Finanzen

Angst vor einem Absturz der US-Regionalbanken hält an

Anleger mussten letzte Woche hohe Verluste hinnehmen. Welches sind die nächsten Institute, die Schwachstellen aufweisen werden?
09.05.2023 12:52
Aktualisiert: 09.05.2023 12:52
Lesezeit: 2 min
Angst vor einem Absturz der US-Regionalbanken hält an
Die Skyline von San Francisco (Foto: dpa)

Bedenken über die Stabilität des US-Bankensystems trugen in der vergangenen Woche zu extrem schwankenden Kursen bei, hauptsächlich weil Anleger aggressiv gegen Bank-Aktien wetteten. Zwar erholten sich die Aktienkurse einiger regionalen US-Banken gegen Ende der Woche, doch andere blieben stark rückläufig, darunter das jüngste Opfer der Bankenkrise - die kalifornische Regionalbank PacWest Bancorp.

Auch andere Regionalbanken, darunter Western Alliance Bancorp gerieten stark unter Druck. Der Börsenkurs der PacWest Bank ist Ende der Woche um 43 Prozent gesunken, während Western Alliance um rund 27 Prozent nachgab (und um fast 40 Prozent an Tag davor). Bloomberg zufolge war PacWest in Gesprächen mit Beratern über verschiedene Zukunftsoptionen, darunter einen möglichen Verkauf. Weitere Optionen sind eine Aufteilung der Bank oder die Aufnahme neuen Fremdkapitals. Laut dem Guardian mussten Anleger wegen allgemeiner Sorge um die Gesundheit des US-Banken Sektors hohe Verluste hinnehmen.

Sorge um Solvenz regionaler Kreditinstitute

Die Bankenkrise begann im März mit dem plötzlichen Kollaps der Silicon Valley Bank (SVB) und den anschließenden Insolvenzen der Signature Bank und der First Republic Bank. Der Zusammenbruch des riesigen Kreditgebers First Republic Anfang letzter Woche, gefolgt von PacWest Bank, die gegen Ende der Woche in die Schieflage geriet, hat Befürchtungen hinsichtlich der Solvenz regionaler US-Kreditinstitute weiter verstärkt.

Der Financial Times zufolge haben die verschiedenen Banken-Zusammenbrüche die Aufmerksamkeit auf den US-Regionalbankensektor gelenkt, da Investoren und politische Entscheidungsträger nach anderen Kreditgebern suchen, die die gleichen Schwachstellen aufweisen wie die SVB, Signature Bank und First Republic Bank.

Die Finanzzeitung zitiert den Vorsitzenden der US-Notenbank, Jerome Powell, der sagte, der Verkauf von Krediten und Vermögenswerten der First Republic an JPMorgan Chase sei „ein wichtiger Schritt, um einen Schlussstrich unter die Zeit des starken Stresses zu ziehen“. Powell fügte hinzu, dass sich die Einlagenabflüsse, die auf den Niedergang der SVB folgten „jetzt wirklich stabilisiert haben“. Doch die Financial Times wies darauf hin, dass die Aktienkurse einiger Finanzinstitute nach wie vor stark angeschlagen sind.

Auch JP Morgan Chase Chef Jamie Dimon spielte das Risiko einer sich zuspitzenden Bankenkrise vor Kurzem herunter. Er sagte dem Guardian, dass das US-Bankensystem „außerordentlich solide“ sei und betonte, dass die 10,6-Milliarden-US-Dollar-Übernahme der Vermögenswerte der First Republic Bank durch JP Morgan Chase bedeute, dass sich der Sektor „dem Ende“ der Flut von Bankenzusammenbrüchen nähere. Dimon wies darauf hin, dass die Bedingungen aus vielen verschiedenen Gründen nicht wie in den Jahren 2008 und 2009 waren. Er räumte aber ein, dass ein Abgleiten der US-Wirtschaft in eine Rezession und anhaltend hohe Zinsen zu „anderen Rissen im System“ führen könnten.

Wieso geraten regionale Kreditgeber unter Druck?

Einige regionale US-Kreditgeber haben Schwierigkeiten, mit dem starken Anstieg der Zinssätze zurechtzukommen, den die US-Zentralbank, die Federal Reserve, zur Eindämmung der Inflation beschlossen haben. Die Federal Reserve hat im Zuge der Normalisierung ihrer Geldpolitik viele hochspekulative und hochverschuldete Banken und Firmen unter Druck gesetzt, welche sich in den vergangenen Jahren aufgrund der Nullzins-Phase über Wasser halten konnten.

Laut der Financial Times umfasst der Begriff „Regionalbanken“ eine vielfältige Gruppe von Instituten im mittleren bis oberen Bereich des US-Bankensektors. Der Sektor setzt sich aus rund 5.000 Kreditgeber zusammen, einschließlich JPMorgan Chase mit einem Vermögen von 3,7 Milliarden US-Dollar, bis hin zu winzigen Gemeinschaftsbanken mit nur einer Filiale.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Finanzen
Finanzen Netflix-Aktie hebt ab: Netflix gibt Bieterstreit um Warner Bros verloren – was heißt das für Paramount?
27.02.2026

Die Netflix-Aktie reagiert mit einem Kurssprung auf das Aus im milliardenschweren Bieterstreit um Warner Brothers. Während Paramount zum...

DWN
Finanzen
Finanzen BASF-Aktie: Ludwigshafener Chemiekonzern bleibt für 2026 vorsichtig – BASF-Zahlen überzeugen nicht
27.02.2026

Die endgültigen BASF-Quartalszahlen überzeugen die Anleger nicht. Der weltgrößte Chemiekonzern hat eine vorsichtige Prognose...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verdi-Warnstreik im Nahverkehr vielerorts gestartet: Busse und Bahnen stehen still – Tarifkonflikt spitzt sich zu
27.02.2026

Der Verdi-Warnstreik legt den Nahverkehr in weiten Teilen Deutschlands lahm und trifft Millionen Pendler. Busse und Bahnen stehen still,...

DWN
Politik
Politik US-Urteil bremst Trumps Zollpolitik: Indien setzt weiterhin auf russisches Öl
27.02.2026

Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA begrenzt den handelspolitischen Spielraum von Präsident Trump und beeinflusst die Debatte...

DWN
Politik
Politik Zuckersteuer: Mehrheit der Deutschen für Steuer auf zuckerhaltige Getränke
27.02.2026

Eine Umfrage zeigt: 60 Prozent der Menschen in Deutschland befürworten eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Besonders hoch ist die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI beschleunigt Stellenabbau: Diese Branchen geraten unter Druck
27.02.2026

Weltweit treiben Unternehmen den Ausbau von Künstlicher Intelligenz voran und richten ihre Investitionsstrategien neu aus. Welche Folgen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Nvidias steiler Kurssturz drückte den Technologiesektor ins Rote
26.02.2026

Trotz der hervorragenden Finanzergebnisse des KI-Riesen Nvidia konnte das Unternehmen die Investoren nicht ausreichend überzeugen. Dies...

DWN
Politik
Politik EU-Klimazoll: CO2-Zoll soll auch für Waschmaschinen und andere Waren kommen
26.02.2026

Künftig sollen 180 Industrieprodukte, darunter auch Haushaltswaren, unter den EU-CO2-Zoll fallen. Was die Kommission damit erreichen will.