Wirtschaft

USA: Insolvenzen steigen spürbar - Ausblick ist negativ

In den USA steigen die Insolvenzen an, der Ausblick ist negativ. Zudem sind große Teile der Bevölkerung hoch verschuldet.
04.01.2024 11:21
Aktualisiert: 04.01.2024 11:21
Lesezeit: 2 min
USA: Insolvenzen steigen spürbar - Ausblick ist negativ
In den USA steigt die Zahl der Insolvenzen. (Grafik: istockphoto.com/Konoplytska) Foto: Konoplytska

In den USA haben die Insolvenzen 2023 spürbar zugelegt und dürften auch in diesem Jahr weiter steigen. Die Anträge für Firmen- und Privatpleiten kletterten etwa aufgrund höherer Zinsen und strengerer Kreditvergabestandards binnen Jahresfrist um 18 Prozent auf 445.186, wie aus aktuellen Zahlen des Insolvenzdatenanbieters Epiq Aacer hervorgeht.

Demnach stieg die Zahl der nach dem sogenannten Chapter 11 eingereichten Anträge von Firmen um 72 Prozent auf 6569. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ging um 18 Prozent nach oben auf 419.559. Trotz des spürbaren Anstiegs liegt das Niveau immer noch deutlich unter dem Stand von vor der Corona-Krise: 2019 gab es insgesamt 757.816 Pleiten.

Die Entwicklung sei eine Normalisierung zum Niveau vor der Pandemie, sagte Michael Hunter, Vice President von Epiq Aacer. "Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Verbraucher und Firmen, die Insolvenzschutz beantragen, 2024 weiter steigt." Grund seien auslaufende Konjunkturhilfen aus der Pandemie-Zeit, höhere Zinsen und Finanzierungskosten, steigende Ausfallraten und eine sehr hohe Verschuldung der Menschen.

Amerikaner sind extem verschuldet

So lag die die Verschuldung der privaten Haushalte nach Angaben der regionalen Notenbank von New York am Ende des dritten Quartals 2023 auf einem Rekordwert von 17,3 Billionen Dollar. Aufgrund der aggressiven Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed im Kampf gegen die Inflation haben sich die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Haushalte in den vergangenen zwei Jahren deutlich verschärft. Die Zinsen für Hypothekendarlehen etwa schossen in der zweiten Hälfte des vorigen Jahres auf den höchsten Stand seit Beginn des Jahrhunderts.

Öffentlich zugänglichen Daten zufolge leben etwa 60 Prozent aller Amerikaner von Monatsende zu Monatsende ohne finanzielle Rücklagen aufzubauen.

Wie das Handelsministerium im Sommer 2022 berichtete, war die durchschnittliche Sparrate im April auf den tiefsten Stand seit 14 Jahren gesunken. Durchschnittlich nur noch 4,4 Prozent der Netto-Einkünfte wurden damals angespart. Im Dezember des Vorjahres lag die Rate noch rund doppelt so hoch; im September 2021 sogar dreimal so hoch.

Einer Umfrage aus dem Jahr 2016 zufolge sind in den USA große Teile der Bevölkerung akut von Armut bedroht. Demzufolge hatten 34 Prozent überhaupt keine Ersparnisse, berichtete die Zeitung USA Today damals. 69 Prozent aller Befragten verfügten über Ersparnisse von 1.000 Dollar oder weniger. Im Jahr 2015 gaben noch 62 Prozent an, über 1.000 Dollar oder weniger zu verfügen. 11 Prozent der Befragten besaßen zwischen 1.000 und 4.999 Dollar, während 4 Prozent zwischen 5.000 Dollar und 9.999 Dollar hatten. Etwa ein Sechstel (15 Prozent) verfügte über mehr als 10.000 Dollar.

Die US-Notenbank hatte nach einer Phase teils kräftiger Zinserhöhungen zuletzt drei Mal in Folge pausiert. Auch Ende des Monats dürfte die Fed der Erwartung der Finanzmärkte zufolge den Leitzins noch in der Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent halten. Für März wird an den Terminmärkten mit einer ersten Zinssenkung um einen Viertelprozentpunkt gerechnet.

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