Politik

Deutschland kauft Flugabwehrsystem von Israel

Der Bundestag hat den Weg freigemacht für den Kauf moderner Flugabwehr, darunter das System Arrow 3 aus Israel. Nach Angaben von Ampel-Politikern geht es dabei um den Schutz Deutschlands.
14.06.2023 18:08
Aktualisiert: 14.06.2023 18:08
Lesezeit: 2 min
Deutschland kauft Flugabwehrsystem von Israel
Start einer Rakete des Flugabwehrsystems "Arrow 3". (Foto: dpa/israelisches Verteidigungsministerium) Foto: -

Die Fachpolitiker im Bundestag haben den Weg für das Milliardenprojekt einer modernisierten Luftverteidigung Deutschlands freigemacht. Der Haushaltsausschuss und der Verteidigungsausschuss votierten am Mittwoch für den Kauf des weitreichenden israelischen Systems Arrow 3 sowie des deutschen Flugabwehrsystems Iris-T, das im Nahbereich wirkt. Beide Vorhaben sollen aus dem 100-Milliarden-Sondervermögen finanziert werden. Geschätzt wird, dass für Arrow 3 Kosten von knapp vier Milliarden Euro, für Iris-T knapp eine Milliarde Euro eingeplant werden müssen. Formal stellte der Haushaltsausschuss am Mittwoch erste Finanzierungsschritte bereit.

Bei der Flugabwehr trete Deutschland in «ein neues Zeitalter ein», sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). Iris-T SLM zeige in der Ukraine, was es bedeute, Tausende von Leben retten zu können. «In Kombination mit dem Kauf des israelischen Systems Arrow 3 wird Deutschland in Zukunft seiner militärischen Verantwortung gerecht und nimmt Abschied von dem naiven Glauben, es würde schon nichts passieren», sagte sie.

Das israelische System Arrow 3 soll auf Initiative Deutschlands hin Teil eines europäischen Luftverteidigungssystems werden. Es bildet derzeit die höchste Stufe von Israels mehrstufiger Raketenabwehr und kann angreifende Waffensysteme in bis zu über 100 Kilometer Höhe außerhalb der Atmosphäre im beginnenden Weltraum zerstören. Es soll Teil eines Neuaufbaus der nach dem Ende des Kalten Krieges zurückgefahrenen Luftverteidigung werden.

«Mit dem Lenkflugkörper Arrow 3 sollen weitreichende feindliche Flugkörper außerhalb der Erdatmosphäre durch einen direkten Treffer zerstört werden», heißt es in der Beschlussvorlage. Das System besteht aus Führungsgefechtsstand, Radargeräten, Startgeräten und den Lenkflugkörpern und soll einen Beitrag «zum Schutz Deutschlands, der Bevölkerung und kritischer Infrastruktur vor ballistischen Flugkörpern in der oberen Abfangschicht leisten» und wird als «ein wesentlicher Beitrag zur Flugkörperabwehr im Bündnis» bezeichnet. Eine Regierungsvereinbarung über den Kauf soll bis Ende 2023 getroffen werden. Das Verteidigungsministerium will Tempo machen und ist bereit, Fertigungsschritte vorvertraglich zu regeln, um eine «Anfangsbefähigung» bis zum vierten Quartal 2025 zu ermöglichen.

Zu Wiederaufbau einer leistungsfähigen Flugabwehr gehört auch der geplante Kauf von Iris-T, das bereits erfolgreich in der Ukraine gegen russische Angriffe eingesetzt wird. Mit dem System solle «eine bestehende Fähigkeitslücke im Bereich der boden-gebundenen Luftverteidigung geschlossen werden, indem der Nahbereichsschutz gestärkt wird», heißt es in der Vorlage. Vorgesehen ist der Kauf von sechs Feuereinheiten des Luftverteidigungssystems Iris-T SLM («Surface Launched Medium Range»).

Der «Tagesspiegel» berichtete, der Bundesrechnungshof werfe dem Verteidigungsministerium vor, bei der Arrow-Beschaffung für einen «sehr ambitionierten Zeitplan vermeidbare Risiken in Kauf» zu nehmen. Er bemängele, dass Deutschland mit 560 Millionen Euro die frühzeitige Produktion aufwendig herzustellender Komponenten finanziert, damit das System für eine Inbetriebnahme im vierten Quartal 2025 geliefert werden kann. «Es besteht ein hohes Risiko, dass der Zeitplan trotzdem verfehlt wird, wenn die benötigte Infrastruktur nicht zeitgerecht fertig wird.» Der Rechnungshof erwartet demnach langwierige Baumaßnahmen.

Der stellvertretende haushaltspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Andreas Schwarz, sagte: «Bei Arrow gehen wir in eine gewisse Vorleistung bis zum fertig verhandelten Vertrag. Das sorgt dafür, dass wir bereits 2025 die Systeme auf deutschem Boden stehen haben werden.» Das sei das neue Tempo, das Verteidigungsminister Boris Pistorius im Rüstungsbereich versprochen habe. Schwarz begrüßte die Entscheidungen.

Der Grünen-Haushälter Sebastian Schäfer erklärte, die großen Lücken bei der Luftverteidigung müssten möglichst schnell geschlossen werden. «Deshalb gehen wir jetzt in der Beschaffung auch neue Wege. Die Wehrverwaltung ist gefordert, durch eine zügige Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen die Voraussetzungen für die Einsatzfähigkeit der Systeme herzustellen», forderte er. Der FDP-Haushaltspolitiker Karsten Klein sagte, beide Projekte seien ein Beitrag zum Aufbau eines Schutzschirms in Deutschland: «Die zuverlässige Abwehr von Drohnen und Raketen ist für eine leistungsfähige Luftverteidigung essenziell.» (dpa)

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Politik
Politik Vertrauliche Nähe bei Koalitionsverhandlungen: Merz und Klingbeil im Zwang zur Zusammenarbeit
04.04.2025

Lange Zeit galt die schwarz-rote Koalition als Ausnahmeerscheinung der Bundesrepublik. Jetzt verhandeln Union und SPD über ihr fünftes...

DWN
Technologie
Technologie Moto-E-Motion optimiert Fahrzeuge: Innovationen sind kein Hexenwerk – nur Physik
04.04.2025

Wie lässt sich die Effizienz von Motoren und Maschinen ohne bauliche Veränderungen verbessern? Wie das Unternehmen Moto-E-Motion durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis auf Rekordniveau: Für wen ist eine Investition in das Edelmetall sinnvoll und wer sollte vorsichtig sein?
04.04.2025

Der Goldpreis hat die Marke von 3.100 US-Dollar pro Unze übertroffen und ein neues Allzeithoch erreicht. Doch ist Gold weiterhin eine...

DWN
Politik
Politik Ultimatum für Putin? Trump verliert laut Nato-Partnern Geduld
04.04.2025

Könnte es nur noch Wochen dauern, bis sich neue Entwicklungen in den Bemühungen um eine Waffenruhe im Ukraine-Konflikt abzeichnen? Dieser...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Globaler Handelskrieg: Trump erfindet Zölle, die es nie gab
04.04.2025

US-Präsident Donald Trump hat Zölle gegen Länder eingeführt, die es in der Form nie gab. Anstatt auf konkrete Handelsbarrieren oder...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: China-Zölle richten Blutbad am Aktienmarkt an - Bank-Aktien rauschen ab
04.04.2025

Die Gegenzölle aus China schicken den DAX aktuell tief in die Verlustzone. Globale Sorgen um das Wirtschaftswachstum setzen vor allem dem...

DWN
Technologie
Technologie WhatsApp-Nachrichten-Limit: Meta führt Begrenzung ein - aber bitte keine Panik
04.04.2025

WhatsApp, der beliebte Messenger-Dienst von Meta, führt derzeit eine neue Funktion ein, die das Versenden von Nachrichten einschränkt....

DWN
Politik
Politik Russland drängt, Ukraine kämpft: Internationale Hilfe und politische Spannungen im Kriegschaos
04.04.2025

Die russischen Angriffe auf Grenzgebiete eskalieren, während die Ukraine auf internationale Hilfe und politische Lösungen setzt. Doch die...