Ratgeber

Arbeitsverträge: Rechtssicherheit und Mitarbeiterbindung im Fokus

In diesem Artikel erklären wir die unterschiedlichen Arten von Arbeitsverträgen, was enthalten sein muss und was Unternehmen beim Arbeitsvertrag noch wissen müssen.
05.12.2023 09:49
Aktualisiert: 05.12.2023 09:49
Lesezeit: 3 min

Unternehmen stehen vor der Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig zu binden. Ein zentraler Baustein hierfür ist der Arbeitsvertrag, der nicht nur die Interessen des Unternehmens schützt, sondern auch die Rechte der Mitarbeiter gewährleistet. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die unterschiedlichen Arten von Arbeitsverträgen, erklären, was ein Arbeitsvertrag enthalten muss und was Sie als Unternehmen noch wissen müssen, wenn Sie einen Arbeitsvertrag erstellen.

Arten von Arbeitsverträgen

Grundsätzlich wird zwischen einem unbefristeten und einem befristeten Arbeitsvertrag unterschieden. Die Befristung kann zeitlich oder sachlich begrenzt sein. Daher ist darauf zu achten, dass auch ein Arbeitsvertrag für eine geringfügige Beschäftigung abgeschlossen wird.

Aus diesen Oberkategorien ergeben sich wiederum spezielle Unterarten von Verträgen, die ein Arbeitsverhältnis regeln. Hierzu gehören unter anderem projektbezogener Arbeitsvertrag, Teilzeitarbeitsvertrag sowie Arbeitsvertrag für Aushilfen, Minijobber, Freiberufler oder für Praktikanten.

Der Arbeitsvertrag in der aktuellen Gesetzgebung

Der Gesetzgeber macht kaum Vorgaben zur Vertragsgestaltung. Sogar ein unbefristeter Arbeitsvertrag kann lediglich mündlich abgeschlossen werden. Um im Streitfall das Vereinbarte belegen zu können, sollten Sie als Unternehmen jedoch jeden Arbeitsvertrag schriftlich abschließen. Ohnehin verpflichtet Sie seit dem 1. August 2022 das Nachweisgesetz Arbeitgeber, spätestens einen Monat nach Beginn des Arbeitsverhältnisses, die wesentlichen Arbeitsbedingungen schriftlich zu machen und dem Arbeitnehmer zu geben. Der Nachweis ist eine Niederschrift der Arbeitsbedingungen, er ist kein Vertrag und muss vom Arbeitnehmer nicht unterzeichnet werden.

Inhalte des Arbeitsvertrags

Auch bei der Gestaltung des Arbeitsvertrags macht der Gesetzgeber keine Vorgaben. Verschiedene Gesetze und das Arbeitnehmerschutzrecht setzen der Vertragsfreiheit. Hierzu zählen der Gleichbehandlungsgrundsatz, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und das AGB-Recht.

Ein Arbeitsvertrag sollte klar und verständlich formuliert sein. Die folgenden Elemente sollten darin enthalten sein:

  1. Name und Anschrift der Vertragsparteien

  2. Vertragsbeginn und -dauer: Festlegung des Zeitpunkts, ab dem das Arbeitsverhältnis startet, sowie bei befristeten Verträgen die genaue Laufzeit.

  3. Arbeitsort und -zeit: Definieren Sie den Arbeitsort und die Arbeitszeiten. Bei Bedarf sollten flexible Regelungen für Arbeitszeiten integriert werden.

  4. Art der Tätigkeit: Eine Beschreibung der Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten des Mitarbeiters.

  5. Arbeitsentgelt: Höhe des Gehalts oder des Stundenlohns sowie etwaiger Zusatzleistungen (Zulagen, Sonderzahlungen und Prämien) sowie deren Fälligkeit.

  6. Urlaubsregelungen: Klärung von Anspruch, Dauer und Planung des Jahresurlaubs.

  7. Kündigungsfristen: Festlegung der Fristen für beide Vertragsparteien im Falle einer Kündigung.

  8. Kollektivrechtliche Regelungen: Falls Tarifverträge, Dienst- oder Betriebsvereinbarungen bestehen.

Diese Inhalte können ergänzend im Arbeitsvertrag enthalten sein, je nach Vertragsart:

  1. Formulierungen zum unbefristeten Arbeitsverhältnis und/oder zur Probezeit

  2. Regelungen zu Überstunden

  3. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

  4. Fristen für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen

  5. Geheimhaltungspflichten

  6. Anzeige von Nebentätigkeiten

  7. Vertragsstrafen

  8. Nebenabreden und Hinweise auf Änderungen des Arbeitsvertrages

  9. Widerrufsvorbehalt für zusätzliche Zahlungen

Der Arbeitsvertrag enthält außerdem die Rechte als auch die Pflichten beider Vertragsparteien.

Das Arbeitsrecht unterscheidet zwischen Haupt- und Nebenpflichten.

Pflichten des Arbeitgebers

Die Hauptpflicht des Arbeitgebers ist es die geleistete Arbeit termingerecht und wie vereinbart zu entlohnen. Zu seinen Nebenpflichten zählen unter anderem: Urlaubserteilung, Gleichbehandlungspflicht oder Schutzpflicht bei Mobbing oder Arbeitsunfällen.

Pflichten des Arbeitnehmers

Die Hauptpflicht des Arbeitnehmers ist, die vertraglich vereinbarte Leistung zu erbringen. Zu seinen Nebenpflichten gehören unter anderem: Treuepflicht, gewissenhafter Umfang mit dem Eigentum des Arbeitgebers und die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften.

Darauf sollten Sie achten, wenn Sie einen Arbeitsvertrag erstellen

Klare Formulierungen für Rechtssicherheit

KMU sind oft besonders agil und flexibel, doch gerade bei Arbeitsverträgen sollten Sie auf eine präzise Formulierung achten. Ein gut ausgearbeiteter Vertrag mit eindeutigen Formulierungen schafft Klarheit über Arbeitszeiten, Vergütung, Urlaubsregelungen und andere wichtige Punkte.

Insbesondere in Zeiten sich wandelnder Arbeitsmodelle wie Homeoffice oder flexibler Arbeitszeiten ist es ratsam, den Arbeitsvertrag entsprechend anzupassen. Klare Regelungen helfen dabei, potenzielle Konflikte zu vermeiden und tragen zu einem positiven Arbeitsklima bei.

Expertenrat: Ein Blick auf aktuelle Gesetzesänderungen und die regelmäßige Aktualisierung von Arbeitsverträgen sind essenziell, um rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Mitarbeiterbindung durch attraktive Konditionen

In einem Markt, in dem qualifizierte Fachkräfte oft knapp sind, gewinnt die Mitarbeiterbindung zunehmend an Bedeutung. Der Arbeitsvertrag spielt hier eine Schlüsselrolle. KMU können durch attraktive Konditionen, wie Bonussysteme, flexible Arbeitszeitmodelle oder Weiterbildungsmöglichkeiten, punkten. Arbeitsverträge sollten daher Raum für Anpassungen bieten. Dies ermöglicht es KMUs, auf Veränderungen in der Unternehmensstruktur oder auf individuelle Bedürfnisse der Mitarbeiter flexibel zu reagieren.

Eine transparente und faire Gestaltung des Arbeitsvertrags signalisiert Wertschätzung und fördert die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Dies wiederum trägt dazu bei, dass qualifizierte Kräfte langfristig ans Unternehmen gebunden werden können.

Auf die Unternehmenskultur abgestimmt

Der Arbeitsvertrag sollte nicht nur rechtliche Fragen regeln, sondern auch die Werte und die Unternehmenskultur widerspiegeln. Der Arbeitsvertrag bietet Ihnen eine Chance, Ihre Identität und Ihre besonderen Stärken bereits im Arbeitsvertrag zu betonen. Eine positive und auf Vertrauen basierende Unternehmenskultur fördert die Zufriedenheit der Mitarbeiter und stärkt die Bindung ans Unternehmen.

Nehmen Sie sich Zeit, die Unternehmenswerte zu definieren, und integrieren Sie diese bewusst in die Arbeitsverträge.

Rechtliche Fallstricke vermeiden

Sie sollten sich bewusst sein, dass ein fehlerhaft formulierter Arbeitsvertrag rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Arbeitsrechtliche Vorschriften ändern sich regelmäßig, daher ist es ratsam, Ihre Vorlagen regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Die Zusammenarbeit mit juristischen Fachleuten oder Personalberatern kann Sie dabei unterstützen, rechtliche Fallstricke zu vermeiden, um sicherzustellen, dass die Arbeitsverträge den aktuellen gesetzlichen Anforderungen entsprechen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...

Maria Romanska

***

Maria Romanska arbeitet als freie Journalistin und schreibt vor allem über Arbeitsrecht, Arbeitgeberpflichten sowie kleine und mittelständische Unternehmen.

DWN
Politik
Politik Gelockerter Kündigungsschutz für Hochverdiener: Was Arbeitgeber für 2027 wissen sollten
27.09.2026

Die Bundesregierung plant eine Reform des Kündigungsschutzes, in der Hochverdiener leichter kündbar werden sollen. Arbeitgeber können...

DWN
Panorama
Panorama Auswandern nach Andalusien: „In meinem Herzen habe ich zwei Seelen“
27.09.2026

Jens Halbroth und seine Frau Claudia suchten jahrelang nach einem neuen Lebensmittelpunkt. Sie reisten mit Motorrad und Wohnmobil durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
27.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Technologie
Technologie KI und Burnout: Warum ausgerechnet Entlastung krank machen kann
27.09.2026

KI soll Beschäftigte entlasten, Routinearbeit übernehmen und Unternehmen produktiver machen. Doch ausgerechnet die neue Effizienz schafft...

DWN
Politik
Politik Kanada und EU: Von der Leyens Plan könnte den Binnenmarkt verändern
27.09.2026

Kanada soll enger an die Europäische Union rücken als je zuvor. Ursula von der Leyen bringt dafür sogar eine "assoziierte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Horacio Pagani im Porträt: Seine Autos sind verkauft, bevor die Öffentlichkeit sie sieht
27.09.2026

Horacio Pagani baut keine Autos für den Massenmarkt. Im vergangenen Jahr sollen es gerade einmal rund 50 gewesen sein, das günstigste...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unternehmensnachfolge: Mehr Schließungs- als Übergabepläne im Mittelstand
27.09.2026

Erstmals wollen mehr Mittelständler dichtmachen als übergeben. Betroffen sind auch profitable Betriebe mit vollen Auftragsbüchern. Oft...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI für Anwälte: Der 26-Jährige, dem Investoren Milliarden hinterhertragen
27.09.2026

Drei Gründer, drei Jahre und inzwischen eine mögliche Milliardenbewertung: Der erst 26-jährige Max Junestrand baut mit Legora eines der...