Politik

Russische Ermittler bestätigen Prigoschins Tod mit DNA-Tests

Lesezeit: 2 min
28.08.2023 09:51  Aktualisiert: 28.08.2023 09:51
Die russischen Ermittler haben mithilfe von DNA-Tests die Identitäten aller zehn Opfer des Flugzeugabsturzes letzte Woche festgestellt, darunter Söldner-Chef Prigoschin.
Russische Ermittler bestätigen Prigoschins Tod mit DNA-Tests
Informelle Gedenkstätte in Moskau für Prigoschin und die anderen Mitglieder der Wagner-Gruppe, die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen. (Foto: dpa)
Foto: Alexander Zemlianichenko

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Der russische Söldner-Chef Jewgeni Prigoschin ist nach offiziellen Moskauer Angaben tot. Ein DNA-Test habe ergeben, dass sich der 62-Jährige an Bord des vergangene Woche in Russland abgestürzten Flugzeugs befunden habe, teilte das Ermittlungskomitee am Sonntag mit. Die Maschine war vergangenen Mittwoch nach dem Start in Moskau aus bislang ungeklärter Ursache in der Region Twer nordwestlich der russischen Hauptstadt abgestürzt. Laut Passagierliste befanden sich Prigoschin und der Wagner-Kommandeur Dmitri Utkin an Bord.

"Als Teil der Ermittlung des Flugzeugabsturzes in der Region Twer sind die molekular-genetischen Untersuchungen abgeschlossen worden", erklärten die Ermittler auf dem Nachrichtendienst Telegram. "Nach den Ergebnissen sind die Identitäten aller zehn Toten festgestellt. Sie stimmen mit der Liste gemäß des Flugscheins überein." Die Hintergründe des Absturzes sind nach wie vor ungeklärt. Spekuliert worden war zunächst über ein Raketenabschuss, jüngste Untersuchungen lassen aber auch die Vermutung zu, dass an Bord eine Bombe detonierte. Der Kreml hat jegliche Beteiligung an dem Vorfall zurückgewiesen. Sprecher Dmitri Peskow nannte solche Spekulationen eine "absolute Lüge".

Prigoschin war Ende Juni bei Präsident Wladimir Putin in Ungnade gefallen. Seine Wagner-Kämpfer hatten am 23. und 24. Juni einen Aufstand geprobt und waren Richtung Moskau gezogen, um nach eigenen Angaben mit Betrug, Korruption und Bürokratie aufzuräumen. Putin warf Prigoschin Verrat vor und kündigte Strafen an. Der Machtkampf wurde unter Vermittlung des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko beendet. Demnach erklärte sich Prigoschin dazu bereit, nach Belarus zu gehen. Im Gegenzug wurde keine Anklage gegen den Söldnerführer in Russland erhoben.

"EIN BEGABTER MENSCH"

Am Donnerstag hatte Putin indirekt bestätigt, dass Prigoschin an Bord der Maschine gewesen sei. Er wolle den Familien aller Opfer sein aufrichtiges Beileid aussprechen, sagte Putin. Dabei nahm er auch Bezug auf Prigoschin: "Er war ein begabter Mensch, ein begabter Geschäftsmann, er arbeitete nicht nur in unserem Land und erzielte Erfolge, sondern auch im Ausland, insbesondere in Afrika. Er war dort mit Öl, Gas, Edelmetallen und Steinen befasst." Zu der Ursache des Absturzes sagte Putin, es müssten die Ermittlungen abgewartet werden. Dies werde dauern.

Westliche Regierungen machen keinen Hehl daraus, dass ihrer Einschätzung nach der Kreml durchaus verantwortlich für den Absturz sein könnte. Ein Sprecher der Bundesregierung hatte vergangene Woche gesagt, man habe selbst zwar keine Erkenntnisse über die Ursache. "Besonders überraschend wäre ein gewaltsames Ende Prigoschins nicht", fügte er aber hinzu.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts ergänzte, es handele sich zunächst um "eine innerrussische Angelegenheit". Er wies aber darauf hin, dass bereits einige Oppositionelle in Russland gewaltsam zu Tode gekommen seien. "Insofern ist da ein Muster zu erkennen." Rückschlüsse auf das Schicksal Prigoschins könnten aber noch nicht gezogen werden.

US-Präsident Joe Biden hatte noch in der Nacht nach dem Absturz erklärt: "Ich weiß nicht genau, was passiert ist. Aber ich bin nicht überrascht (...) Es gibt nicht viel, was in Russland passiert, hinter dem nicht Putin steckt, aber ich weiß nicht genug, um die Antwort zu kennen." Mychajlo Podoljak, Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, sagte mit Verweis auf den Aufstand der Söldner-Gruppe gegen den Kreml: "Prigoschin hat in dem Moment, als er 200 Kilometer vor Moskau stehen blieb, sein eigenes Todesurteil unterschrieben." Selenskyj selbst hat betont, dass ukrainische Kräfte nichts mit dem Flugzeugabsturz zu tun gehabt hätten. (Reuters)


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