Politik

EU-Kommission fordert Europäisierung der Rüstungsbeschaffung

Komissionspräsidentin von der Leyen will die Rüstungspolitik der EU stärker gemeinschaftlich aufbauen. Die Forderungen finden auch vor dem Hintergrund der massiven Nachfrage der Ukraine statt.
30.11.2023 16:11
Aktualisiert: 30.11.2023 16:11
Lesezeit: 2 min

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat scharfe Kritik an der unkoordinierten Beschaffung von Rüstungsgütern in der Europäischen Union geübt und Vorschläge für zusätzliche Kooperationsanreize gemacht. Es sei gut, dass Mitgliedstaaten ihre Verteidigungshaushalte erhöhten und damit notwendige Investitionen ermöglichten, sagte die Deutsche am Donnerstag bei der Jahreskonferenz der Europäischen Verteidigungsagentur in Brüssel. Noch immer würden allerdings weniger als 20 Prozent der Investitionen gemeinsam getätigt. Damit sei man sehr weit von dem EU-Ziel entfernt, 35 Prozent der Ausgaben gemeinsam zu tätigen.

Von der Leyen: Rüstung soll europäischer werden

Hinzu kommt laut von der Leyen, dass nach den jüngsten Zahlen ein Großteil der zusätzlichen Mittel bei Rüstungskonzernen außerhalb der EU landet. Dies geht ihrer Meinung nach zulasten der Wettbewerbsfähigkeit der EU, der heimischen Wirtschaft, des Militärs und der Sicherheit.

«Wenn die Mitgliedstaaten unkoordiniert einkaufen, kann dies die Preise hochtreiben», erklärte sie. Auch solle man nicht davon ausgehen, dass man sich bei der Beschaffung von Verteidigungsgütern immer auf den internationalen Markt verlassen können.

Um einen Kurswechsel zu erleichtern, schlug die frühere deutsche Verteidigungsministerin vor, zusätzliche Anreize für Gemeinschaftsprojekte zu setzen. Demnach wäre es möglich zu vereinbaren, dass Ausgaben für solche Projekte bei der Überprüfung der Einhaltung von EU-Schuldenregeln zeitweise gesondert behandelt werden. Als weitere mögliche Optionen nannte von der Leyen einen Bürokratieabbau und das gemeinsame Identifizieren von «Flaggschiff-Fähigkeiten». Für letztere könnte es dann eine EU-koordinierte Planung geben.

Die derzeitige Einkaufspolitik sorgt nach Angaben von der Leyens beispielsweise dafür, dass die Truppen in einem deutsch-niederländischen Verband denselben Haubitzentyp verwenden, aber nicht die Munition des anderen nutzen können. «So kann es nicht weitergehen», sagte sie.

Konsumgipfel durch Ukraine-Krieg

Als einen Grund für schnelles Handeln nannte von der Leyen auch den Unterstützungsbedarf der Ukraine. «Der Krieg in der Ukraine ist materialintensiver als jeder andere Krieg in der jüngeren Geschichte», erklärte sie. Russland habe innerhalb eines Jahres zehn Millionen Granaten abgefeuert und die Ukraine verschleiße jeden Monat 10 000 Drohnen.

EU-Ratspräsident Charles Michel schlug bei der Konferenz vor, Anleihen zur Finanzierung der europäischen Verteidigung auszugeben. Diese könnten als eine neue Anlageklasse - auch für Kleinanleger - entstehen. Zugleich verwies Michel darauf, dass bereits heute sehr viel Geld zur Verfügung stehe. In diesem Jahr beliefen sich die Verteidigungsausgaben der EU-Mitgliedstaaten auf insgesamt etwa 270 Milliarden Euro sagte er. Knapp 60 Milliarden Euro davon würden für Investitionen ausgegeben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lkw-Maut bereits fast ein Fünftel höher: Wo es teurer wird und was 2027 kommt
26.10.2026

Lkw-Maut wird in Europa immer teurer und komplizierter. Neben gefahrenen Kilometern entscheiden zunehmend CO₂-Ausstoß, Fahrzeugklasse...

DWN
Finanzen
Finanzen 10 Europa-Aktien, denen Analysten besonders großes Wachstum zutrauen
26.10.2026

Ich habe mir erneut die Empfehlungen der Analysten angesehen, um Aktien mit dem größten Aufwärtspotenzial zu finden. Diesmal habe ich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Opel Frontera Electric im Test: Viel Komfort, aber kaum Ausdauer
26.10.2026

Viel Platz, hoher Komfort und ein vergleichsweise günstiger Preis: Der Opel Frontera Electric könnte das perfekte Elektro-SUV für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Geschäftsklima steigt: Deutsche Wirtschaft trotzt hohen Energiepreisen
26.10.2026

Deutschlands Unternehmen blicken zuversichtlicher nach vorn: Das Ifo-Geschäftsklima steigt erneut und übertrifft die Erwartungen der...

DWN
Finanzen
Finanzen Lindt-Aktie im Fokus: Präsident Tanner räumt Preisfehler ein und lehnt Rücktritt in Lindt-Krise ab
26.10.2026

Nach dem überraschenden Chefwechsel bei Lindt & Sprüngli übernimmt Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner öffentlich Verantwortung für...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Warum die 4.000-Dollar-Marke vor der Fed-Entscheidung wieder wackelt
26.10.2026

Zum Wochenstart pendelt Gold um die Marke von 4.000 US-Dollar je Feinunze. Nach dem jüngsten Rückgang ringen Anleger um eine neue...

DWN
Finanzen
Finanzen Cathie Wood: ARK kauft Meta-Aktien und schichtet Tech-Wetten um
26.10.2026

Die jüngsten Handelsdaten aus dem Umfeld von Cathie Woods ARK-Fonds zeigen Verkäufe bei Alphabet-Aktien, Käufe bei Meta-Aktien und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi-Chef bei Trump: VW-Betriebsratschefin Cavallo übt scharfe Kritik
26.10.2026

Der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump stößt bei...