Unternehmen

VW baut Stellen ab: Schwache Nachfrage nach E-Autos

VW baut in Zwickau Hunderte Stellen ab. Hintergrund ist die anhaltend schwache Nachfrage nach E-Autos. Eine Kurskorrektur plant das Unternehmen aber nicht.
14.09.2023 14:45
Aktualisiert: 14.09.2023 14:45
Lesezeit: 3 min
VW baut Stellen ab: Schwache Nachfrage nach E-Autos
VW baut in Zwickau Stellen ab, weil E-Autos weniger gefragt sind als erwartet. (Foto: dpa) Foto: Hendrik Schmidt

Volkswagen lässt einige befristete Verträge in Zwickau auslaufen. Ein Sprecher sagte am Donnerstag nach einer Betriebsversammlung, das Unternehmen habe 540 Mitarbeitern mit befristeten Verträgen die Zusage gegeben, sie fest zu übernehmen. "Angesichts der aktuellen Marktsituation können wir jedoch 269 befristete Verträge, die nach zwölfmonatiger Laufzeit in Kürze auslaufen, nicht verlängern." Auch der Schichtbetrieb müsse wohl angepasst werden. Details würden in den nächsten Tagen mit dem Betriebsrat abgestimmt. Volkswagen sei jedoch vom Weg in die Elektromobilität weiterhin zu 100 Prozent überzeugt, betonte der Sprecher. Der Standort Zwickau spiele dabei eine zentrale Rolle.

In den vergangenen Jahren hatte VW in Zwickau 1,2 Milliarden Euro investiert und 3000 neue Mitarbeiter eingestellt, die meisten davon befristet. Derzeit arbeiten etwa 10.700 Menschen in dem Werk, in dem sechs elektrische Modelle der Marken Volkswagen, Audi und Cupra vom Band laufen. Allerdings bekommt der Konzern derzeit eine schwächere Nachfrage in Europa angesichts wegfallender Subventionen und steigender Preise zu spüren. Zudem steigt die Konkurrenz durch Tesla und eine wachsende Zahl chinesischer Anbieter.

Angesichts hoher Inflation und zurückgehender Kaufprämien halten sich Kunden bei Elektroautos zurück. In Zwickau werden ausschließlich E-Autos gebaut für Volkswagen, Audi und Cupra. Befürchtet wird, dass weitere befristet Beschäftigte - derzeit sind es den Angaben zufolge etwa 2200 - ein ähnliches Schicksal trifft und ihr Vertrag nicht verlängert wird. In dem Werk arbeiten insgesamt etwa 10 700 Menschen.

"Volkswagen ist vom Weg in die Elektromobilität weiterhin zu 100 Prozent überzeugt", betonte ein Sprecher. Eine Kurskorrektur sei nicht geplant. Auf der Betriebsversammlung sei klargestellt worden, dass das Zwickauer Werk nicht zur Disposition stehe und dort weiter investiert werde. Es war bisher Vorreiter der Elektromobilität im Unternehmen. Neben den Modellen ID.3, ID.4 und ID.5 werden dort auch der Q4 e-tron und der Q4 Sportback e-tron von Audi sowie der Cupra Born produziert. Der letzte Verbrenner war 2020 vom Band gelaufen.

Trotz schleppender Auslastung des Werks soll die Produktion des Audi Q4 e-tron und des ID.3 auf andere Standorte ausgeweitet werden. "Wir werden den Q4 e-tron ab Ende 2023 auch in Brüssel produzieren - zusätzlich zur Fertigung in Zwickau", sagte eine Audi-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Der ID.3 soll ab Herbst auch in Wolfsburg - zunächst nur in kleinen Stückzahlen - vom Band laufen. Die Teile für die Endmontage werden zunächst aus Sachsen geliefert, im kommenden Jahr ist dann die Vollproduktion in Wolfsburg geplant.

Ursprünglich waren alle sechs Modelle von VW, Audi und Cupra, die in Zwickau gebaut werden, ausschließlich dort produziert worden. Auch den US-Markt hatte VW zunächst von Sachsen aus bedient und den ID.4 per Schiff nach Amerika gebracht. Das hatte die damals ohnehin langen Lieferzeiten für die E-Autos noch vergrößert. Inzwischen baut VW die Fahrzeuge für den US-Markt in Chattanooga (Tennessee), wo im Oktober 2022 die Produktion des Modells angelaufen ist. Der Export aus Zwickau wurde daraufhin eingestellt.

Bereits im Mai 2022 war der ID.4 auch in Emden angelaufen. Und das zweite E-Modell von Cupra, das ID.5-Schwestermodell Tavascan, hatte der Konzern Ende 2022 nach China vergeben. Er soll noch in diesem Jahr im Werk in Anhui anlaufen. Die Standortentscheidung hatte VW damit begründet, dass die Kapazität in Zwickau für das weitere Modell nicht ausgereicht hätte.

Trotz aktueller Schwierigkeiten sieht das Automotive Cluster Ostdeutschland keine Abkehr von der Elektromobilität. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass dieser Wandel ein steiniger Weg werde, sagte Verbandsgeschäftsführer Jens Katzek der Deutschen Presse-Agentur. "Die Elektromobilität hat eine klare Priorität für die Zukunft. Daran ändert sich nichts." Doch müsse dieser Weg von Politik und Unternehmen gemeinsam gegangen werden.

Katzek beklagte eine Verunsicherung der Verbraucher durch politische Entscheidungen. Als Beispiel nannte er bürokratische Hürden bei der Förderung von Elektro-Autos. So könnten Anträge hierfür erst mit der Zulassung des neuen Wagens gestellt werden und es gebe keinen Rechtsanspruch auf den Zuschuss. Dadurch müssten Autokäufer zunächst in Vorleistung gehen - ohne genau zu wissen, ob sie die Förderung auch erhalten. Ein zentrales Element sei zudem der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Hier fehle es an Dynamik, monierte Katzek. (Reuters/dpa-AFX)

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