Unternehmen

Mittelstand droht Kreditklemme

Der Mittelstand in Deutschland schlägt Alarm: Für Unternehmen wird es immer schwerer, an Kredite zu kommen. Das zeigt eine Umfrage der Förderbank KfW und des ifo-Instituts. Dem deutschen Mittelstand droht damit eine ernste Kreditklemme
Autor
16.10.2023 19:02
Aktualisiert: 16.10.2023 19:02
Lesezeit: 2 min

Bei einer aktuellen Umfrage für das dritte Quartal dieses Jahres haben die befragten Unternehmen angegeben, dass die Hürden auf dem Weg zu einer Bankfinanzierung wieder höher geworden seien. 31,7 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland stufen das Kreditverhalten ihrer Banken als restriktiv ein. Das ist ein besorgniserregender Zuwachs um 6,1 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Quartal. Damit haben noch nie so viele Unternehmer das Verhalten der Banken als restriktiv eingestuft, seitdem das ifo-Institut diese Daten für die Förderbank KfW erhebt, also seit 2017.

Wachsende Probleme

Die wachsenden Schwierigkeiten, an frisches Geld zu kommen, trafen dabei mittelständische Betriebe quer über alle Branchen. Besonders zurückhaltend zeigten sich laut der Umfrage die Banken bei Kreditanfragen aus dem Dienstleistungssektor. In diesem Bereich stuften 32,9 Prozent der befragten Unternehmer das Verhalten der Banken als besonders restriktiv ein – dies ist ein Zuwachs um 6,4 Prozentpunkte. Kurz danach kommt das verarbeitende Gewerbe. In diesem Zweig klagen 32,4 Prozent der Unternehmen über eine besondere Zurückhaltung – eine sehr deutliche Zunahme um 7,4 Prozentpunkte.

Deutlich leichter fällt es der Umfrage zufolge, Großunternehmen an frisches Kapital zu kommen. 21,3 Prozent der befragten Großunternehmen gaben in der Umfrage von KfW und Ifo-Institut an, dass sie das Verhalten der Banken bei Kreditverhandlungen als restriktiv empfinden. Dies ist ein Zuwachs um 3,4 Prozentpunkte.

Die Chefvolkswirtin der staatlichen Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) Fritzi Köhler-Geib konstatiert, dass mit der zunehmend restriktiven Haltung der Banken, die Schwierigkeiten für die Unternehmen in Deutschland zunähmen. Einen Grund sieht sie zum einen in dem anhaltenden Zinsanstieg. Im Durchschnitt seien für Unternehmenskredite zuletzt mehr als fünf Prozent fällig gewesen. Das sei nochmal ein deutlicher Aufschlag gegenüber den 4,7 Prozent vom zweiten Quartal. Zum anderen halte sie eine weitere Straffung der Kreditvergabepolitik aufgrund der schlechteren wirtschaftlichen Stimmung und einer damit einhergehenden Neubewertung der Risiken durch die Banken für plausibel.

Zögerliche Banken

Die offenbar zunehmend zögerliche Haltung der Banken bei der Vergabe von Krediten trifft aber zeitgleich auch auf eine zurückgehende Nachfrage auf der Seite der Unternehmen, wenn auch der Rückgang sowohl bei kleinen und mittelständischen Unternehmen als auch bei Großunternehmen gegenüber dem Vorquartal mit jeweils 1,4 Prozentpunkten gering ausfällt.

Die neuesten Umfrageergebnisse kommen für Marktbeobachter überraschend, denn noch im Juli hatte nach einer ähnlichen Umfrage die Deutsche Bundesbank signalisiert, dass ein Ende der Kreditklemme bevorstehe. Die tatsächliche Entwicklung aber stehe dieser Erwartung „diametral entgegen“, konstatiert die KfW die jüngsten Zahlen. Als Gründe für die Zurückhaltung der Banken macht die KfW neben den gestiegenen Zinsen auch eine allgemeine Eintrübung der konjunkturellen Lage dafür verantwortlich, dies drücke sich nicht zuletzt auch in den zuletzt gesenkten Konjunkturprognosen aus. Tatsächlich hatte noch im Frühjahr die Erwartung bei fast allen relevanten Marktbeobachtern vorgeherrscht, dass die konjunkturelle Talsohle erreicht sei und im weiteren Verlauf des Jahres mit einer, wenn auch zaghaften Erholung der Konjunktur in Deutschland zu rechnen sei.

Die Bedeutung der Umfrage

Für die Umfrage „KfW-ifo-Kredithürde“ werden die Ergebnisse der Befragungen differenziert nach Größen­klassen und Sektoren ausgewertet. Dazu werden monatlich rund 9.000 Unternehmen aus den Wirtschafts­bereichen Verarbeitendes Gewerbe, Bauhauptgewerbe, Großhandel, Einzelhandel sowie Dienstleistungen (ohne Kreditgewerbe, Versicherungen und Staat) befragt, darunter rund 7.500 Mittelständler. Dabei zählen grundsätzlich diejenigen Unternehmen zu den Mittelständlern, die nicht mehr als 500 Beschäftigte haben und maximal Jahresumsatz von 50 Millionen Euro erzielen. Zur Erhöhung der analytischen Trennschärfe müssen diese quantitativen Abgrenzungen allerdings beim Einzelhandel (nämlich bis maximal 12,5 Millionen Euro), beim Bauhaupt­gewerbe (bis zu 200 Beschäftigte) und bei den Dienstleistungen (maximal 25 Millionen Euro Jahresumsatz) enger gezogen werden. Alle Unternehmen, die mindestens einen dieser Grenzwerte überschreiten, werden als Großunternehmen klassifiziert.

Die Umfrage „KfW-ifo-Kredithürde“ gilt als ein wichtiger konjunktureller Frühindikator, da die Kapitalversorgung der Unternehmen frühzeitig Hinweise auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen gibt.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie BradyPrinter i7500: Revolution im Hochpräzisionsdruck

Sie haben genug vom altmodischen Druck großer Etikettenmengen? Keine Kalibrierung, keine Formatierung, kein umständliches Hantieren mit...

 

X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Politik
Politik „Machen Sie sich auf die Auswirkungen gefasst“: EU kündigt weitere Gegenmaßnahmen zu US-Zöllen an
03.04.2025

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat die Bürger der EU auf die bevorstehenden wirtschaftlichen Folgen...

DWN
Politik
Politik US-Finanzminister warnt vor Vergeltungszöllen: Eskalation könnte die Lage verschärfen
03.04.2025

US-Finanzminister Scott Bessent hat betroffene Länder vor einer schnellen Reaktion auf die jüngste Ankündigung von Präsident Donald...

DWN
Politik
Politik AfD-Kandidat erstmals ins Verfassungsgericht gewählt: Zweidrittelmehrheit im Thüringer Landtag
03.04.2025

Die AfD hat einen Kandidaten für den Thüringer Verfassungsgerichtshof durchgesetzt: Rechtsanwalt Bernd Falk Wittig wurde mit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbercheck: Dürfen Arbeitgeber frühere Chefs kontaktieren?
03.04.2025

Referenzen von ehemaligen Arbeitgebern können wertvolle Einblicke bieten – aber ist es rechtlich erlaubt, ohne Zustimmung des Bewerbers...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sichere KI statt Datenleck: Das müssen Firmen beim Chatbot-Einsatz beachten
03.04.2025

KI-Chatbots sind im Mittelstand längst Alltag – doch oft fehlt es an Sicherheitsstandards. Der Hamburger KI- und Digitalisierungsexperte...

DWN
Panorama
Panorama Orban trifft Netanjahu in Budapest trotz Haftbefehl -und erklärt Rückzug aus Internationalen Strafgerichtshof
03.04.2025

Viktor Orbán ignoriert den Haftbefehl, den der Internationale Strafgerichtshof gegen Israels Premier erlassen hat – und heißt ihn in...

DWN
Politik
Politik Russlands Verzögerung der Verhandlungen könnte auch der Ukraine nützen
03.04.2025

Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine mögliche Waffenruhe oder Friedenslösung ziehen sich weiter hin. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: DAX-Kurs fällt nach Trumps Zollankündigung - wie sollten Anleger reagieren?
03.04.2025

Die erneute Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag die Aktienmärkte stark unter Druck gesetzt. Der DAX-Kurs...