Unternehmen

Industrie drosselt Produktion: „Vorgeschmack auf die nächsten Monate“

Die deutsche Industrie steckt in einer Rezession. Auch die Aussichten sind alles andere als gut, sagen Ökonomen. Im Juni kam es nun zum nächsten schweren Dämpfer.
07.08.2023 10:06
Aktualisiert: 07.08.2023 10:06
Lesezeit: 2 min
Industrie drosselt Produktion: „Vorgeschmack auf die nächsten Monate“
Mitarbeiter des Stuttgarter Autoherstellers Mercedes-Benz arbeiten im Werk in Sindelfingen in der Fertigung von Oberklasse- und Luxusfahrzeugen. (Foto: dpa) Foto: Bernd Weißbrod

Die deutsche Industrieproduktion ist im Juni weiter gefallen. Im Vergleich zum Vormonat sank die Gesamtherstellung um 1,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Analysten hatten im Schnitt einen Rückgang erwartet, waren aber nur von einem Dämpfer von 0,5 Prozent ausgegangen. Im Jahresvergleich wurde im Juni kalenderbereinigt 1,7 Prozent weniger produziert. Ökonomen rechnen auch in den kommenden Monaten mit einer eher schwachen Entwicklung.

Belastend wirkte im Juni vor allem die Produktion in der Autoindustrie, die um 3,5 Prozent im Monatsvergleich sank. Die Aktivität am Bau fiel ebenfalls schwächer aus, wie das Bundesamt weiter mitteilte. Dagegen habe die pharmazeutische Industrie mit einem Anstieg der Fertigung um 7,9 Prozent positiv auf das Gesamtergebnis gewirkt.

Unterdessen hat sich die Produktion im Mai etwas besser entwickelt als bisher bekannt. Wie das Bundesamt mitteilte, blieb die Produktion nach einer Revision vorläufiger Daten mit einem Rückgang um 0,1 Prozent nahezu unverändert. Zuvor war ein Rückgang um 0,2 Prozent gemeldet worden. Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich sank die Herstellung von April bis Juni um 1,3 Prozent.

"Die Industrieproduktion entwickelte sich am Ende des zweiten Quartals schwach", kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium die Daten. Obwohl die Nachfrage nach Produkten aus deutschen Industriebetrieben zuletzt wieder gestiegen sei, bleibe der Ausblick für die Industriekonjunktur eingetrübt, wie es in einer Mitteilung des Ministeriums hieß.

In den Monaten und Mai und Juni war der Auftragseingang in den deutschen Industriebetrieben jeweils kräftig gestiegen. Die Zuwächse basierten aber vor allem auf umfangreichen Großbestellungen, die nach Einschätzung von Ökonomen die ansonsten eher schwache Nachfrage verdeckt hätten.

Nach Einschätzung des Analysten Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg passen die Produktionsdaten "viel besser zu den übrigen Indikatoren als die Neuaufträge". Sie deuten darauf hin, dass die "Wirtschaftsleistung der deutschen Industrie derzeit allenfalls unterdurchschnittlich ist", sagte Niklasch.

"Das unerwartet deutliche Minus bei der deutschen Industrieproduktion im Juni gibt einen Vorgeschmack auf die schlechten Produktionszahlen, die sich für die kommenden Monate abzeichnen", sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Seiner Einschätzung nach dürften die deutsche Wirtschaft im zweiten Halbjahr weiter schrumpfen.

Die deutsche Industrie leidet als Folge der sogenannten Energiewende unter enorm hohen und im internationalen Vergleich nicht mehr wettbewerbsfähigen Energiepreisen. Die Bundesregierung forciert derweil die Klimapolitik, welche ebenfalls zu deutlichen Mehrkosten in der Wirtschaft führt. Die ökonomische Abkopplung von günstigen russischen Energieträgern ist ebenfalls ein bedeutender Faktor.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt

 

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen KI bei Tech-Aktien: Wie massive Investitionen Wachstum fördern und Risiken für Anleger bergen
01.01.2026

Die Tech-Branche steht erneut im Fokus der Finanzmärkte. Mit Milliardeninvestitionen in künstliche Intelligenz setzen führende...

DWN
Immobilien
Immobilien Toyota Woven City: Japans Reallabor am Mount Fuji
01.01.2026

Unter dem Blick des Fuji baut Toyota eine Stadt als Reallabor: Woven City. Hier treffen Wasserstoff, Sensorik und autonome Mobilität auf...

DWN
Immobilien
Immobilien Sonne als Heizung: Wie Sie mit energieeffizienten Fenster Heizkosten sparen – Tipps und Tricks
01.01.2026

Fenster sind mehr als Lichtspender: Sie entscheiden über Wärme, Komfort und Energieverbrauch. Richtig platziert und gesteuert, werden sie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen AWS treibt Ausbau der Dateninfrastruktur voran: Unterseekabel zwischen Irland und USA geplant
01.01.2026

Irland rückt zunehmend in den Fokus globaler Dateninfrastruktur, während Unternehmen ihre Cloud- und KI-Kapazitäten ausbauen. Welche...

DWN
Panorama
Panorama BiB-Studie: Städte wachsen, Land schrumpft – der Bevölkerungstrend bis 2070
01.01.2026

Wachsen die Städte weiter – und schrumpft das Land noch schneller? Eine neue Studie des BiB rechnet bis 2070 verschiedene Szenarien...

DWN
Technologie
Technologie Glasfaser-Betrug: So erkennen Sie Laufzeitfallen beim Glasfaservertrag
01.01.2026

Glasfaser klingt nach Zukunft – doch beim Vertragsabschluss lauern Fallen. Manche Anbieter verschieben Laufzeitbeginne, andere arbeiten...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnnebenkosten-Ranking: In diesen Städten wird Wohnen zur Kostenfalle
01.01.2026

Die Miete allein ist längst nicht mehr das Problem – die Nebenkosten treiben die Wohnkosten auf ein neues Niveau. Höhere Gebühren,...

DWN
Politik
Politik Merz wirbt für "Moment des Aufbruchs" 2026
01.01.2026

In seiner ersten Neujahrsansprache appelliert Kanzler Merz an Vertrauen und Tatkraft in Krisenzeiten – und stellt in Aussicht, dass die...