Unternehmen

Alternative zu Habeck-Plan: DIHK will Industrie-Strompreis für alle

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer hat ein alternatives Konzept zum Industrie-Strompreis von Wirtschaftsminister Habeck vorgestellt. Der Plan würde allen Unternehmen helfen, die Strom verwenden, wäre aber auch teurer.
28.06.2023 14:08
Aktualisiert: 28.06.2023 14:08
Lesezeit: 2 min
Alternative zu Habeck-Plan: DIHK will Industrie-Strompreis für alle
Die DIHK hält den Industrie-Strompreis von Wirtschaftsminister Habeck für unzureichend. (Foto: dpa) Foto: Christophe Gateau

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) bringt ein alternatives Konzept zum angedachten Industriestrompreis von Wirtschaftsminister Robert Habeck ins Spiel. Der Verband stellte am Mittwoch in Berlin sein Konzept vor, das etwa 13 Milliarden Euro pro Jahr kosten würde und damit deutlich mehr als der Industriestrompreis. Dafür könnten allerdings alle Betriebe davon profitieren und würden im internationalen Wettbewerb nicht weiter zurückfallen wegen der besonders hohen Strompreise in Deutschland.

Die von Grünen-Politiker Habeck geplante Subvention auf sechs Cent pro Kilowattstunde käme nur einem kleinen Kreis zugute, in etwa 1000 bis 2000 energieintensiven Unternehmen, sagte DIHK-Lobbyist Achim Dercks. Ein Industriestrompreis, der allerdings in der Ampel-Regierung von Finanzminister und FDP-Chef Christian Lindner abgelehnt wird, wäre zudem abhängig von der Zustimmung der EU-Kommission und würde zahlreiche Auflagen für Firmen mit sich bringen.

Am wichtigsten ist aus Sicht der DIHK, das Stromangebot so schnell wie möglich auszuweiten, vor allem Wind- und Solarenergie. "Denn das ist der einzig sichere Weg zur Kostensenkung." Der Staat sollte dann auf Steuern verzichten sowie Umlagen und Entgelte auf Strom möglichst komplett in den Bundeshaushalt übernehmen oder zumindest stark verringern. Das würde Unternehmen und private Haushalte um rund zehn Milliarden Euro pro Jahr entlasten. Hier könnte der Staat auch stufenweise vorgehen.

Zweiter Baustein seien langfristige Stromlieferverträge zwischen den Betreibern von Anlagen mit erneuerbarer Energie und Industriebetrieben. Der Staat sollte den Anlagenbetreibern Investitionszuschüsse gewähren und Industriebetriebe bei den Netzentgelten entlasten. Dies würde bis 2037 jährliche Kosten für den Staat in Höhe von knapp drei Milliarden Euro bedeuten.

Habeck will den Strompreis nur für bestimmte Bereiche - etwa Chemie oder Stahl - bis maximal zum Jahr 2030 künstlich verbilligen. Der vergünstigte Tarif würde für 80 Prozent des Basisverbrauchs gelten, um einen Anreiz zum Sparen zu setzen. Die Kosten dafür werden auf 25 bis 30 Milliarden Euro geschätzt, also etwa fünf Milliarden pro Jahr. Habeck will dafür den Krisenfonds WSF anzapfen, was Lindner aber ablehnt.

DIHK-Vertreter Dercks verwies darauf, dass die Strompreise in Deutschland nicht nur im Vergleich mit den USA oder Asien deutlich höher seien, sondern auch gegenüber EU-Wettbewerbern wie Frankreich oder Spanien. Das ist eine Konsequenz des Krieges in der Ukraine, in dessen Folge günstige Öl- und Gaslieferungen aus Russland weggefallen sind, von denen Deutschland besonders stark abhängig war. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Staatskrise Deutschland: Minderheitsregierung oder Neuwahlen - was wäre denkbar?
28.06.2026

Die schwarz-rote Regierung unter Kanzler Merz geht dem Ende zu - trotz aktueller Durchhalteparolen vor der Sommerpause mit möglichen...

DWN
Politik
Politik Ben Wallace war einer der wichtigsten Verbündeten der Ukraine: Nun prognostiziert er Putins nächsten Schritt
28.06.2026

Der ehemalige britische Verteidigungsminister Ben Wallace ist der Ansicht, dass sich die NATO auf einen russischen Präsidenten einstellen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Minijob 2026: Rückkehr in die Rentenversicherung möglich – was zu beachten ist
28.06.2026

Wer sich als Minijobber von der Versicherungspflicht befreien ließ und bislang keinen Eigenanteil für die Rentenversicherung zahlt, kann...

DWN
Finanzen
Finanzen Die schwankende Adobe-Aktie wird immer attraktiver
28.06.2026

Die Adobe-Aktie ist stark gefallen und wirkt im Vergleich zu vielen Tech-Werten günstig bewertet. Doch Anleger fragen sich, ob Adobe seine...

DWN
Finanzen
Finanzen Experteninterview: Welche Finanzierungsalternativen Unternehmen kennen sollten
28.06.2026

Für viele Mittelständler ist Finanzierung zunehmend eine strategische Herausforderung. Besonders kritisch wird es, wenn Investitionen gar...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Betriebsbedingte Kündigung wegen Stellenabbau: Die wichtigsten Fakten
28.06.2026

Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage erleben viele deutsche Arbeitnehmer derzeit eine Kündigungswelle. Häufig begründen...

DWN
Politik
Politik Deutschlands Ziel: Europas stärkste Armee aufbauen
28.06.2026

Nach dem Scheitern der Zusammenarbeit bei Kampfflugzeugen steht nun das nächste Prestigeprojekt für Deutschland und Frankreich vor dem...

DWN
Finanzen
Finanzen Dell, Oracle und Co.: Gewinnrausch bei alten Tech-Stars
28.06.2026

Derzeit werden Hunderte von Milliarden Dollar in die nächste Technologiewelle investiert. Server sollen installiert, Datenbanken ausgebaut...