Immobilien

US-Fondsmanager alamiert wegen Gewerbeimmobilien-Verschuldung

Die Situation in dem US-Immobiliensektor spitzt sich massiv zu. Das heizt auch die zunehmende Bankenkrise an. Wie schlimm ist der sich annähernde Sturm?
21.05.2023 09:50
Aktualisiert: 21.05.2023 09:50
Lesezeit: 3 min
US-Fondsmanager alamiert wegen Gewerbeimmobilien-Verschuldung
Alarm im US-Gewerbeimmobiliensektor. (Foto: dpa)

US-Investmentmanager warnen vor wachsenden Problemen in dem 5,6 Milliarden US-Dollar Gewerbeimmobilien-Sektor nach den jüngsten Zusammenbrüchen regionaler Banken dort.

Steigende Zinsen, sinkende Preise und eine schwächere Nachfrage nach Büroflächen im Anschluss an die Pandemie haben die Branche bereits unter starkem Druck gesetzt. Hinzu kamen die Insolvenzen im ersten Quartal diesen Jahres der Silicon Valley Bank, Signature Bank und der First Republic Bank, die - laut der Financial Times - Sorgen um andere regionale Banken geweckt haben, die den Großteil der gewerblichen US-Immobilienkredite vergeben.

Anne Walsh, Investitionsleiterin bei Guggenheim Partners, erwartet dass sich der Schmerz auf bestimmte Regionen konzentrieren wird, darunter große Zentren wie San Francisco und New York. Auch zweitklassige Bürogebäude, die renovierungsbedürftig sind, stehen im Fokus. „Wir werden wahrscheinlich in eine Immobilienrezession eintreten, aber nicht auf dem gesamten Immobilienmarkt“, so Walsh. „Kreditgeber werden sehr wählerisch sein“.

Schlechte Kredite

Im April warnte Charlie Munger, stellvertretende Vorsitzende von Berkshire Hathaway, vor einem „herannahenden Sturm“ auf dem Gewerbeimmobilienmarkt. Munger sagte der Financial Times, die Banken seien „voll mit faulen Krediten“ und viele Immobilien seien nicht mehr hochwertig. „Wir haben eine Menge Bürogebäude mit Problemen, viele Einkaufszentren mit Problemen und eine Menge anderer Immobilien, die auch problematisch sind“.

Bauunternehmer in den USA verließen sich viele Jahre lang darauf, billige Kredite aufzunehmen und das Geld in einen Markt mit steigenden Vermögenspreisen zu investieren. Das Umfeld hat sich jedoch drastisch verändert. Laut Mathieu Chabran, Mitbegründer des 43 Milliarden US-Dollar alternativen Vermögensverwalters Tikehau Capital, gäbe es jetzt „einen perfekten Sturm, zusammengesetzt aus steigenden Zinssätzen die Vermögenswerte zu einem Preisrückgang zwingen, kombiniert mit einem strukturellen Rückgang der Belegungsraten und alternden Vermögenswerten.“

Der Financial Times zufolge soll in den kommenden Jahren auch ein Berg von Schulden zur Rückzahlung fällig werden. „In den nächsten Jahren droht für viele dieser Immobilien, die zu einem großen Teil von regionalen Banken finanziert werden, eine Fälligkeitsgrenze", so der Vorstandsvorsitzende einer großen US-Bank, den die US-Zeitung zitierte.

Deutschlands Gewerbeimmobilienmarkt

Der aktuelle Immobilienpreisindex des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VDP) zeigt, dass der Gewerbeimmobilien-Markt zwar schwankt, aber keine abrupte Preisfälle in Sicht sind. Während im ersten Quartal 2023 Wohnimmobilienpreise in Deutschland relativ moderat um 2,1 Prozent fielen im Vergleich zum Vorjahr (Q1 2023 zu Q1 2022), gab es jedoch einen deutlichen stärkeren Rückgang bei den Preisen für Gewerbeimmobilien (-8,3 Prozent).

Einzelhandelsimmobilienpreise fielen um 10,5 Prozent verglichen mit -7,5 Prozent für Büroimmobilien.„Der gesamte Immobilienmarkt befindet sich seit Mitte 2022 im Umbruch. Das zeigt sich besonders bei den Immobilienpreisen“, sagte VDP-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt. „Die vielen Belastungsfaktoren wie Inflation, Zinsanstieg und Unsicherheit führen in allen Objektklassen zu einer Preiskorrektur.“

Den größten Rückgang im Jahresvergleich zeigten weiterhin Einzelhandelsimmobilien. Im Quartalsvergleich belief sich deren Reduktion allerdings auf nur -1,7%. „Diese Entwicklung bei den Einzelhandelsimmobilienpreisen könnte ein erstes Anzeichen für eine Bodenbildung sein“, kommentierte Tolckmitt.

Wealthcap Head of Sales & Customer Management Kristina Mentzel sagte vor Kurzem auf einer Veranstaltung der Hypovereinsbank die Situation auf dem Immobilienmarkt sei komplex. „Immobilie ist im aktuellen Umfeld nicht gleich Immobilie. Wir sehen nach wie vor eine hohe Nachfrage bei Gewerbeimmobilien und Büroimmobilien in den top A-Städten, und wir sehen auch bei Wohnimmobilien in den Top-A Städten, dass es da eine Nachfrage gibt“, so Mentzel.

Zurück in den USA bereitet sich einer der größten öffentlichen Rentenfonds darauf vor, den Wert seines 52 Milliarden Dollar schweren Immobilienportfolios abzuschreiben. Der Financial Times zufolge hat der 306 Milliarden US-Dollar schwere California State Teachers' Retirement System Fonds in den letzten Jahren einen zunehmenden Teil seines Vermögens in Immobilien investiert, um sich von Aktien und Anleihen zu trennen und von den höheren Renditen zu profitieren, die Käufern von Privatvermögen geboten werden.

Der Chief Investment Officer des Fonds erklärte jedoch, dass er sich nun auf Verluste bei den Vermögenswerten in seinem Immobilienportfolio einstellt. Der Grund: Die Anzeichen mehren sich, dass die rasche Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank in den letzten 12 Monaten die Bewertungen in dem Gewerbeimmobilien-Sektor gedrückt haben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen So bleiben deine Online-Finanzdaten geschützt

Heutzutage wird jede deiner Aktivitäten online nachverfolgt. Es fühlt sich an, als würde immer jemand deine Einkäufe im Internet...

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Rüstungsprojekte unter Druck: Milliardeninvestitionen geraten ins Stocken
12.04.2026

Europa investiert Milliarden in neue Verteidigungssysteme, doch zentrale Projekte geraten durch Konflikte, Verzögerungen und steigende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Richtlinien im E-Commerce: One-Click-Return setzt neue Standards
12.04.2026

Neue EU-Vorgaben setzen den Onlinehandel unter Druck, da Rückgaben künftig genauso einfach funktionieren müssen wie der Kaufprozess...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation und Wachstum unter Druck: EZB warnt vor Risiken durch Energiepreise
12.04.2026

Die wirtschaftlichen Risiken im Euroraum nehmen durch steigende Energiepreise und geopolitische Spannungen spürbar zu, während die EZB...

DWN
Politik
Politik Waffenruhe im Iran-Krieg: Trumps riskante Atempause – Probleme im Iran-Konflikt bleiben ungelöst
11.04.2026

Donald Trump feiert die Waffenruhe als Erfolg im Iran-Krieg. Doch entscheidende Fragen bleiben offen, während geopolitische Spannungen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Porsche kämpft mit schwachen Zahlen: Wie Michael Leiters den Kurs verbessern will
11.04.2026

Porsche steht nach schwachen Geschäftszahlen und sinkenden Margen vor einer tiefgreifenden Neuausrichtung unter CEO Michael Leiters....

DWN
Finanzen
Finanzen ETF oder Investmentfonds: Warum viele Anleger das falsche Produkt wählen
11.04.2026

ETF, Investmentfonds oder Rentenfonds. Viele Anleger glauben, die richtige Wahl hänge vor allem von der Rendite ab. Tatsächlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Jobabbau: Warum Frauen besonders betroffen sind
11.04.2026

Künstliche Intelligenz verändert den Bankensektor schneller als erwartet. Tausende Jobs stehen auf der Kippe, während Unternehmen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Meta-Urteil: Datenübertragung in die USA erlaubt – es bleiben Fragen
11.04.2026

Dürfen persönliche Daten von Facebook- und Instagram-Nutzern in die USA übertragen werden? Ein aktuelles Meta-Urteil sorgt für Klarheit...