Politik

Ab Januar wieder volle Mehrwertsteuer auf Gas und Fernwärme

Ab Januar müssen die deutschen Haushalte wieder die volle Mehrwertsteuer auf Gas und Fernwärme zahlen. Laut Bundesregierung sind die Preise genügend gesunken. Doch das Vorgehen birgt Risiken.
11.10.2023 16:48
Aktualisiert: 11.10.2023 16:48
Lesezeit: 1 min

Gas und Fernwärme werden ab Januar nicht mehr steuerlich vergünstigt. Dann werde darauf wieder der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent erhoben, beschloss das Bundeskabinett am Mittwoch in Berlin. "Mittlerweile sind die Gaspreise wieder deutlich gesunken", begründete Regierungssprecherin Christiane Hoffmann den Schritt. "Eine Situation wie im letzten Jahr ist derzeit nicht zu erwarten."

Wegen des Ukraine-Kriegs und dem Versiegen russischer Lieferungen waren die Preise rasant gestiegen. Die Regierung steuerte mit steuerlichen Vergünstigungen sowie Preisbremsen gegen, die zunächst auch diesen Winter komplett gelten sollten.

Die Energiepreisbremsen für Gas, Fernwärme und Strom sollen bis Ende April 2024 weiterlaufen. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte in Berlin, die Energiepreisbremsen würden verlängert, auch wenn dies eigentlich bei den aktuellen Preisen nicht nötig wäre. Dies könnte sich aber im Winter noch ändern. "Insofern finde ich das richtig." Die EU-Kommission müsse dafür allerdings noch grünes Licht geben.

Der Bundesverband der Deutschen Energiewirtschaft (BDEW) zeigte sich unzufrieden, besonders mit der höheren Mehrwertsteuer: "Es besteht damit jetzt die Gefahr, dass die Gaspreise für viele Haushalte steigen. Das wäre ein Unding, zumal weitere Preisrisiken aufgrund der geopolitischen Lage entstanden sind", sagte Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae.

Die Energiepreisbremsen haben den Staat bislang rund 32 Milliarden Euro gekostet. Das verlautete am Mittwoch aus dem FDP-geführten Bundesfinanzministerium. Zur Verfügung stehen aber über 91 Milliarden Euro.

Das Kabinett billigte eine Formulierungshilfe für die Ampel-Fraktionen im Bundestag, mit der das Wachstumschancengesetz - ein Steuerpaket zur Entlastung kleiner und mittelständischer Firmen - im laufenden parlamentarischen Verfahren ergänzt werden soll. Mit der früheren Wiederanwendung der vollen Mehrwertsteuer auf Gas und Fernwärme bekommt der Staat mehr finanziellen Handlungsspielraum. Die Steuermindereinnahmen im ersten Quartal 2024 seien ursprünglich auf knapp 2,5 Milliarden Euro beziffert worden, heißt es in der Formulierungshilfe. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Echt oder Kopie? Billige Labordiamanten erobern den Markt
22.08.2026

Labordiamanten kosten nur einen Bruchteil natürlicher Steine und erobern den wichtigsten Diamantenmarkt der Welt. Für Juweliere,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Bahn: Vandalismusschäden in Höhe von 34 Millionen Euro
22.08.2026

Graffitis an Bahnhofswänden, Kabeldiebstahl, zerkratzte Scheiben in Zügen - die Deutsche Bahn ist ständig mit Vandalismus konfrontiert....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Eishersteller Florida Eis investiert 25 Millionen Euro – in Sachsen-Anhalt
22.08.2026

Jahre nach der ersten Kontaktaufnahme mit Politikern aus Sachsen-Anhalt, legt der Berliner Eishersteller Florida Eis den Grundstein für...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldanlage mit KI: Ist mit diesen KI-Tools die schnelle Algorithmen-Rendite möglich?
22.08.2026

KI analysiert Finanzdaten schneller als jeder Analyst. Doch bringen lernende Algorithmen und die Geldanlage mit KI am Ende wirklich mehr...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mini Countryman im Test: Viel Platz, viel Leistung, hoher Preis
22.08.2026

Der Mini Countryman JCW ALL4 verbindet viel Platz mit sportlicher Leistung und auffälligem Auftritt. Der mittelgroße SUV überzeugt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Forscher warnen: Rekordwärme in Europas Meeren geht auf Klimawandel zurück
22.08.2026

Fast überall an Europas Küsten ist das Meerwasser extrem warm. Ohne den Klimawandel wären solche Temperaturen praktisch unmöglich,...

DWN
Panorama
Panorama Deutsche schlafen zu wenig: Vier von zehn Menschen betroffen
22.08.2026

Weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht? Experten zufolge ist das zu kurz. In Deutschland trifft das aber auf viele Menschen zu. Vor...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: SPD kämpft ums Überleben – und rüttelt an der Wahlhürde
22.08.2026

Drei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dümpelt die SPD bei mageren 5 bis 7 Prozent und kämpft um ihr politisches Überleben....