konten für Yuan-Einlagen sind inzwischen bei allen großen russischen Banken erhältlich. Daher sind die Yuan-Bestände der russischen Privathaushalte in den ersten neun Monaten des Jahres 2022 von null auf umgerechnet 6 Milliarden Dollar angestiegen. Das sind 11 Prozent der von den russischen Privathaushalten gehaltenen Fremdwährungsbestände.

Wie Alexandra Prokopenko, eine ehemalige Beraterin der russischen Zentralbank, in einer Untersuchung für die Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden zeigt, ist die Nachfrage nach Yuan an der Moskauer Börse ebenfalls stark gestiegen, und der Handel mit Yuan hat sich von 3 Prozent vor dem Krieg auf 33 Prozent erhöht. Die Zahl der Tage, an denen der Yuan-Handel an der Börse das Handelsvolumen in Dollar und Euro übersteigt, nimmt ständig zu.

Diese Umbrüche lassen sich nicht nur mit dem eingeschränkten Zugang zu Dollar und Euro in Russland infolge der Sanktionen erklären. Vielmehr findet eine massive Verschiebung im russischen Handel statt. Moskaus Importe aus dem Westen sind aufgrund der Sanktionen eingebrochen, und auch die Exporte in den Westen sind zunehmend betroffen.

Den Großteil seines Handels macht Russland heute mit China, das im letzten Jahr 40 Prozent der russischen Importe und 30 Prozent der Exporte auf sich vereinigen wird. Diese Handelsabhängigkeit von China wird in diesem und in den kommenden Jahren weiter zunehmen, da die russischen Exporte durch die westlichen Embargos für Rohöl und Ölprodukte, die Ölpreisobergrenze und die zunehmenden Beschränkungen für andere Sektoren beeinträchtigt werden.

Das Gleiche wird mit den Importen geschehen, da die USA und die EU den Schwerpunkt ihrer Sanktionspolitik auf die Umsetzung und Einhaltung der Sanktionen verlagern. Da ein rasch wachsender Anteil der russischen Exporte und Importe nach und aus China kommt, ist es nur logisch, dass das russische Finanzsystem auf Staats-, Unternehmens- und Haushaltsebene rasch auf Yuan umgestellt hat.

Es hat sich gezeigt, dass der Yuan als regionale Reservewährung für eine Wirtschaft von der Größe Russlands dienen kann, obwohl er nicht vollständig konvertierbar ist. Auch einige weitere Länder der eurasischen Landmasse mit wachsender Handelsabhängigkeit von China, wie die zentralasiatischen Republiken oder Pakistan, könnten allmählich dem russischen Beispiel folgen.

Andere Länder wie Saudi-Arabien beobachten die Erfahrungen Russlands mit dem Yuan genau und werden den Anteil des Yuan in ihren Devisen vorsichtig erhöhen. Damit will sich das Königreich nicht nur gegen die Bewaffnung des globalen Finanzsystems durch die USA absichern, sondern trägt auch der wachsenden Fähigkeit Chinas Rechnung, seine Handelspartner mit den meisten von ihnen benötigten Gütern zu versorgen, einschließlich Spitzentechnologie.

Die geopolitischen Veränderungen im Zuge des Ukraine-Kriegs könnten allmählich zur Bildung einer auf den Yuan ausgerichteten regionalen Finanzarchitektur in Chinas Nachbarschaft führen. China erhält ein mächtiges geoökonomischen Machtinstrument und wird zu einem entscheidenden Profiteur des neuen Ost-West-Konflikts. In der Folge wird sich die Austeilung der Weltwirtschaft in zwei Blöcke weiter aufspalten: Block Yuan gegen Block Dollar.

Der neu entstandene Block von Staaten, die Russland nicht sanktionieren wollen, hat die Wirksamkeit der westlichen Sanktionen gegen Russland von Anfang an untergraben - und wird auch künftige Sanktionen gegen andere Staaten erschweren. China und der Yuan stehen zunehmend als realistische Alternative bereit, um sich gegen den von den USA ausgeübten Zwang zu wehren. Die US-Führung hat diese Entwicklung selbst herbeigeführt.

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