Politik

Trump wird laut Anwalt in Geheimdokumenten-Affäre angeklagt

Gegen Ex-US-Präsident Trump wurde Anklage in der Affäre um geheime Dokumente erhoben. Das sagte sein Anwalt gegenüber verschiedenen Medien.
09.06.2023 14:05
Aktualisiert: 09.06.2023 14:05
Lesezeit: 2 min

Ex-US-Präsident Donald Trump ist nach Angaben seines Anwalts in der Affäre um Geheimdokumente angeklagt worden. Trumps Anwalt, Jim Trusty, sagte auf CNN, zu den Vorwürfen gehöre das illegale Zurückhalten von Verschlusssachen, Falschaussage und Behinderung der Justiz.

Trump, der bei der Wahl 2024 erneut antreten will, schrieb in den sozialen Medien: „Ich bin ein unschuldiger Mann!“ Das gegen ihn ermittelnde Justizministerium lehnte eine Stellungnahme ab. Bei der Affäre geht es um vertrauliche Unterlagen, die Trump bei seinem Auszug aus dem Weißen Haus Anfang 2021 mitgenommen haben soll.

Droht Trump die zweite Anklage?

Sollten sich die Angaben bestätigen, wäre es nach einem Prozess um eine Schweigegeldzahlung bereits das zweite Mal, dass Trump sich einem strafrechtlichen Verfahren stellen müsste. Die neue Anklage wäre aber zugleich der erste Prozess in der Geschichte der USA auf Bundesebene gegen einen Ex-Präsidenten. Trumps Republikaner zeigten sich solidarisch mit dem 76-Jährigen und übten scharfe Kritik am Vorgehen der Justiz.

Trump selbst erklärte auf seiner Plattform Truth Social, er sei für Dienstag in Miami ins Bundesgericht bestellt worden. Was ihm genau vorgeworfen wird, sei auch ihm noch nicht bekannt. Ein Insider sagte, Trumps Verteidiger seien im Zuge der Vorladung über insgesamt sieben Anklagepunkte unterrichtet worden. Anwalt Trusty sagte, er rechne damit, dass er die Anklage in den kommenden Tagen sehen werde.

Bei einer Razzia auf Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Florida waren im August nach Angaben des US-Justizministeriums rund 13.000 Dokumente beschlagnahmt worden. Etwa 100 davon sollen als Verschlusssache eingestuft gewesen sein, einige davon als streng geheim. Einer von Trumps Anwälten hatte dagegen erklärt, Trump habe alle Geheimdokumente der Regierung übergeben. Ein US-Gesetz schreibt vor, dass die Korrespondenz eines Präsidenten für die Nachwelt archiviert werden muss.

Konkurrent DeSantis stellt sich hinter Trump

Das Justizministerium hat in der Angelegenheit den Sonderermittler Jack Smith eingesetzt. Ein Sprecher Smiths lehnte eine Stellungnahme ab. Das Justizministerium darf sich nicht öffentlich äußern, solange Grand-Jury-Fälle noch unter Verschluss sind. Trump hat in einer ganzen Reihe von Fällen Ärger mit der Justiz.

Im April plädierte er auf nicht schuldig in dem Prozess im Zusammenhang mit einer Schweigegeld-Zahlung an die Pornodarstellerin Stormy Daniels kurz vor der Präsidentschaftswahl 2016. In weiteren Fällen geht es unter anderem um den Angriff auf das Kapitol in Washington im Januar 2021, um Verleumdungsklagen und um Betrugsvorwürfe gegen Trumps Konzernimperium.

Trump stellt sich stets als ein Opfer einer angeblichen Hexenjagd dar und wirft dem Justizministerium vor, politisch motiviert zu handeln. Er gilt in seiner Partei als Favorit im Rennen um die Nominierung für den Wahlkampf 2024, bei der er Präsident Joe Biden herausfordern würde. Auch bei Biden waren als vertraulich eingestufte Papiere entdeckt worden, die aus seiner Zeit als Vize-Präsident von Barack Obama stammen. Auch hier wurde ein Sonderermittler eingesetzt.

Trump ist es in der Vergangenheit oft gelungen, aus Kontroversen um seine Person in seinen eigenen Reihen eher noch gestärkt hervorzugehen. Als er in dem Fall um die Schweigegeld-Zahlung angeklagt wurde, konnte er seinen Vorsprung gegenüber anderen potenziellen Anwärtern auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner noch ausbauen.

Der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, der Trump im Rennen um die Nominierung aktuell mit Abstand auf Platz zwei folgt, stellte sich am Donnerstag hinter Trump und erhob schwere Vorwürfe gegen das Justizministerium unter Biden. Die Strafverfolgung auf Bundesebene werde als Waffe eingesetzt, schrieb DeSantis auf Twitter. Dies sei eine „tödliche Bedrohung einer freien Gesellschaft“.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Patentamt: Europa holt in der Quantentechnologie auf
17.03.2026

Bei der Entwicklung der Quantentechnologie waren die USA dem Rest der Welt lange weit voraus. Mittlerweile hat Europa den Rückstand etwas...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nachhaltigkeit in deutschen Unternehmen verliert an Dynamik
17.03.2026

Die Transformation der deutschen Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit verliert an Dynamik. Politische Unsicherheit und schwache...

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Unicredit-Übernahme: Banken-Poker spitzt sich zu – Commerzbank-Aktie haussiert
16.03.2026

Jetzt wird es ernst um die potenzielle Commerzbank-Unicredit-Übernahme: Die italienische Großbank UniCredit will das zweitgrößte...

DWN
Politik
Politik Zoff um Oligarchen: EU hat Kompromiss zu Russland-Sanktionen
16.03.2026

Die EU hat wegen Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine Sanktionen gegen etliche kremlnahe Oligarchen verhängt. Um zwei von ihnen...

DWN
Panorama
Panorama Kirchenaustritte in Deutschland: Mehr als 600.000 Menschen traten 2025 aus Kirchen aus
16.03.2026

Die beiden großen Kirchen verlieren weiter in schnellem Tempo Mitglieder. Auch 2025 haben wieder Hunderttausende Katholiken und...

DWN
Politik
Politik CO2-Ziel 2030 wackelt: Wie es um den Klimaschutz in Deutschland steht
16.03.2026

Die Klimabilanz zeigt: Deutschland hat noch viel zu tun. Die größten Sorgenkinder bleiben der Verkehrs- und der Gebäudesektor....

DWN
Finanzen
Finanzen Humanitäre Hilfe: EU schickt über 450 Millionen Euro Hilfe in den Nahen Osten
16.03.2026

Mehr als 450 Millionen Euro aus Brüssel sollen Hunger lindern, Kinder unterrichten und Leben retten. Nicht nur wegen der aktuellen Krise.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Wiederholt sich die Finanzkrise von 2008?
16.03.2026

Die US-Börsen reagieren bislang überraschend ruhig auf den Krieg im Iran und den Ölpreisschock. Einige Strategen sehen jedoch bereits...