Politik

Meloni informiert China über Ausstieg aus Neuer Seidenstraße

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat gegenüber China signalisiert, dass Italien aus der Neuen Seidenstraße aussteigen will. Haben die USA Druck ausgeübt?
10.09.2023 13:35
Aktualisiert: 10.09.2023 13:35
Lesezeit: 1 min
Meloni informiert China über Ausstieg aus Neuer Seidenstraße
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und US-Präsident Joe Biden am Samstag beim G20-Gipfel. (Foto: dpa) Foto: Evelyn Hockstein

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat Medienberichten zufolge ihrem chinesischen Amtskollegen Li Qiang den Rückzug aus Chinas Seidenstraßen-Projekt angekündigt. Dies habe sie ihm an Rande des G20-Gipfels in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi klargemacht, berichtete die Tageszeitung "Corriere della Sera" am Sonntag. Als Ersatz dafür solle ein strategisches Partnerschaftsabkommen mit China wiederbelebt werden, das auf die Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit abziele und 2004 unterzeichnet wurde. Diese Entscheidung sei nicht von den USA diktiert worden, hieß es in dem Bericht weiter. Auch andere italienische Zeitungen berichteten ähnlich darüber.

Italien ist die einzige Nation aus der westlichen Industriestaatengruppe G7, die sich dem umstrittenen Seidenstraßen-Projekt Chinas angeschlossen hatte. Die Volksrepublik baut seit Jahren mit mehreren hundert Milliarden Dollar entlang der legendären Seidenstraße eine neue Route, die zahlreiche Länder erreichen soll, darunter auch die Staaten Osteuropas. Die EU kritisiert, China mache mit diesem Handelsprojekt ärmere Länder von sich abhängig.

Italiens Beteiligung an dem Abkommen wurde 2019 von der damaligen Regierung in Rom vereinbart. Viele Politiker in Italien fürchten inzwischen, dass ein wachsender chinesischer Einfluss zu neuen Reibereien mit westlichen Verbündeten führen könnte. Italien hat im nächsten Jahr den G7-Vorsitz inne.

In Konkurrenz zum chinesischen Seidenstraßen-Projekt wollen mehrere Staaten den Ausbau von Bahnstrecken und Häfen im Nahen Osten und Südasien beschließen - unter Beteiligung der USA und der EU. "Die Verknüpfung dieser Schlüsselregionen ist unserer Meinung nach eine große Chance", sagte der stellvertretende nationale Sicherheitsberater der US-Regierung, Jon Finer, am Rande des G20-Gipfels in Neu-Delhi. Eine entsprechende Absichtserklärung soll von der Europäischen Union, Indien, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, den USA und anderen G20-Partnern unterzeichnet werden. Details zur Höhe der geplanten Investitionen wurden zunächst nicht genannt. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Der wachsende Trend zu digitalen Zusatzeinkommen im deutschen Mittelstand

Wirtschaftliche Unsicherheit und steigende Lebenshaltungskosten verändern das Verhältnis vieler Beschäftigter und Selbstständiger zu...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rohstoffe für Russland? Irlands Regierung weicht Verstaatlichung aus
08.07.2026

Das irische Alumina-Werk Aughinish steht wegen russischer Eigentümerstrukturen und Exporten nach Russland unter Druck. Trotz Sorgen über...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvente Unternehmen: Immer mehr Firmen vorm endgültigen Aus
08.07.2026

Steigende Energiepreise, hohe Arbeitskosten, drohende Lieferkettenstörungen: Die Rettung zahlungsunfähiger Firmen in Deutschland wird...

DWN
Politik
Politik Energiewende: EnBW-Chef fordert Korrektur bei Windkraft-Ausbauzielen
08.07.2026

Die EnBW hat den Ausbau der Offshore-Windkraft als wichtigen Eckpfeiler der Energiewende in Europa vorangetrieben. Jetzt fordert der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Vom öffentlichen in den privaten Sektor: Habeck wird Berater bei Investmentgesellschaft
08.07.2026

Ex-Vizekanzler Habeck wechselt in die Privatwirtschaft: Ab August nimmt der frühere Wirtschaftsminister einen lukrativen Beraterjob bei...

DWN
Finanzen
Finanzen Besitzen Sie amerikanische Technologieaktien? Dann sollten Sie über einen Verkauf nachdenken
08.07.2026

US-Tech-Aktien haben die Märkte lange nach oben gezogen, doch die Warnungen vor überzogenen Bewertungen werden lauter. Während Jeremy...

DWN
Politik
Politik "Chatkontrolle" durch die Hintertür? Plötzliches Eilverfahren im EU-Parlament
08.07.2026

Die Bürger der EU lehnen die Chatkontrolle ab, auch das EU-Parlament. Plötzlich bringt EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola kurz vor...

DWN
Finanzen
Finanzen Übernahmepoker: Unicredit nähert sich Mehrheit bei Commerzbank
08.07.2026

Die Unicredit hat mit Ablauf ihres Übernahmeangebots ihren Anteil an der Commerzbank weiter aufgestockt. Eine Mehrheit an den Dax-Konzern...

DWN
Finanzen
Finanzen ETF und Aktien handeln mithilfe künstlicher Intelligenz? Wo Chancen und Risiken liegen
08.07.2026

Tatsächlich nutzen heute viele Privatpersonen KI-Chatbots auch als Hilfe beim Investieren. Deshalb haben wir untersucht, worin der wahre...