Finanzen

Aktien und ETFs: So lassen sich zum Jahresende kräftig Steuern sparen

Lesezeit: 3 min
12.12.2023 13:08  Aktualisiert: 12.12.2023 13:08
Zum Jahresende lassen sich bei Aktien und ETFs kräftig Steuern sparen, wenn man nur bedacht und mit Plan vorgeht. So können Sie jetzt sicherstellen, dass Sie für 2023 und eventuell auch in den kommenden Jahren weniger Kapitalertragsteuer an den Fiskus abführen müssen.
Aktien und ETFs: So lassen sich zum Jahresende kräftig Steuern sparen
Aktien und ETFs – Jetzt noch kräftig Steuern sparen. (Foto: dpa)
Foto: Hans-Jürgen Wiedl

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

In Deutschland fällt auf alle Gewinne und Ausschüttungen im Zusammenhang mit Aktien ETFs die Kapitalertragssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag an. Fonds und ETFs nehmen hierbei nochmals eine Sonderrolle ein, denn diese sind anteilig (zu 30 Prozent) von der Steuer befreit.

Zum Jahresende kräftig Steuern sparen

Unter dem Strich bedeutet das: für eine Anlage an der Börse fallen im Erfolgsfall hohe Abgaben an. Genau um diese aber jetzt und in Zukunft zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren, sollten Anleger jetzt handeln. Dazu sollten Sie zum Jahresende 2023 noch folgende Schritte unternehmen:

Sparerpauschbetrag anlegen

Als Erstes gilt es, den Sparerpauschbetrag für Aktien und ETFs optimal auszunutzen. Dies ist ein steuerlicher Freibetrag in Höhe von 1000 EUR, der bei ihrem Broker jederzeit hinterlegt werden kann. Dies bedeutet, dass Gewinne bis zu einer Grenze von 1000 EUR nicht versteuert werden müssen. Erst ab dem 1001 EUR fallen die 25 Prozent Kapitalertragsteuer plus Solidaritätszuschlag an. Wichtig dabei: auch wenn Sie ihren Sparerpauschbetrag zum Ende des Jahres hinterlegen, gilt dieser, insofern nicht anders angegeben bereits ab dem 1. Januar. Daher können bereits bezahlte Steuern zurückerstattet werden.

Sparerpauschbetrag ausnutzen

Übrigens sollten Sie diesen Sparerpauschbetrag regelmäßig ausnutzen, denn bei nicht Verwendung verfällt der übrige Betrag im kommenden Jahr und Anlegern steht weiterhin nur der Freibetrag von 1000 EUR zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund kann es daher Sinn ergeben, Gewinne vorzeitig zu realisieren, um diesen Betrag auszuschöpfen und die veräußerten Positionen direkt wieder aufzubauen. So vermeidet man größere anfallende Steuerzahlungen in der Zukunft, wenn man eine Position mit dann noch höheren Gewinnen verkauft.

Verlustverrechnungstöpfe füllen

Aber nicht nur die gut gelaufenen Positionen sollten unter Umständen auf eine mögliche Steuerersparnis geprüft werden. Auch bei Aktien und ETFs, die Verluste verzeichnen mussten, kann sich ein kurzfristiger Verkauf lohnen. Hintergrund: im Deutschen Steuerrecht gibt es sogenannte Verlustverrechnungstöpfe. Dies sind Konten, auf denen die Verluste gespeichert und mit eventuell später oder im laufenden Jahr anfallenden Gewinnen verrechnet werden. Anders als beim Sparerpauschbetrag sind die Summen im Verlustverrechnungstopf übrigens auch in das nächste Jahr übertragbar und werden erst mit neuen Profiten abgegolten.

Übrigens: Am sinnvollsten ist es, wenn Sie sowohl gut als auch schlecht gelaufene Positionen veräußern. Selbstverständlich sollte dabei das Verhältnis von Gewinnen und Verlusten dasselbe sein. Denn die auf die Gewinne fälligen Steuern werden durch die Verluste dann direkt ausgeglichen.

Was Sie außerdem rund um Steuern bei der Geldanlage beachten sollten

Doch auch wenn das Thema auf den ersten Blick sehr einfach klingt. Drei Dinge sollten Sie trotzdem beachten, um keine Fehler rund um das heikle Steuerthema zu begehen:

Sparerpauschbetrag nur einmal hinterlegen

Erstens ist wichtig zu wissen: Den Sparerpauschbetrag kann man nur einmal hinterlegen. Zwar ist es möglich diesen gesplittet auf mehrere Konten und Depots zu verteilen, allerdings darf die gesamte Summe des angegebenen Betrages nicht den Wert von 1000 EUR übersteigen. Außerdem sollten Sie nicht vergessen, dass dieser Freibetrag einmalig für alle Kapitalerträge gilt, also auch für Zinsen auf Tages- und Festgelder. Sollten Sie hier bereits einen Freibetrag hinterlegt haben, dann sollten Sie eine Anpassung vornehmen, um keine steuerlichen Komplikationen zu haben.

Nicht alle Verluste können verrechnet werden

Doch auch eine Besonderheit des deutschen Steuerrechtes könnte bei der Steueroptimierung ihres Portfolios zum Problem werden. Denn so sind nicht alle Verluste miteinander verrechenbar. So gibt es mehrere Arten von Verlustverrechnungstöpfen:

Verlustverrechnungstopf Aktien: Kursgewinne von Aktien

Verlustverrechnungstopf sonstige: Verluste mit ETFs, Fonds, Derivaten etc.

Verlustverrechnungstopf Quellensteuer: ausländische Quellensteuern

Laut der aktuellen deutschen Gesetzgebung können nur Gewinne mit ihren jeweiligen Verlustverrechnungstöpfen verrechnet werden. So kann ein Kursgewinn mit einer Aktie nur mit dem Verlustverrechnungstopf Aktien beglichen werden. Dividenden, die Aktienzahlen, werden allerdings gegen den Verlustverrechnungstopf Sonstige gezählt. Eine Sonderstellung hat zudem der Verlustverrechnungstopf Quellensteuer. Mit diesem werden nach Aufbrauchen sämtlicher anderen Vorträge alle übrigen Dividenden verrechnet.

Übertrag von Verlustverrechnungstöpfen

Sollte es außerdem einmal zu einem Depotübertrag kommen, dann dürfen Sie keinesfalls vergessen auch den Übertrag der Verlustverrechnungstöpfe zu beantragen (dieses Feld muss man zumeist zusätzlich auswählen). Denn sollten Sie dies unterlassen, besteht das Risiko, dass der Verlustverrechnungstopf verloren geht oder zumindest bei ihrem neuen Broker vorerst nicht hinterlegt ist. Dies würde im Umkehrschluss bedeuten, dass Sie sich im Voraus gezahlte Steuern dann erst mit einer Steuererklärung zurückholen könnten.

Fazit:

Es gibt also einige Möglichkeiten bis zum Ende des Jahres noch kräftig Steuern bei Aktien und ETFs zu sparen, wenngleich natürlich einige Fallstricke beachtet werden müssen. Auch für die kommenden Jahre kann sich aber die Steueroptimierung ihres Portfolios lohnen, weswegen Sie sich am besten einen regelmäßigen Termin zur “Steuerernte”, wie es in Amerika heißt, gegen Ende eines jeden Jahres setzen sollten.


Mehr zum Thema:  

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik Gefährdet Kanzler Scholz unsere Sicherheit? Experten kritisieren Aussagen zu Verbündeten scharf
29.02.2024

Bundeskanzler Olaf Scholz gerät auch bei Politikprofis mehr und mehr in die Kritik. Hat er mit seinem "Nein" zur Lieferung des Systems...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aixtron-Aktie stürzt ab: 2024 weniger Wachstum erwartet - und nun?
29.02.2024

Die Aixtron-Aktie ist im Donnerstagshandel abgestürzt, zeitweise rutschte das Papier des Chipindustrie-Ausrüsters annähernd 20 Prozent...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nachhaltigkeitspflicht ab 2024: Wie deutsche Firmen jetzt handeln müssen!
29.02.2024

Mit der Einführung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU im Jahr 2024 müssen große Konzerne ihre Bemühungen in...

DWN
Politik
Politik EU-Kommission genehmigt Freigabe von Milliarden-Geldern für Polen
29.02.2024

Geldsegen aus Brüssel: Die polnische Regierung erhält Milliardengelder. Die EU-Kommission stimmt zu, eingefrorene Gelder in...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Inflation in Deutschland auf dem Rückzug - wovor Experten jetzt warnen
29.02.2024

Die Kaufkraft der Deutschen steigt wieder, denn die Inflation in Deutschland schwächt sich weiter ab. Nach vorläufigen Daten des...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft US-Magazin Bloomberg: „Deutschlands Tage als industrielle Supermacht sind gezählt“
29.02.2024

Das führende US-Wirtschaftsmagazin Bloomberg gibt eine niederschmetternde Prognose für die Zukunft Deutschlands ab: Deutschlands Tage als...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Erstmals nach Corona-Flaute: Reallöhne wieder minimal gestiegen
29.02.2024

Gute Nachrichten für die Beschäftigten in Deutschland: Die Reallöhne in Deutschland sind 2023 erstmals wieder leicht gestiegen - nach...

DWN
Panorama
Panorama US-Präsident Joe Biden im Gesundheitscheck: Verschleiß, Atemmaske und steifer Gang
29.02.2024

Mit 81 Jahren ist Joe Biden der älteste aktive US-Präsident aller Zeiten. Ist er fit genug für einen der härtesten Jobs der Welt? Sein...