Wirtschaft

Russlands Gold-Exporte gehen nicht mehr nach Westen

Wegen der Sanktionen des Westens kann Russland kein Gold mehr nach London exportieren. Stattdessen gehen die russischen Gold-Exporte nun auf drei alternative Märkte.
Autor
27.05.2023 16:54
Aktualisiert: 27.05.2023 16:54
Lesezeit: 2 min

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich zu einem wichtigen Handelszentrum für russisches Gold entwickelt, nachdem die Sanktionen des Westens gegen Russland die traditionellen Exportrouten des Landes abgeschnitten haben. Der Golfstaat hat zwischen dem 24. Februar letzten Jahres und dem 3. März dieses Jahres insgesamt 75,7 Tonnen russisches Gold im Wert von 4,3 Milliarden Dollar importiert, im Jahr 2021 waren es nur 1,3 Tonnen gewesen.

Hinter den Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) folgten China und die Türkei, die im genannten Zeitraum jeweils etwa 20 Tonnen russisches Gold importierten. Zusammen mit den VAE entfielen auf diese drei Länder 99,8 Prozent der russischen Goldexporte. Dies zeigen die russischen Zollunterlagen, die Einzelheiten zu fast tausend Goldexporten im Jahr seit Beginn des Ukraine-Kriegs enthalten, laut einem Bericht von Reuters.

Nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs am 24. Februar 2022 stellten zahlreiche multinationale Banken, Logistikunternehmen und Edelmetallraffinerien den Handel mit russischem Gold ein, das Russland zuvor meist an den London Bullion Market geliefert hatte, dem wichtigsten außerbörslichen Handelsplatz für Gold und Silber, der von der London Bullion Market Association (LBMA) kontrolliert wird.

Die London Bullion Market Association untersagte den Handel mit russischen Barren, die ab dem 7. März 2022 hergestellt wurden, und bis Ende August hatten Großbritannien, die Europäische Union, die Schweiz, die Vereinigten Staaten, Kanada und Japan die Einfuhr von russischem Gold verboten. Doch die russischen Goldproduzenten fanden schnell neue Märkte in drei Ländern, die Sanktionen gegen Russland abgelehnt haben: VAE, China und Türkei.

Louis Marechal, Goldbeschaffungsexperte bei der OECD, zufolge besteht die Gefahr, dass russisches Gold umgeschmolzen und unter Verschleierung seiner Herkunft auf die Märkte in Europa und den USA gelangen könnte. "Aus diesem Grund ist die Durchführung einer Due-Diligence-Prüfung für Endkäufer, die sicherstellen wollen, dass sie die Sanktionsregelungen einhalten, von entscheidender Bedeutung", zitiert ihn Reuters.

Der Goldbarrenausschuss der Vereinigten Arabischen Emirate erklärte, dass der Staat mit klaren und robusten Verfahren gegen illegale Waren, Geldwäsche und sanktionierte Einrichtungen vorgeht. "Die VAE werden weiterhin offen und ehrlich mit ihren internationalen Partnern handeln und dabei alle geltenden internationalen Normen der Vereinten Nationen einhalten", hieß es.

Den Zolldaten zufolge exportierte Russland zwischen dem 24. Februar 2022 und dem 3. März dieses Jahres insgesamt 116,3 Tonnen Gold, wobei das Beratungsunternehmen Metals Focus schätzt, dass Russland im letzten Jahr 325 Tonnen Gold gefördert hat. Das nicht in den Zolldaten notierte Gold verblieb entweder in Russland oder wurde im Rahmen von Transaktionen exportiert, die nicht in den Aufzeichnungen enthalten sind.

Die meisten der russischen Goldlieferungen nach China gingen nach Hongkong. Das chinesische Außenministerium erklärte, die Zusammenarbeit des Landes mit Russland sei "frei von Störungen oder Zwang durch Dritte". London kann den Verlust des russischen Goldes durchaus verkraften. Denn im Jahr 2021 machte Gold aus Russland nur 29 Prozent der Londoner Importe aus, und im Jahr 2018 waren es sogar nur 2 Prozent, wie britische Handelsdaten zeigen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben seit langem eine florierende Goldindustrie und sind ein wichtiger Exporteur von Goldbarren und Schmuck. Handelsdaten zeigen, dass sie zwischen 2016 und 2021 im Durchschnitt etwa 750 Tonnen reines Gold pro Jahr importieren. Die in den russischen Aufzeichnungen aufgeführten Sendungen machen also nur etwa 10 Prozent ihrer Goldimporte aus.

Der Manager eines Unternehmens, das große Mengen russischen Goldes in die VAE lieferte, erklärte anonym gegenüber Reuters, dass russische Firmen dort Goldbarren mit einem Preisnachlass von etwa 1 Prozent auf die weltweiten Referenzpreise verkauften und damit einen Kaufanreiz boten. Der Manager sagte zudem, dass das meiste Gold, das seine Firma in den Golfstaat lieferte, für Raffinerien bestimmt war, wo es eingeschmolzen und neu gegossen werden sollte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Europäischer Medtech ist günstig, Goldrückgang ist vorübergehend
27.09.2026

Die Wall Street glänzt nahe seinen Rekordhöhen, doch unter der Oberfläche brodelt es. Während Künstliche Intelligenz die...

DWN
Politik
Politik Kanada und EU: Von der Leyens Plan könnte den Binnenmarkt verändern
27.09.2026

Kanada soll enger an die Europäische Union rücken als je zuvor. Ursula von der Leyen bringt dafür sogar eine "assoziierte...

DWN
Politik
Politik Gelockerter Kündigungsschutz für Hochverdiener: Was Arbeitgeber für 2027 wissen sollten
27.09.2026

Die Bundesregierung plant eine Reform des Kündigungsschutzes, in der Hochverdiener leichter kündbar werden sollen. Arbeitgeber können...

DWN
Panorama
Panorama Auswandern nach Andalusien: „In meinem Herzen habe ich zwei Seelen“
27.09.2026

Jens Halbroth und seine Frau Claudia suchten jahrelang nach einem neuen Lebensmittelpunkt. Sie reisten mit Motorrad und Wohnmobil durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
27.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Technologie
Technologie KI und Burnout: Warum ausgerechnet Entlastung krank machen kann
27.09.2026

KI soll Beschäftigte entlasten, Routinearbeit übernehmen und Unternehmen produktiver machen. Doch ausgerechnet die neue Effizienz schafft...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkttrend „Boomerang Hiring“ – erst gekündigt, dann zurückgeholt
27.09.2026

Die Wiedereinstellung ehemaliger Arbeitnehmer wird auch in Deutschland zum wachsenden Trend auf dem Arbeitsmarkt: Wie Arbeitgeber mit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Horacio Pagani im Porträt: Seine Autos sind verkauft, bevor die Öffentlichkeit sie sieht
27.09.2026

Horacio Pagani baut keine Autos für den Massenmarkt. Im vergangenen Jahr sollen es gerade einmal rund 50 gewesen sein, das günstigste...