Unternehmen

Fachkräfte verzweifelt gesucht: Firmen setzen immer öfter Roboter ein

Der Fachkräftemangel trifft zahlreiche Unternehmen. Rund 1,7 Millionen Stellen waren zuletzt in Deutschland unbesetzt. Die Unternehmen müssen kreativ werden.
30.10.2023 20:06
Aktualisiert: 30.10.2023 20:06
Lesezeit: 2 min
Fachkräfte verzweifelt gesucht: Firmen setzen immer öfter Roboter ein
Roboter statt Fachkräfte: Viele Unternehmen gehen neue Wege. (Foto: iStock.com/style-photography) Foto: style-photography

Im rheinland-pfälzischen Zemmer unweit von Trier wird seit zwei Jahrzehnten Blech verarbeitet. Beim Thema Personal geht der Mittelständler S&D Blech jetzt ganz neue Wege: Weil der Teamleiter für Schleifprozesse in Rente geht, wird dieser durch einen Roboter ersetzt. Es sei schwer gewesen, einen geeigneten Kandidaten mit Erfahrung zu finden, erzählt Geschäftsführer Henning Schlöder der Nachrichtenagentur Reuters. „Auch, weil es ein Knochenjob ist, den keiner mehr machen möchte.“ Bei der Arbeit mit Schleifmaschinen sei man großer Hitze und starkem Lärm ausgesetzt. Die Funken können zudem gefährlich sein. Einem Roboter macht das alles nichts aus.

Der Fachkräftemangel trifft zahlreiche Unternehmen. Rund 1,7 Millionen Stellen waren zuletzt in Deutschland unbesetzt. Laut Industrieverband DIHK hat mehr als die Hälfte der Unternehmen Probleme bei der Neubesetzung von Arbeitsplätzen. Geschätzt entgeht der Wirtschaft dadurch ein Wertschöpfungspotenzial von fast 100 Milliarden Euro pro Jahr. Ohne jeglichen Ausgleich - wie Einwanderung oder eine steigende Erwerbsbeteiligung zum Beispiel von Frauen - dürfte das Arbeitskräftepotenzial bis 2035 aus rein demografischen Gründen um knapp sieben Millionen im Vergleich zu 2021 zurückgehen. Neue Lösungen sind für viele Unternehmen daher alternativlos. Und der Trend zur Automatisierung in der Industrie ist längst auch bei kleinen und mittelständischen Betrieben angekommen.

Innovationen können das Spiel ändern

Künstliche Intelligenz und Roboter dürften immer öfter die Lösung sein: „Langfristig werden all diese Innovationen ein Gamechanger in der Arbeitswelt sein“, sagt Nela Richardson vom Personaldienstleister ADP. Deutschland ist bei Robotern bereits der viertgrößte Markt der Welt, hinter Japan, Singapur und Südkorea, und in Europa die Nummer eins. Sie dürften zunehmend auch in Bäckereien, Wäschereien und Supermärkten zum Einsatz kommen. Dem internationalen Verband der Robotik-Industrie zufolge wurden hierzulande im vergangenen Jahr rund 26.000 Einheiten installiert - nur 2018 waren es mehr.

Ralf Winkelmann verkauft für die Firma Fanuc in Japan hergestellte Roboter auch an kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland. Sie können das Überleben von ganzen Betrieben sichern, die keine Mitarbeiter mehr finden, sagt er. Das Familienunternehmen Rolec - ein Hersteller von Gehäusen aus dem niedersächsischen Rinteln - hat vergangenes Jahr einen ersten Roboter erworben, inzwischen nachgelegt und plant noch mehr Automatisierungen. Dadurch kann die Produktion nachts weitergehen, wie Geschäftsführer Matthias Rose sagt. „Das ist schön, wenn dann morgens, wenn man das Licht anmacht, die Teile im Vorratsbehälter liegen und bearbeitet sind.“ Die Ausgangssituation sei gut gewesen. Ein großer Auftragsbestand hatte dazu geführt, dass viel Überstunden gemacht werden mussten und dass auch am Samstag gearbeitet wurde. Der Roboter werde daher eher als Hilfe und nicht als Konkurrenz angesehen.

Auch Gewerkschaften sind mittlerweile aufgeschlossen: „Sie können Arbeit gesünder, interessanter und sicherer machen“, sagt ein Sprecher der einflussreichen IG Metall mit Blick auf Roboter. Voraussetzung sei allerdings, dass sie Teil der langfristigen Strategie seien und nicht Mittel, um kurzfristig Kosten zu senken. Bei Daimler Truck werden sehr viele Roboterlösungen genutzt, weswegen Arbeiter beispielsweise weniger schwer heben müssen als früher. Niemand sei aber flexibler als ein Mensch, sagt Michael Brecht, der den Betriebsrat des Lkw-Bauers leitet. Je komplexer und differenzierter die Produktion sei, desto schwieriger werde es, Roboter zu nutzen. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Brady TwinLead: Wenn das Etikett plötzlich mitdenkt

Ein Etikett bleibt am Produkt, doch die Informationen dahinter können sich verändern. Mit TwinLead verbindet Brady physische...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gewerbesteuer auf Rekordhoch: Warum Kommunen trotzdem Milliarden fehlen
15.10.2026

Deutschlands Gemeinden haben 2025 so viel Gewerbesteuer eingenommen wie nie zuvor. Allerdings stiegen die Einnahmen nur geringfügig, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Bank-Aktien: US-Banken überraschen mit Zahlen, Dimon warnt vor wachsenden Risiken
15.10.2026

Während Goldman Sachs und Citigroup mit ihren jüngsten Quartalszahlen die Gewinnerwartungen der Analysten übertroffen haben, blieb...

DWN
Technologie
Technologie Solar-Aufschlag ab 2029: Drohen Mehrkosten für Photovoltaik-Besitzer – was hinter dem Prosumer-Aufschlag steckt
15.10.2026

Solaranlagen auf dem Dach könnten ab 2029 einen höheren Grundpreis für die Stromnetznutzung auslösen. Elf Verbände fordern, den...

DWN
Politik
Politik Berlin-Sondierungen gehen weiter: Linke, SPD und Grüne einigen sich auf zentrale Grundsätze
15.10.2026

Nach tagelangem Streit setzen Linke, SPD und Grüne in Berlin ihre Gespräche über eine mögliche Regierungsbildung fort. Beim Umgang mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Prognose: Einer der größten Käufer beginnt zu verkaufen
15.10.2026

Jahrelang kauften Zentralbanken Gold in außergewöhnlichem Umfang. Nun schlägt mit Kasachstan einer der größten Käufer einen anderen...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie überspringt die 1.000-Euro-Marke: Ist das die Trendwende?
15.10.2026

Nach deutlichen Kursgewinnen am Mittwoch setzt die Rheinmetall-Aktie ihre Erholung am Donnerstag fort. Eine frühe Xetra-Notierung liegt...

DWN
Finanzen
Finanzen Kospi-Crash: Warum Südkoreas Chipaktien die Börsen erschüttern – was jetzt wichtig ist
15.10.2026

Der südkoreanische Leitindex Kospi rutschte am Donnerstag zeitweise rund acht Prozent ab. Besonders stark traf es die Samsung...

DWN
Finanzen
Finanzen Berkshire Hathaway-Aktie: Greg Abel investiert in Bending Spoons – Berkshires 930-Millionen-Dollar-Wette
15.10.2026

Warren Buffetts Nachfolger Greg Abel richtet Berkshire Hathaway stärker auf digitale Geschäftsmodelle aus. Die Holding investiert weitere...