Finanzen

DWN-Interview: „Der Markt der Kryptowährungen wird erwachsener“

Seit Anfang des Jahres ist der Kurs des Bitcoin um über 60 Prozent gestiegen. Wir fragten Jan Altmann nach den Gründen, wie viel „Krypto“ ein Privatanleger im Depot haben sollte und welche Faktoren die künftige Wertentwicklung beeinflussen werden.
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11.07.2023 12:20
Aktualisiert: 11.07.2023 12:20
Lesezeit: 4 min
DWN-Interview: „Der Markt der Kryptowährungen wird erwachsener“
Seit Anfang des Jahres ist der Kurs des Bitcoin um über 60 Prozent gestiegen. (Foto: dpa)

Seit Anfang des Jahres ist der Kurs des Bitcoin um über 60 Prozent gestiegen. Wir fragten Jan Altmann, Director Investment Strategy der ETC Group, nach den Gründen, wie viel „Krypto“ ein Privatanleger im Depot haben sollte und welche Faktoren die künftige Wertentwicklung beeinflussen werden. Altmann ist Experte für Exchange Traded Products (ETPs) und arbeitete unter anderem als Analyst für das Portal justetf.com sowie für die Deutschen Börse AG.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Herr Altmann, nach einem eher wechselhaften Vorjahr haben die Kurse der gängigsten Kryptowährungen in den vergangenen Monaten wieder kräftig zugelegt. Wie kam es zu diesem Comeback?

Jan Altmann: Eigentlich geht es beim Auf- und Ab der Währungskurse fast immer um das Gleiche: Vertrauen. Da ist es ganz egal, ob es sich um Zentralbankgeld oder digitale Währungen handelt. In den ersten Monaten dieses Jahres erlebten wir mehrere Vertrauenskrisen des klassischen Finanzsystems. Das schnelle Anheben der Zinsen durch die Zentralbanken in den USA und Europa sorgte dafür, dass eine Reihe US-Banken an den Rand des Abgrunds oder auch schon einen Schritt weiter standen. Das Gespenst einer Finanz- und Bankenkrise, wie wir es im Jahr 2008 erlebt haben, ging um.

DWN: Warum führte das zu einer ansteigenden Nachfrage nach Kryptowährungen wie Bitcoin?

Jan Altmann: Bitcoin & Co. werden von Anlegern als eine Alternative zu den Zentralbankwährungen wie dem US-Dollar oder dem Euro gesehen – als sicherer Hafen oder auch als ein „digitales Gold“, mit dem Anleger ihr Geldvermögen vor Inflation und Kursverfall bewahren können.

DWN: Aber auch bei den Kryptowährungen haben in den letzten Jahren einige Hochs und Tiefs erlebt. Gründe waren nicht zuletzt Skandale und Betrügereien.

Jan Altmann: In der Tat gab es rund um die digitalen Währungen gerade 2022 eine ganze Reihe von negativen Schlagzeilen. Dabei muss allerdings unterschieden werden, dass nicht die Währungen, sondern im Markt agierende Dienstleister dafür verantwortlich waren. Auf die Kurse machte das zunächst keinen Unterschied, sie gingen unisono nach unten. Trotz dieser Skandale setzt sich die Erkenntnis immer weiter durch, dass die digitalen Währungen funktionieren. Das zeigt sich auch daran, dass die Anwendung der Blockchain-Technologie und die Adaption darauf basierender digitaler Assets in der etablierten Finanzbranche sichtbar voranschreiten.

DWN: Woher kommt nun plötzlich dieses Vertrauen?

Jan Altmann: Ein simpler Vergleich: Nur weil Ihnen jemand das Portemonnaie gestohlen hat, werden Sie sich nicht vom Euro abwenden. Sie werden eher ihr Verhalten ändern, weniger Bargeld einstecken und das Portemonnaie besser verwahren. Allerdings gibt es genügend Menschen, die durchaus ihre Zweifel daran haben, dass die Zentralbanken einen guten Job machen, die Wertstabilität von Währungen zu sichern.

DWN: Und das soll dann ausgerechnet im „Wilden Westen“ der Kryptowährungen besser laufen?

Jan Altmann: Gegenfrage: Warum wird der Bitcoin gerne als digitales Gold bezeichnet? Nun, die Anzahl der herauszugebenden Bitcoins ist auf 21 Millionen Einheiten begrenzt. Das ist in der Programmierung festgelegt und kann nicht mir nichts dir nichts geändert werden. Der Preis wird hier also durch Angebot und Nachfrage an den Handelsplätzen bestimmt. Bei Zentralbankgeld können Institutionen wie die Fed oder die EZB Einfluss auf beide Seiten nehmen. Dabei spielen auch die Interessen von Regierungen hinein, die durchaus Bedarf an einem gewissen Maß an Geldentwertung haben, um zu Beispiel Schulden besser bedienen zu können. In Europa und den USA sollten die Notenbanken relativ unabhängig agieren können – in vielen anderen Ländern ist das ganz und gar nicht der Fall. Bitcoin und eine Vielzahl weiterer Kryptowährungen hingegen formen ein dezentralisiertes, globales Finanzsystem, das unabhängig von Landeswährungen funktioniert und diese langfristig vielleicht sogar ersetzen könnte.

DWN: Bis dahin dürfte es noch weiter Weg zu gehen sein. Warum sollten Anleger schon jetzt Bitcoin kaufen?

Jan Altmann: Wir haben mal zurückgerechnet: Eine kleine Beimischung von drei Prozent Bitcoin in einem breit aufgestellten Portfolio mit Aktien, Anleihen und Rohstoffen, hätte in den letzten fünf Jahren die Rendite verdoppelt und dabei nicht einmal übermäßige Schwankungen oder Verlustrisiken mit sich gebracht.

DWN: Wie ist das bei den starken Kursschwankungen der letzten Jahre zu erklären?

Jan Altmann: Wichtig ist, dass sich der Kurs des Bitcoins nur wenig im Gleichschritt mit den anderen Vermögenswerten bewegt hat. Die gegenseitige Abhängigkeit der Entwicklung wird als Korrelation bezeichnet und diese ist – entgegen häufig zu hörender Annahmen – eher gering ausgeprägt. Während die Kurse von Aktien fallen, gehen die von Bitcoin weniger stark zurück oder können sogar steigen – und umgekehrt. Hier gleichen sich die Kursschwankungen der einzelnen Vermögenswerte also aus, der sogenannte Portfolio-Effekt verbessert die Gesamtrendite. Wenn Sie nun statt drei Prozent auf Bitcoin zu setzen, Ihr Geld auf verschiedene Kryptowährungen verteilen, sollte sich das weiter positiv auf das Risikoprofil des Portfolios auswirken.

DWN: Warum glauben Sie, dass sich der Aufstieg der Kryptowährungen auch in Zukunft fortsetzen kann?

Jan Altmann: Der Markt der Kryptowährungen wird sichtbar erwachsener. Am 20. April hat das EU-Parlament die Verordnung über „Markets in Crypto Assets“ (MiCA) verabschiedet, die allgemein als Meilenstein gilt. Sie enthält Regeln für Aufsicht, Verbraucherschutz und Umweltschutz. Zum Beispiel benötigen Kryptodienstleister künftig zwingend eine Lizenz. Diese Entwicklung wird allgemein begrüßt und sollte nicht nur zu mehr Vertrauen, sondern auch zu besserem Schutz der Anleger führen. Hier geht es auch um die Psychologie. Denn mit Exchange Traded Products mit physischer Hinterlegung, wie sie auch von der ETC Group angeboten werden, lässt sich bereits heute über regulierte Produkte sicher in Kryptowährungen investieren.

DWN: … aber nicht in alle der fast 10.000 verschiedenen Arten!

Jan Altmann: Das ist richtig. Das größte Anlagevolumen im Kryptomarkt ist aber in den bekannteren Währungen wie Bitcoin, Ethereum oder Ripple konzentriert. Langfristig orientierte Anleger sollten sich daher an den wichtigsten Kryptowährungen orientieren. Und mit unserem jüngsten Produkt, einem Basket ETP auf den MSCI Global Digital Assets Select Top 20 Capped-Index, kann man sogar mit einem Produkt in die 20 wichtigsten Kryptowährungen investieren und damit leicht Risiken verteilen.

Zur Person: Jan Altmann ist Director Investment Strategy der ETC Group. Er gehört zu den Pionieren des ETF-Marktes in Deutschland, ist ausgewiesener Experte für Exchange Traded Products (ETPs) und arbeitete unter anderem als Analyst für das Portal justetf.com. Seine Karriere am Finanzmarkt startetet er als Mitarbeiter der Deutschen Börse AG.

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Finanzrpodukte unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.
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