Wirtschaft

IAA: E-Autos sollen endlich billiger werden

VW will 2025 E-Autos für unter 25.000 Euro anbieten. Aber auch viele andere Modelle, die auf der IAA präsentieren, werden erschwinglicher. Ganz vorn dabei ist China.
04.09.2023 14:01
Aktualisiert: 04.09.2023 14:01
Lesezeit: 5 min
IAA: E-Autos sollen endlich billiger werden
Thomas Schmall, Vorstandsmitglied der Volkswagen Group, und CEO Oliver Blume am Montag auf der Auto- und Verkehrsmesse IAA in München. (Foto: dpa) Foto: Martin Schutt

Unter wachsendem Druck der Konkurrenz aus China arbeiten die Autobauer in Europa fieberhaft an günstigeren Elektroautos für die breite Masse der Käufer. Der Volkswagen-Konzern sprach auf der Automesse IAA in München am Montag von einer "Demokratisierung" der Elektromobilität. In zwei Jahren sollen Modelle von VW, Skoda und Cupra für weniger als 25.000 Euro auf den Markt kommen.

"Wir haben riesige Chancen", sagte VW-Chef Oliver Blume, wir werden auf der Kostenseite hart arbeiten müssen." Renault-Chef Luca de Meo sagte der Nachrichtenagentur Reuters, E-Autos müssten erschwinglicher werden und die Kostenlücke zu günstiger produzierenden Autobauern wie denen aus China geschlossen werden.

Die wachsende Teilnahme von Ausstellern aus China auf der führenden Automesse Europas ist nach Einschätzung von Experten ein weiterer Weckruf für die traditionellen Autobauer, beim Abschied vom Verbrennungsmotor Gas zu geben. Schon die große Zahl neuer chinesischer E-Automarken auf der Messe in Shanghai im Frühjahr war für westliche Automanager ein Schock. In München kommen nun 40 Prozent der Aussteller aus Asien, dabei aus China doppelt so viele wie bei der letzten IAA Mobility.

Führende chinesische Autobauer wie BYD oder Xpeng zeigen ihre Modelle auf der von Dienstag bis Sonntag für das Publikum geöffneten Messe. Xpeng kündigte an, 2024 in Deutschland anzutreten. Und noch ein harter Konkurrent der Deutschen mischt als Messeteilnehmer das Revier der Deutschen auf: Tesla zeigt die Neuauflage seines Bestsellers Model 3. Die deutsche Autoindustrie sei lange sehr stark gewesen, treffe mittlerweile aber auf fortschrittliche Konkurrenten weltweit, sagte Fabian Brandt von der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

Premium-Einstiegsmodell in der Pipeline

Mit einem Anteil von 15 Prozent am Absatz sei der Markt für E-Autos in Europa noch einer für wenige Käufer. "Jetzt ist es Zeit für Phase zwei: die Masseneinführung von E-Autos bei der breiten Kundschaft", sagte Fabrice Cambolive, Chef der Marke Renault. Die nächste Generation E-Autos der Franzosen soll mit dem R5 Insidern zufolge im Sommer 2024 kommen, zu 25 bis 30 Prozent niedrigeren Produktionskosten als der Vorgänger. Der Umstieg auf Elektrofahrzeuge in Deutschland hat sich zuletzt verlangsamt, da es bisher kaum batterieelektrische Autos gibt, die sich breite Käuferschichten leisten können.

Die Autobauer wollen günstigere Angebote über sinkende Batteriekosten und hohe Stückzahlen auf Basis einheitlicher technischer Plattformen ermöglichen. Ein Hebel dazu sei die Einheits-Batteriezelle der VW-Tochter PowerCo und Innovationen wie eine kostengünstige Zellchemie ohne Kobalt und Nickel, erklärte VW. "Damit wird E-Mobilität für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich und noch nachhaltiger."

Auch die deutschen Premiumhersteller BMW und Mercedes-Benz gaben bei der Autoschau einen Vorgeschmack auf E-Autos für ihre Einstiegssegmente. Mit der "Neuen Klasse" stellen die Münchner erstmals eine eigene Plattform für Elektroautos vor. Die Fahrzeuge kommen ab 2025 im Segment des Bestsellers Dreier und greifen damit Marktführer Tesla an. Dabei will BMW genauso profitabel sein wie derzeit mit einem Gros an Verbrennermodellen, wie BMW-Chef Oliver Zipse am Wochenende betonte.

Mercedes stellt auf der Messe ein Konzept des neuen CLA vor, der für Anfang 2025 geplant ist. Das Fahrzeug wird das erste von künftig vier Kompaktmodellen auf der neuen elektrischen Antriebsplattform von Mercedes-Benz MMA. Mit Blick auf die zunehmende Konkurrenz aus China sagte Mercedes-Chef Ola Källenius, es sei wichtig, führend zu bleiben. "Wenn eine Industrie sich so fundamental in einer Transformation befindet, glaube ich, ist es nicht ungewöhnlich, dass auch neue Player reinkommen", erklärte er am Sonntag. Bislang handle es sich vor allem um Fahrzeuge im Einstiegssegment. Es wäre naiv zu glauben, dass sie nicht auch versuchten, im Premiumsegment anzugreifen.

Protest von Klima-Aktivisten

Wie schon bei der IAA Mobility vor zwei Jahren werden in München wieder Proteste und Blockaden von Klimaaktivisten erwartet, die sich in einem Protestcamp versammelt haben. Greenpeace-Aktivisten versenkten Autos in einer Wasserfläche vor dem Messegelände. Die Organisation kritisierte, die deutsche Autoindustrie gehe besonders verschwenderisch mit Energie und Rohstoffen um und beschleunige damit die Klimakrise. Die Umweltorganisation fordert eine Abkehr vom Auto, die durch einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs möglich sein soll. Nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist die IAA trotz der Elektroautos "das größte Greenwashing-Event der Automobilbranche". Die DUH forderte einen radikalen Kurswechsel in der Verkehrspolitik für mehr Klimaschutz mit einem Tempolimit von 100 Stundenkilometern auf der Autobahn und einem Abbau klimaschädlicher Subventionen.

Audi-Vertriebschefin setzt auf E-Auto-Erfolg 2024

Audi kommt nach Einschätzung von Vertriebschefin Hildegard Wortmann beim Hochlauf der Elektromobilität erst im kommenden Jahr richtig in Schwung. Es sei zwar noch zu früh, um Details für das laufende Jahr zu nennen, sagte sie am Montag der Nachrichtenagentur Reuters auf der Automesse IAA in München. "Wir werden stärker rauskommen als vergangenes Jahr. Aber es wird jetzt noch nicht der große Sprung sein. Dafür brauchen wir noch etwas Zeit." Die Volkswagen-Tocher hat derzeit mit dem Q4 Etron, dem Q8 Etron und dem Sportwagen Etron GT weniger Elektrofahrzeuge auf dem Markt als die Konkurrenten Mercedes-Benz oder BMW. Der Absatz legte zwar zuletzt um gut die Hälfte zu - die anderen Premium-Hersteller steigerten ihre Elektroauto-Verkäufe allerdings deutlich stärker.

Ab dem kommenden Jahr soll sich das bei Audi ändern: Binnen zwei Jahren wollen die Ingolstädter rund 20 neue Modelle vorstellen, davon die Hälfte Elektroautos. Den Auftakt dazu macht die elektrische Version des Q6, den Audi auf der Messe vorstellt und dabei die Innenausstattung in den Vordergrund rückte. Das SUV verfügt unter anderem über einen zweiten Bildschirm für den Beifahrer und ein Head-Up-Display. Ob das Auto über autonome Fahrfunktionen verfügt wie die S-Klasse von Mercedes-Benz und bald auch Modelle von BMW, ließ Audi offen.

Wortmann zeigte sich zuversichtlich, dass mit den neuen Autos auch der Elektroanteil steigt. Zusätzlich sei aber eine bessere Förderung nötig. "Die Kunden brauchen Stabilität", sagte sie. "Das Hin und Her, das derzeit zu sehen ist, ist für niemanden hilfreich." In Deutschland wird die Förderung von Elektroautos ab Januar deutlich gekürzt, für gewerbliche Flotten wurde sie bereits im September gestrichen.

Zuletzt hatte Audi insbesondere in China zu kämpfen. Eine Kooperation mit SAIC soll das Geschäft dort in Schwung bringen. Wortmann sagte, in der ersten Jahreshälfte habe Audi ein Wachstum von ungefähr zwei Prozent geschafft, was der allgemeinen Marktentwicklung entspreche. Es sei noch zu früh, um zu sagen, wie es im Gesamtjahr aussehe, "aber ich bin mir sicher, dass wir uns da behaupten können."

Mercedes wird auch 2030 noch Verbrenner in Europa anbieten

Der Autobauer Mercedes-Benz rechnet in Europa auch 2030 noch mit Nachfrage nach Verbrennerautos und bewahrt sich nach Worten von Konzernchef Ola Källenius deshalb "taktische Flexibilität". Die Marke mit dem Stern bleibe bei dem Ziel, bis Ende des Jahrzehnts über das gesamte Portfolio hinweg E-Autos anzubieten und zu verkaufen, wenn es die Marktlage erlaube. "Wir werden das Angebot haben, und der Kunde entscheidet - aber wir werden auch taktische Flexibilität haben", sagte Källenius der Nachrichtenagentur Reuters im Interview am Montag bei der Automesse IAA.

Es sei offensichtlich, dass der europäische Automarkt bis 2030 noch nicht zu 100 Prozent auf E-Autos umsteigen werde. Mercedes wolle deshalb seine Verbrennungsmotoren auf dem neuesten Stand der Emissionsregeln halten und sie in die Zukunft mitnehmen. So ist die 2025 startende Plattform MMA (Mercedes-Benz Modular Architecture), auf der als erstes das Modell CLA gebaut wird, sowohl auf reine Elektroautos als auch auf Verbrenner-Hybrid-Modelle ausgelegt.

In China, wo ein Preiskrieg bei Elektroautos tobt, sieht Källenius den Stuttgarter Autobauer weniger unter Druck als Volumenhersteller. Denn im Premiumsegment mit den teureren Neuwagen gebe es keine staatliche Förderung. "Der Markt muss Schritt für Schritt umgestellt werden, was ich als Prozess von vielen Jahren sehe." Erfolgversprechend ist nach Einschätzung des Automanagers der Markt Indien, über den er "bullish" sei. "Ich will jetzt nicht zu über-optimistisch sein, aber ich sehe ein Volumen, das deutlich über unser heutiges hinausgehen kann." (Reuters)

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