Unternehmen

Industriestrompreis: SPD erhöht Druck auf eigenen Kanzler

Wie dringend ist ein staatlich gesenkter Industriestrompreis, um die Unternehmen in Deutschland zu halten? Nicht nur in der SPD sind die Ansichten geteilt. Der Druck auf Kanzler Scholz wächst.
19.08.2023 15:08
Aktualisiert: 19.08.2023 15:08
Lesezeit: 2 min

In der Regierungskoalition macht die SPD verstärkt Druck, doch noch einen günstigeren Industriestrompreis in Deutschland einzuführen. Eine solche staatlich finanzierte Preissenkung hatte der Bundeskanzler und Sozialdemokrat Olaf Scholz zuletzt abgelehnt wie zuvor schon Finanzminister Christian Lindner und seine FDP.

Auch in der Wirtschaft ist eine Subventionierung des Strompreises umstritten. Industriezweige mit hohem Stromverbrauch halten sie für notwendig, um Standort-Verlagerungen ins Ausland und den Verlust von Arbeitsplätzen zu vermeiden. Vertreter des Mittelstands befürchten Nachteile für ihre Unternehmen.

«Der Industriestrompreis schafft eine starke Wettbewerbsverzerrung zuungunsten des Mittelstandes», sagte die Präsidentin des Verbands der Familienunternehmer, Marie-Christine Ostermann, der «Rheinischen Post» (Samstag). «Aber auch volkswirtschaftlich gesehen ist die teure Subventionierung keine Lösung, sondern schadet der Gesamtwirtschaft. Zum Glück hat das auch Kanzler Scholz richtig erkannt.» Zudem gebe es im Haushalt keinen Spielraum für einen Industriestrompreis, fügte Ostermann hinzu. Auch der Klima- und Transformationsfonds sei bereits ausgeschöpft.

Ein Bündnis aus den Branchen Chemie, Metall, Glas und Papier sowie deren Gewerkschaften hatte am Freitag auf eine schnelle Entscheidung «für einen wirksamen Brückenstrompreis» gedrungen. Dieser sei zeitlich begrenzt notwendig, bis ausreichend Strom aus erneuerbaren Energien zur Verfügung stehe.

Kanzler Scholz sagte vor wenigen Tagen auf dem NRW-Unternehmertag in Düsseldorf: «Ein schuldenfinanziertes Strohfeuer, das die Inflation wieder anheizt, oder eine Dauersubvention von Strompreisen mit der Gießkanne können wir uns nicht leisten und wird es deshalb auch nicht geben. Das wäre ökonomisch falsch, fiskalisch unsolide und würde sicherlich auch falsche Anreize setzen.»

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hofft auf ein Umdenken von Scholz. «Das letzte Wort in dieser Sache ist nicht gesprochen. Das wird eine besonders wichtige Diskussion in diesem Herbst», sagte Weil der «Welt am Sonntag». «Die Unternehmen aus der energieintensiven Industrie sagen alle, wenn der Strompreis so hoch bleibt, kann es nicht gehen. Da droht ein Substanzverlust, und eine Industrie, die weggeht, kommt nicht wieder. Eine Deindustrialisierung kann sich dieses Land und kann sich auch Europa nicht leisten», sagte Weil.

Der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Dirk Wiese, sagte der Mediengruppe Bayern: «Aus unserer Sicht ist der Industriestrompreis elementar wichtig. Wir brauchen sichere und bezahlbare Energie für die Unternehmen, die sich in schwierigen Wettbewerbssituationen, gerade mit dem nahen außereuropäischen Ausland befinden.»

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte vorgeschlagen, für energieintensive Unternehmen den Strompreis bis zum Jahr 2030 auf sechs Cent pro Kilowattstunde zu deckeln. Das Geld soll nach den Plänen Habecks aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds kommen. Die FDP lehnt das ab. (dpa)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie iFLYTEK AINOTE Air 2 bringt KI-gestützte Notizen in ein noch kompakteres E-Ink-Tablet

Für viele Menschen sind die besten Produktivitätstools diejenigen, die nicht versuchen, den gesamten Arbeitstag zu übernehmen. Sie...

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niob: Brasiliens Monopol über den nächsten Batterie-Rohstoff
05.07.2026

Der historische SpaceX-Börsengang hat auch den Rohstoff Niob ins Rampenlicht der Märkte gerückt. In Brasilien lagern knapp 90 Prozent...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elon Musks ehemaliger Mitbewohner: „Wir wussten, dass der Mars das Ziel war“
04.07.2026

Vor 25 Jahren hat er Elon Musk davon abgeraten, ein Raketenunternehmen zu gründen. Heute bezeichnet er den SpaceX-Gründer als den...

DWN
Politik
Politik Vor den US-Kongresswahlen ist Trump so unbeliebt wie nie zuvor – doch er hat einen Trumpf im Ärmel
04.07.2026

Donald Trump geht mit schlechten Umfragewerten in die US-Kongresswahl, mittlerweile ist er unbeliebter als Vorgänger Joe Biden. Doch kurz...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mexiko: Dank niedriger Löhne sind sie wettbewerbsfähig
04.07.2026

Im vergangenen Jahr wurden dort 4,09 Millionen Fahrzeuge produziert, womit das Land weltweit den siebten Platz einnimmt. Die Branche...

DWN
Finanzen
Finanzen Blitzer, Fahrverbot, Unfallschäden: Die wichtigsten Verkehrsrechtsurteile für Autofahrer in Deutschland
04.07.2026

Einen Moment unaufmerksam, ein Blitzer – und wenig später liegt der Bescheid im Briefkasten. 2025 haben mehrere Gerichte entschieden,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mini JCW im Test: Kleiner Flitzer mit großem Preis
04.07.2026

Der Mini JCW fährt sich sportlich, direkt und auffällig wie kaum ein anderes Auto seiner Größe. Doch der Fahrspaß hat seinen Preis,...

DWN
Panorama
Panorama 250 Jahre USA: Warum viele nicht mehr an den amerikanischen Traum glauben
04.07.2026

Die Vereinigten Staaten blicken auf 250 Jahre Geschichte zurück. Doch während das Land sein Jubiläum begeht, wächst die Skepsis über...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unternehmen setzen auf KI: Wer braucht schon Horden von Managern?
04.07.2026

Unternehmen bauen weltweit mittlere Führungsebenen ab und setzen stärker auf KI, Daten und flachere Strukturen. Was das konkret für die...