Immobilien

Starke Belebung am US-Immobilienmarkt

Nach Monaten von deutlich höheren Hypothekenzinsen, die viele Privathaushalte unter massiven Druck gesetzt haben, gibt es nun Aufschwung im US-Wohnimmobilienmarkt - zu einem überraschend frühen Zeitpunkt. Auch andere Branchen signalisieren Wachstum. Experten deuten auf zwei Hauptgründe.
15.08.2023 14:40
Aktualisiert: 15.08.2023 14:40
Lesezeit: 2 min
Starke Belebung am US-Immobilienmarkt
Trendwende im US-Wohnimmobilienmarkt. (Foto: dpa)

Die geopolitische Weltlage wackelt aber der US-Wohnimmobilienmarkt hat die deutlichen höheren Hypothekenzinsen der letzten Monate rasch weggesteckt und sich überraschend schnell wieder belebt. Auch die Stimmung der Unternehmen in der US-Wohnungsbaubranche hat sich in den letzten Monaten stark verbessert und der Sektor signalisiert wieder Wachstum.

In einem Podcast der Hypovereinsbank, erklärte Dr. Andreas Rees, Chefvolkswirt Deutschland bei der Bank, wieso diese Stimmungsverbesserung gerade jetzt passiert, zu einem so frühen Zeitpunkt in den USA.

Eines der Hauptgründe für die Trendwende ist der relative ungewöhnliche Konjunkturverlauf in den USA, zum einen gekennzeichnet von einem außergewöhnlich robusten Arbeitsmarkt. „Wenn man sich zum Beispiel die Relation anschaut, die Zahl der Arbeitslosen und die Zahl der offenen Stellen, dann kommt man auf ein Verhältnis von etwa 1,5 - das heißt, es kommen auf einen Arbeitslosen etwa 1,5 offene Stellen zu“, so Rees. Dies sei außergewöhnlich stabil und einer der Gründe, warum private Haushalte wieder bereit seien Häuser und Wohnungen zu kaufen, obwohl Zinsen in den USA im letzten Jahr sehr stark angestiegen sind.

Auch die Stimmung der Firmen im US-Wohnungsbau habe sich in den letzten Monaten sehr stark verbessert und der Bereich signalisiere Wachstum. „Es ist ein Stimmungsindikator, ein zuverlässiger Frühindikator für die tatsächliche Entwickelung, zum Beispiel in Bauausgaben. Die Stimmung bei den Unternehmen verbessert sich nur dann, wenn die Firmen tatsächlich merken, dass sich der Wind dreht“.

Weitere US-Zinssätze im Visier

Die US-Notenbank würde wahrscheinlich die Zinssätze weiter anheben müssen, um die Inflation zu senken, sagte Gouverneurin Michelle Bowman am Wochenende. Bowman sagte, sie habe die Anhebung der Zinssätze um einen Viertelpunkt im letzten Monat unterstützt, weil die US-Inflation immer noch hoch, die Verbraucherausgaben stark und der Immobilienmarkt sowie der Arbeitsmarkt im Aufschwung seien.

In den im Juni veröffentlichten Prognosen gingen die meisten Beamten der Federal Reserve davon aus, dass der Leitzins am Jahresende bei 5,6 Prozent liegen würde - also einen Viertelpunkt über dem auf der Fed-Sitzung Ende Juli festgelegten Wert.

Rees wies darauf hin, dass die Federal Reserve immer noch nicht ganz zufrieden war. „Wir wissen das aus den jüngsten Kommentaren von einigen wichtigen Notenbankvertretern, denn es gibt eben immer noch sehr kräftige Lohnerhöhungen. Zuletzt lag das US-Lohnwachstum bei knapp 4,5 Prozent und eigentlich hätte die Fed ganz gerne einen Lohnanstieg von drei bis 3,5 Prozent“.

Pandemie-Ersparnisse lindern den Zinsanstieg-Schmerz

Laut Rees sind ein zweiter fundamentaler Grund für die Trendwende im US- Wohnimmobilienmarkt die Ersparnisse, die Privathaushalte während der Pandemie angesammelt haben. Viele Haushalte konnten Dienstleistungen nicht in Anspruch nehmen und somit seien die Ersparnisse gestiegen. „Das dürfte jetzt dem Immobilienmarkt wiederum helfen, weil Privathaushalte nicht so viele Hypothekenkredite aufnehmen müssen wie normalerweise … dann tun die gestiegenen Zinsen nicht so weh, wie in der Vergangenheit“.

Nach den Turbulenzen in der ersten Hälfte des Jahres im regionalen US-Bankensektor haben sich wichtige Banken im Juni darauf vorbereitet, Immobilienkredite mit möglichen Abschlägen zu verkaufen - selbst wenn Kreditnehmer ihre Rückzahlungen termingerecht geleistet haben.

Der Financial Times zufolge war dies ein Zeichen der Entschlossenheit der US-Finanzinstitute, ihr Risiko auf dem erheblich schwankenden US-Gewerbeimmobilienmarkt zu verringern. Die Bereitschaft einiger der wichtigen Kreditgeber, Verluste bei sogenannten „performing real estate loans“ zu übernehmen, folgte mehreren Warnungen, dass der US-Gewerbeimmobiliensektor ins Schwanken geraten sei und fallen könnte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aufhebungsvertrag wegen Personalabbau: Die wichtigsten Fakten
05.07.2026

Personalabbau ist auf Grund der schlechten wirtschaftliche Lage derzeit für viele Unternehmen ein Thema. Maßnahmen sind häufig...

DWN
Politik
Politik AfD-Parteitag in Erfurt: Massiver Protest gegen die AfD - Spitzenduo bestätigt
05.07.2026

Die AfD hat ihr Spitzenduo Weidel-Chrupalla wiedergewählt. In der zweiten Reihe gibt es neue Gesichter. Vom Protest vor der Halle sahen...

DWN
Finanzen
Finanzen Manchester United, BVB und Juventus: Wenn Fußballklubs an die Börse gehen
05.07.2026

Fußball und Kapitalmarkt wirken auf den ersten Blick wie getrennte Welten. Doch mehrere europäische Klubs sind börsennotiert, darunter...

DWN
Finanzen
Finanzen Interview: Ich lebe in Japan und investiere
05.07.2026

Dita Vārna Yoshimura lebte lange von Gehalt zu Gehalt, dann entdeckte sie durch ihren Mann die Börse. Heute investiert die Lettin aus...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorgedepot: Brauchen wir das wirklich? Oder gibt es bessere Alternativen?
05.07.2026

Die Reform der staatlich geförderten privaten Altersfürsorge ist beschlossen – das Altersvorsorgedepot kommt ab 2027. Dann wird das...

DWN
Technologie
Technologie Cybersicherheit braucht weniger Angst und mehr Wissen
05.07.2026

Es ist an der Zeit, dass wir aufhören, Cybersicherheit als Weltuntergang zu verkaufen. Wir sollten sie stattdessen als Teil der...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererhöhung: Steuer auf Spirituosen soll Anfang 2027 steigen
05.07.2026

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen zum 1. Januar 2027 höher besteuert werden. Welche Mehreinnahmen im Zuge der Steuererhöhung...

DWN
Immobilien
Immobilien Deutscher Mietmarkt: Warum sich das Vermieten für Private nicht mehr lohnt
05.07.2026

Die Wohnungskrise in Deutschland verschärft sich. Doch während in Talkshows meist über rücksichtslose Immobilienkonzerne debattiert...