Politik

Eklat um SS-Veteran beim Selenskyj-Besuch in Kanada

Das kanadische Parlament hat beim Selenskyj-Besuch einen ukrainischen "Kriegsveteranen" mit Jubel und stehendem Applaus gewürdigt. Nach Protesten entschuldigt sich der Parlamentspräsident.
25.09.2023 11:16
Aktualisiert: 25.09.2023 11:16
Lesezeit: 2 min

UPDATE: Polen könnte Auslieferung von SS-Veteran aus Kanada beantragen

Nach heftigen Protesten hat sich Kanadas Parlamentspräsident Anthony Rota für die Ehrung eines ukrainischen SS-Veteranen während des Besuchs von Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitag in Ottawa entschuldigt. «Ich möchte ganz besonders mein tiefstes Bedauern gegenüber den jüdischen Gemeinschaften in Kanada und rund um die Welt ausdrücken», sagte Rota laut kanadischen Medienberichten vom Wochenende. Er übernehme die volle Verantwortung für sein Handeln.

Als Staatsoberhaupt der Ukraine hatte Selenskyj am Freitag Kanada besucht und vor dem Parlament in Ottawa gesprochen. Wenig später äußerte sich die Organisation Friends of Simon Wiesenthal Center (FSWC) empört, dass Rota dabei den 98-jährigen ukrainischen Immigranten Jaroslaw Hunka als einen «ukrainisch-kanadischen Kriegsveteranen» gewürdigt habe, der für die Unabhängigkeit der Ukraine gegen Russland kämpfte. Rota habe verschwiegen, dass Hunka während des Zweiten Weltkrieges in einer Einheit der Waffen-SS diente. Hunka war in der Kammer anwesend und erhielt tosenden Applaus. Laut Radio Canada lebt er in Rotas Wahlkreis.

Nach Angaben des FSCW diente Hunka in der 14. Waffen-Grenadier-Division der SS, auch bekannt als Waffen-SS-Division Galizien. Die SS, die nach Kriegsende bei den Nürnberger Prozessen als verbrecherische Organisation eingestuft wurde, hatte in vielen besetzten Ländern nationale Verbände, die an Kriegsverbrechen beteiligt waren. Der kanadische Sender CBC News berichtete am Sonntagabend (Ortszeit), dass er vergeblich versucht habe, Hunka zu erreichen.

Die russische Propaganda versucht immer wieder, den Kriegsgegner Ukraine als «neonazistisch» darzustellen. Dazu verweist sie auch auf den ukrainischen Nationalistenführer Stepan Bandera (1909-1959), der zeitweilig mit den Deutschen kollaborierte, in der Sowjetunion in Abwesenheit zum Tode verurteilt und von einem KGB-Agenten in München ermordet wurde.

Das FSWC ist nach eigenen Angaben eine der führenden kanadischen Menschenrechtsorganisationen. Es ist nach dem österreichischen Holocaust-Überlebenden und Nazi-Jäger Simon Wiesenthal (1908-2005) benannt. Galizien ist eine historische Landschaft in der Westukraine und Südpolen, nicht zu verwechseln mit Galicien im Nordwesten Spaniens. (dpa)

UPDATE: Polen könnte Auslieferung von SS-Veteran aus Kanada beantragen

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Wirtschaftsbetrug: Wann sollten bei der Betrachtung von Bilanzen die Alarmglocken läuten?
25.06.2026

Schöne Zahlen in der Bilanz können trügerisch sein. Wer Wirtschaftsbetrug früh erkennen will, muss Zahlungsströme, interne Kontrollen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Milliardengrab wird zur unendlichen Geschichte: Stuttgart 21 wird Stuttgart 31
25.06.2026

Der Berliner Flughafen BER, die Elbphilharmonie und Stuttgart 21 stehen symbolisch für das Versagen deutscher Großprojekte. Stuttgart 21...

DWN
Finanzen
Finanzen Micron-Aktie hebt ab: Traumzahlen und Hammer-Ausblick
25.06.2026

KI boomt: Mit einem kräftigen Kurssprung hat die Micron-Aktie auf die jüngste Quartalsbilanz reagiert. Nicht nur Anleger zeigten sich...

DWN
Panorama
Panorama Hitzewelle befeuert Nachfrage – nicht nur nach Ventilatoren
25.06.2026

Die Temperaturen steigen immer weiter. Die Menschen suchen nach Wegen, um die Hitze erträglicher zu machen. Einige Produkte sind besonders...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW verkauft Mehrheit an Motorenbauer Everllence an Investor
25.06.2026

Mit dem Verkauf setzt Volkswagen die Fokussierung auf das Kerngeschäft fort. Die fünf deutschen Standorte von Everllence, früher MAN...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreis aktuell: Märkte preisen Frieden ein, Risiken bleiben hoch
25.06.2026

Der Krieg scheint vorbei, die Märkte atmen auf und der Ölpreis fällt trotzdem kaum. Genau darin liegt die eigentliche Warnung für...

DWN
Politik
Politik Gipfeltreffen E5: Europäer sichern Ukraine anhaltende Unterstützung zu
25.06.2026

Die Europäer wollten in Ankara ein starkes Zeichen der Unterstützung für die Ukraine setzen, sagte Kanzler Merz. Die Bundesregierung...

DWN
Politik
Politik Kniefall vor der Industrie? Regierung lockert Effizienzregeln für Rechenzentren
25.06.2026

Rechenzentren sollen mehr Zeit für Effizienzvorgaben und Umstieg auf erneuerbare Energien bekommen. Die Regierung verspricht Entlastung,...