Politik

Handelskrieg zwischen USA und China geht in die nächste Runde

Der Handelsstreit rund um Computerchips zwischen den USA und China verschärft sich. China reagierte nun auf die letzten US-Importstopps mit eigenen Ausfuhrbeschränkungen kritischer Rohstoffe. Davon betroffen wäre auch Deutschland.
04.07.2023 15:28
Aktualisiert: 04.07.2023 15:28
Lesezeit: 3 min
Handelskrieg zwischen USA und China geht in die nächste Runde
Antony Blinken (l), Außenminister der USA, begrüßt Xi Jinping, Präsident von China, in der Großen Halle des Volkes. (Foto: dpa) Foto: Leah Millis

Im Technologie-Streit mit den USA zieht China den nächsten Trumpf: Nachdem die USA den Export von Hochleistungschips an China beschränkt hat, erschwert die Volksrepublik nun den Export bestimmter, für die Chip-Herstellung wichtiger Rohstoffe.

Handelskrieg zwischen USA und China

Wie das Handelsministerium in Peking in der Nacht zum Dienstag mitteilte, müssen Unternehmen ab dem 1. August für die Ausfuhr von Gallium- und Germanium-Produkten eine Lizenz beantragen. Damit sollten die strategischen Interessen und die Sicherheit der Volksrepublik gewahrt werden. Insidern zufolge planen die Behörden für Donnerstag ein Treffen mit den betroffenen Unternehmen, um die Umsetzung der Maßnahmen zu erörtern.

„Das sieht nach einer Vergeltungsmaßnahme aus, nachdem die USA einige Chip-Exporte verboten haben“, sagte Analystin Susannah Streeter vom Brokerhaus Hargreaves Landsdown. John Strand, Gründer der Beratungsfirma Strand Consult, warnte allerdings vor Panikreaktionen. Für Gallium und Germanium gebe es anders als bei anderen sogenannten Seltenen Erden durchaus Anbieter außerhalb Chinas.

Zwar trieben Beschränkungen die Preise. „Aber für den Rest der Welt sind sie keineswegs so schmerzhaft wie die US-Restriktionen der Chip-Exporte für China.“ Der Chef des Bergbau-Verbands in China, Peter Arkell, sieht das anders: „China hat die US-Handelsbeschränkungen dort getroffen, wo es wehtut.“

Auswirkungen der Exportbeschränkungen noch unklar

Südkorea und Taiwan rechnen nach eigenen Angaben vorerst nur mit begrenzten Auswirkungen der chinesischen Exportkontrollen. In diesen beiden Ländern sitzen mit Samsung und TSMC zwei der weltgrößten Chip-Hersteller. Japan und die Europäische Union (EU) prüfen die möglichen Effekte auf die jeweils eigene Wirtschaft. Letztere hatte sich vergangene Woche darauf geeinigt, die Abhängigkeit von China zu reduzieren, die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft gleichzeitig aber als Partner zu halten.

Der Bund ringt ebenfalls um seinen China-Kurs. Falls die Volksrepublik die Exportbeschränkungen auf andere Metalle wie das zur Herstellung von Elektroauto-Batterien benötigte Lithium ausweite, stehe die hiesige Wirtschaft vor größeren Problemen, warnte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck.

Daher forderten der Digitalverband Bitkom und Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Anstrengungen für eine größere Unabhängigkeit von Rohstoff- und Technologie-Importen zu intensivieren. Die EU hat mit dem "Chips Act" bereits ein Programm aufgelegt, um die Ansiedlung von Halbleiter-Werken zu fördern. Dadurch soll der Weltmarkt-Anteil der Chip-Produktion bis 2030 auf etwa 20 Prozent verdoppelt werden.

Nachfrage und Preise steigen an

In der Branche schlägt die Ankündigung bereits Wellen: Einem Manager eines chinesischen Germanium-Produzenten zufolge haben sich bei ihm bereits mehrere Kunden aus Japan, Europa und den USA gemeldet. Sie wollten bis zum Stichtag am 1. August so viele Rohstoffe wie möglich bunkern, weil sie damit rechneten, dass die Bearbeitungszeit für die Exportanträge bis zu zwei Monate betragen werde.

Die gestiegene Nachfrage habe die Germanium-Preise zuletzt um knapp zehn Prozent auf umgerechnet 1380 Dollar je Kilogramm in die Höhe getrieben. Die Aktien einiger chinesischer Bergbaufirmen wie Yunnan Lincang Xinyuan oder Yunnan Chihong gewannen ebenfalls bis zu zehn Prozent. In Australien legten die Titel von Lynas, dem größten Förderer Seltener Erden außerhalb Chinas, gut vier Prozent zu.

Der Nachrichtenseite Caixin zufolge gehörten 2022 Japan, Deutschland und die Niederlande zu den wichtigsten Abnehmern von Gallium-Produkten. Bei Germanium lägen Japan, Frankreich, Deutschland und die USA vorne. Diese Metalle werden vor allem in Computerchips, in der Telekommunikation, in Solar-Panelen und Elektroautos eingesetzt.

Der deutsche Chip-Hersteller Infineon teilte auf Anfrage mit, seine Rohstoffe generell aus unterschiedlichen Regionen zu beziehen. „Derzeit sehen wir keine größeren Auswirkungen auf die Materialversorgung, die unsere Produktionskapazitäten beeinträchtigen würden.“ Auch der US-Konzern Intel betonte, Vorprodukte aus verschiedenen Quellen zu beziehen.

Vergeltungsmaßnahmen Chinas gegen die USA

Die USA haben in den vergangenen Monaten unter anderem den Export von Hochleistungschips sowie von Maschinen für deren Produktion eingeschränkt. Dem „Wall Street Journal“ zufolge denkt die Regierung in Washington außerdem darüber nach, den Zugang chinesischer Firmen zu bestimmten Angeboten von US-Cloudanbietern zu begrenzen. Gleichzeitig wächst der Druck auf westliche Telekom-Konzerne, wegen Sicherheitsbedenken in ihren Mobilfunknetzen auf den Einsatz von Komponenten chinesischer Hersteller wie Huawei zu verzichten.

Die Volksrepublik hatte darauf bereits an anderer Stelle reagiert: So verbot sie bestimmten Unternehmen und Organisationen den Einsatz von Chips des US-Herstellers Micron. Ein Besuch von US-Außenminister Antony Blinken in China vor einigen Wochen hatte nicht zu einer nachhaltigen Entspannung der Beziehungen geführt.

In dieser Woche wird US-Finanzministerin Janet Yellen in der Volksrepublik erwartet. „Das Risiko einer Eskalation der Spannungen zwischen den USA und China ist nicht gerade gering“, warnten die Analysten der Investmentbank Jefferies. Komme es nicht zu einer Entspannung, müsse mit weiteren Exportkontrollen für Seltene Erden gerechnet werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie iFLYTEK AINOTE Air 2 bringt KI-gestützte Notizen in ein noch kompakteres E-Ink-Tablet

Für viele Menschen sind die besten Produktivitätstools diejenigen, die nicht versuchen, den gesamten Arbeitstag zu übernehmen. Sie...

DWN
Finanzen
Finanzen Interview: Ich lebe in Japan und investiere
05.07.2026

Dita Vārna Yoshimura lebte lange von Gehalt zu Gehalt, dann entdeckte sie durch ihren Mann die Börse. Heute investiert die Lettin aus...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorgedepot: Brauchen wir das wirklich? Oder gibt es bessere Alternativen?
05.07.2026

Die Reform der staatlich geförderten privaten Altersfürsorge ist beschlossen – das Altersvorsorgedepot kommt ab 2027. Dann wird das...

DWN
Technologie
Technologie Cybersicherheit braucht weniger Angst und mehr Wissen
05.07.2026

Es ist an der Zeit, dass wir aufhören, Cybersicherheit als Weltuntergang zu verkaufen. Wir sollten sie stattdessen als Teil der...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererhöhung: Steuer auf Spirituosen soll Anfang 2027 steigen
05.07.2026

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen zum 1. Januar 2027 höher besteuert werden. Welche Mehreinnahmen im Zuge der Steuererhöhung...

DWN
Immobilien
Immobilien Deutscher Mietmarkt: Warum sich das Vermieten für Private nicht mehr lohnt
05.07.2026

Die Wohnungskrise in Deutschland verschärft sich. Doch während in Talkshows meist über rücksichtslose Immobilienkonzerne debattiert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niob: Brasiliens Monopol über den nächsten Batterie-Rohstoff
05.07.2026

Der historische SpaceX-Börsengang hat auch den Rohstoff Niob ins Rampenlicht der Märkte gerückt. In Brasilien lagern knapp 90 Prozent...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elon Musks ehemaliger Mitbewohner: „Wir wussten, dass der Mars das Ziel war“
04.07.2026

Vor 25 Jahren hat er Elon Musk davon abgeraten, ein Raketenunternehmen zu gründen. Heute bezeichnet er den SpaceX-Gründer als den...

DWN
Politik
Politik Vor den US-Kongresswahlen ist Trump so unbeliebt wie nie zuvor – doch er hat einen Trumpf im Ärmel
04.07.2026

Donald Trump geht mit schlechten Umfragewerten in die US-Kongresswahl, mittlerweile ist er unbeliebter als Vorgänger Joe Biden. Doch kurz...