Politik

Taiwan-Konflikt könnte sich von allein lösen - zugunsten von China

Die Chancen steigen, dass in Taiwan eine china-freundliche Regierung gebildet wird. Damit würde eine friedliche Wiedervereinigung der Insel mit China möglich.
Autor
18.11.2023 13:41
Aktualisiert: 18.11.2023 13:41
Lesezeit: 2 min

Taiwans Oppositionsparteien Kuomintang und Qinmindang haben sich darauf geeinigt, bei der Präsidentenwahl im Januar einen gemeinsam Kandidaten aufzustellen, wie sie am Mittwoch ankündigten. Dadurch steigen die Chancen beträchtlich, dass in Taipeh eine chinafreundliche Regierung an die Macht kommen wird.

Eine solche Entwicklung würden nicht nur den Weg für eine friedliche Wiedervereinigung mit China freimachen, sondern auch eine Belastung in den Beziehungen zwischen China und den USA aus dem Weg räumen, die sich stets für die Unabhängigkeit Taiwans eingesetzt haben und aus diesem Grund auch Militärhilfe für die Insel leisten.

Sicherlich wäre der Wiederanschluss Taiwans an China ein weiterer geopolitischer Erfolg für China und ein weiterer Rückschlag für die USA. Doch Washington könnte sich auf den Standpunkt zurückziehen, dass die Entwicklung demokratisch legitimiert ist und dass die USA daher nicht im Wege stehen dürften.

Zwar hat Taiwans Vizepräsident Lai Ching-te von der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) die Meinungsumfragen im vergangenen Jahr lange Zeit angeführt. Doch eine gemeinsame Kandidatur der Opposition erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Opposition ihn im kommenden Jahr in Taipeh ablöst.

„Ein erfolgreiches Oppositionsbündnis - unabhängig davon, wer als Präsident kandidiert - bedeutet, dass sich die Spannungen zwischen den beiden Seiten der Taiwanstraße wahrscheinlich verbessern werden, da die Opposition lokalen Umfragen zufolge eine mehr als 50-prozentige Chance hat, Lai von der DPP zu schlagen“, zitiert Time Wang Yeh-lih, Professor für Politikwissenschaften an der National Taiwan University. „Für China ist es besser, wenn entweder Ko oder Hou das Präsidentenamt übernehmen als Lai“, fügte Wang hinzu.

Das Wahlkampfteam von Vizepräsident Lai kritisierte die Vereinbarung zwischen den beiden Oppositionsparteien Kuomintang und Qinmindang. In einer Erklärung sagte er, dass Entscheidung für einen gemeinsamen Kandidaten ohne Rücksicht auf die Visionen der beiden Parteien für Taiwan getroffen worden sei.

China betrachtet die Taiwan als sein Territorium. Präsident Xi Jinping sagte am Mittwoch zu US-Präsident Biden eine Wiedervereinigung sei „unaufhaltsam“. China hat die direkte Kommunikation mit Taipeh abgebrochen, seit Präsidentin Tsai Ing-wen im Jahr 2016 an die Macht kam. Denn diese weigert sich, Taiwan als Teil des chinesischen Territoriums anzuerkennen.

Vizepräsident Lai führte zuletzt die meisten Meinungsumfragen an. Nach der jüngsten Umfrage des Fernsehsenders TVBS liegt er bei 33 Prozent, gefolgt von Ko Wen von Qinmindang mit 24 Prozent und Hou Yu-ih von Kuomintang mit 22 Prozent. Der Gründer der Foxconn Technology Group, Terry Gou, erhielt die Unterstützung von 8 Prozent der Befragten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Streit um Starlink: Elon Musk erhebt Vorwürfe gegen die Ukraine
26.10.2026

Elon Musk wirft der Ukraine vor, Starlink für unerlaubte Drohnenangriffe eingesetzt zu haben. Ein entsprechendes Schlupfloch sei...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lkw-Maut bereits fast ein Fünftel höher: Wo es teurer wird und was 2027 kommt
26.10.2026

Lkw-Maut wird in Europa immer teurer und komplizierter. Neben gefahrenen Kilometern entscheiden zunehmend CO₂-Ausstoß, Fahrzeugklasse...

DWN
Finanzen
Finanzen 10 Europa-Aktien, denen Analysten besonders großes Wachstum zutrauen
26.10.2026

Ich habe mir erneut die Empfehlungen der Analysten angesehen, um Aktien mit dem größten Aufwärtspotenzial zu finden. Diesmal habe ich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Opel Frontera Electric im Test: Viel Komfort, aber kaum Ausdauer
26.10.2026

Viel Platz, hoher Komfort und ein vergleichsweise günstiger Preis: Der Opel Frontera Electric könnte das perfekte Elektro-SUV für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Geschäftsklima steigt: Deutsche Wirtschaft trotzt hohen Energiepreisen
26.10.2026

Deutschlands Unternehmen blicken zuversichtlicher nach vorn: Das Ifo-Geschäftsklima steigt erneut und übertrifft die Erwartungen der...

DWN
Finanzen
Finanzen Lindt-Aktie im Fokus: Präsident Tanner räumt Preisfehler ein und lehnt Rücktritt in Lindt-Krise ab
26.10.2026

Nach dem überraschenden Chefwechsel bei Lindt & Sprüngli übernimmt Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner öffentlich Verantwortung für...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Warum die 4.000-Dollar-Marke vor der Fed-Entscheidung wieder wackelt
26.10.2026

Zum Wochenstart pendelt Gold um die Marke von 4.000 US-Dollar je Feinunze. Nach dem jüngsten Rückgang ringen Anleger um eine neue...

DWN
Finanzen
Finanzen Cathie Wood: ARK kauft Meta-Aktien und schichtet Tech-Wetten um
26.10.2026

Die jüngsten Handelsdaten aus dem Umfeld von Cathie Woods ARK-Fonds zeigen Verkäufe bei Alphabet-Aktien, Käufe bei Meta-Aktien und...