Finanzen

Indien baut Rupie als Alternative zum Dollar auf

Indien will seine Währung als neuen Machtfaktor im Welthandel positionieren. Zwei Motive stehen hinter der Strategie.
14.04.2023 10:21
Aktualisiert: 14.04.2023 10:21
Lesezeit: 3 min

Die indische Regierung baut die Landeswährung Rupie systematisch als internationale Handelswährung und Alternative zum US-Dollar auf. Wie Bloomberg berichtet, soll die Rupie Handelspartnern Indiens als Zahlungsmittel angeboten werden, welche über zu wenig Dollar-Reserven verfügen oder welche den Dollar aus politischen Gründen nicht benutzen wollen.

Indiens Handelsminister Sunil Barthwal gab die Strategie auf einer Pressekonferenz Ende März in Neu Delhi bekannt. „Wenn es Länder gibt, in denen es zu einer Währungskrise kommt oder die eine Knappheit an Dollar oder anderen internationalen Währungen verzeichnen, sind wir bereit, mit Rupien zu handeln, was nicht nur unsere Exporte voranbringt, sondern diese Länder auch stabilisiert“, zitiert Voice of America Barthwal.

Ein Beispiel dafür stellt Sri Lanka dar, welches seit der im vergangenen Jahr ausgebrochenen Schuldenkrise über keine nennenswerten Dollar-Bestände mehr verfügt, um Importe in der Weltleitwährung zu bezahlen. „Der Rupien-Mechanismus bietet gute Möglichkeiten, mit Ländern zu handeln, die nicht genug Dollar haben. Aus Sicht unserer Exporteure ist es beispielsweise besser, den Handel mit Sri Lanka in Rupien abzuwickeln und die Handelsbeziehungen dadurch aufrecht zu erhalten, weil sie über keine ausreichenden Reserven an Fremdwährung mehr verfügen“, sagte der Generalsekretär der Vereinigung indischer Exportverbände Ajay Sahai.

Die neue Handelsstrategie beinhaltet auf verschiedene Branchen abgestimmte Zielvorgaben. Insgesamt sollen bis zum Jahr 2030 Exporte im Volumen von umgerechnet 2 Billionen US-Dollar auf Rupien umgestellt worden sein, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Russland-Sanktionen als Startschuss

Indiens Pläne, den bilateralen Handel zunehmend in der eigenen Währung abzuwickeln, wurden maßgeblich vom Krieg Russlands gegen die Ukraine und der daraufhin von westlichen Staaten verhängten Sanktionen beeinflusst.

Indiens Regierung hatte nach Beginn des Krieges keine Strafmaßnahmen gegen Russland (ein traditionell wichtiger Handelspartner, vor allem im Rüstungsbereich) erlassen, sondern im Gegenzug sogar die Importe russischer Energieprodukte deutlich ausgebaut.

Weil es die Verwendung des US-Dollars der amerikanischen Justiz ermöglicht, gezielt Sanktionen gegen die beteiligten Handelspartner zu verhängen, wurde der Handelsverkehr mit Russland auf Rubel und Rupien umgestellt.

Zuletzt schloss Neu Delhi ein Abkommen mit Malaysia zur bevorzugten Verwendung der Rupie im Handel ab. „Der Handelsverkehr zwischen Indien und Malaysia kann nun zusätzlich zu den herkömmlichen Abwicklungen in anderen Währungen auch in indischen Rupien abgewickelt werden“, heißt es in einer Mitteilung des Außenministeriums.

Darüber hinaus versucht Neu Delhi, auch größere Handelspartner wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zu einer Umstellung der Transaktionsmodalitäten auf Rupien zu bewegen, berichtet Voice of America.

Zwei Motive hinter der Strategie

Hinter der geplanten Aufwertung der Rupie zur internationalen Handelswährung stehen also zwei Motive – ein politisches und ein wirtschaftliches:

In politischer Hinsicht versucht die indische Regierung, ihre Geschäfte mit Staaten, gegen die Amerika und Europa Sanktionen verhängt haben, vor Strafmaßnahmen zu schützen. In wirtschaftlicher Hinsicht besteht das Ziel darin, die negativen Effekte der Aufwertung des Dollars auszugleichen.

Die geldpolitische Wende der US-Zentralbank hatte in den vergangenen Monaten Kursgewinne beim Dollar und im Gegenzug dazu Währungskursverluste bei vielen Währungen ärmerer Länder ausgelöst. Importe, die diese Staaten in Dollar bezahlen müssen, verteuern sich demnach und heizen die Inflation im eigenen Land an. Mit der Umstellung der Importrechnungen auf die eigene Währung entfällt dieser Effekt – dafür gibt es aber andere Nachteile.

„Der Vorteil besteht darin, dass Sie von den Dollar-Fluktuationen abgeschirmt sind, aber zugleich verlieren wir auch die Vorteile, die eine abwertende Rupie bietet“, sagt Sahai. Das mit Malaysia geschlossene Währungsabkommen werde zeigen, wie vorteilhaft die Umstellung auf Rupien im Handel konkret sei.

Übrigens ist auch Deutschland indirekt an den Umwälzungen rund um Dollar und Rupie beteiligt: Im vergangenen Juli eröffneten Banken aus 18 Ländern Rupien-Konten bei indischen Banken, was eine Vorbedingung für Zahlungsabwicklungen in eigenen Währungen unter Umgehung des Dollars darstellt. Darunter befand sich auch mindestens eine deutsche Bank.

Ob und in welchem Umfang die neue Handelsstrategie Erfolg haben wird, ist derzeit nicht abzuschätzen. Auffallend ist aber, dass sie sich im Einklang mit dem größeren Trend einer Abkehr vom US-Dollar befindet und diese Entwicklung tendenziell verstärken könnte.

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