Finanzen

Geld zurück: Trade Republic Bezahlkarte begeistert Bankkunden und trendet

Neobanken und Finanz-Broker aus dem Ausland machen den etablierten Geldhäusern im Lande die Kunden abspenstig. Jetzt bietet der deutsche Neobroker Trade Republic seinen Kunden eine Bonus-Karte, die das langfristige Sparen erleichtert - und sogar belohnt. Cashback neu gedacht!
07.02.2024 18:00
Lesezeit: 4 min

Deutschlands etablierte Banken und Sparkassen haben in den vergangenen zehn Jahren schon so manche Erschütterung im Finanzbereich erlebt. Immer wieder tauchen auch neue Mitbewerber mit Innovationen auf - oder einfach auch mit blendenden Kommunikations-Ideen. Die junge Generation jedenfalls hat den vertrauten Hausbanken ihrer Eltern längst den Rücken gekehrt und das Ersparte in die Kassen der Neobanken gespült.

Nun stehen wieder mal Disruptionen, wie es auf Neu-Deutsch heißt, im trägen deutschen Bankensektor an. Der Bürger erwartet Zinsen im Bankengeschäft, wenn er sie nicht ausreichend erhält, zieht er sein Bargeld ab. Kein Wunder, dass immer mehr Spar-Milliarden mittlerweile ins EU-Ausland abfließen. Auch dort sind die Spargroschen schließlich bis 100.000 Euro vom Einlagensicherungs-Fonds gedeckt. Was kann schon schiefgehen?

Influencer im Netz sind ganz verzückt

Die Erosion schreitet jedenfalls immer weiter voran. Jetzt hat mal wieder das Brokerhaus Trade Republic eine neue Flutwelle ausgelöst. In den bei jungen Kunden beliebten Chat-Foren wie Reddit, auf Instagram oder Tiktok dominiert unter dem Hashtag "Finanzen" derzeit eigentlich nur ein Thema - die digitale Bezahlkarte von Trade Republic. Sie trendet gewissermaßen. Ein heißer Tipp? Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten haben sich das Angebote angesehen.

Die Influencer scheinen alle überzeugt, selbsternannte Bankberater tummeln sich im Netz und rühren die Werbetrommel. Die Kampagne von Trade Republic läuft auf Hochtouren. Man möchte warnen vor so viel Tamtam. Doch warum genau? Geld wirft endlich mal wieder Zinsen ab, so es wie sich gehört - und wie unsere Eltern uns den Sinn von Zins und Zinseszins früher verklickert haben.

Aus Sicht von Verbraucherschützern ist Trade Republic seriös - und ist in der EU eines der größten Brokerhäuser überhaupt. So gibt es erst einmal keinen Grund für Skepsis. In der Hinterhand können sich Sparer zudem beruhigt auf den Einlagensicherungs-Fonds der Europäischen Union verlassen. So wie zunächst einmal bei allen Bankinstituten mit einer Lizenz in den EU-Staaten - von Estland bis Rumänien oder auch Bulgarien.

Erst Ende 2023 hat Trade Republic endlich ihre Vollbank-Lizenz erhalten. Die ermöglicht ihr, den Kunden nun erstmals überhaupt Bezahlkarten zu offerieren. Mit einem neuen Tagesgeldkonto greift der Broker ebenfalls am Markt an. Kunden werden stolze vier Prozent Zinsen geboten - im Vergleich zu den etablierten deutschen Banken ein Top-Angebot, selbst im Wettbewerb mit der EU-Konkurrenz, wie der Vergleich auf der Plattform weltsparen.de beweist.

Trade Republic Karte: Bonus als persönliche Sparrücklage

Arne Pomplun aus Berlin-Steglitz ist entsprechend begeistert. Er ist einer von vier Millionen Kunden des Geldinstituts, die die Karte prompt bestellt haben. „Bei jedem Einkauf erhalte ich einen Bonus, und zwar nicht zum Konsum in Drogerien oder bei Galeria Kaufhof, sondern für meine Altersvorsorge - mit dem Geld speise ich meinen Trade Republic ETF-Sparplan, super“, so der junge Angestellte. Dass die Sparkasse seiner Eltern trotz veränderter Rahmenbedingungen am Zinsmarkt nicht mal zuckt, findet er „gelinde gesagt, total lame“.

Die neue Karte bietet zwei Vorteile: Erstens ist sie ein günstiges Zahlungsmittel für alle möglichen Einkäufe - sie ist für den Besitzer kostenlos. Zweitens hilft sie auch bei der Altersvorsorge, so das Versprechen von Trade Republic. Für jeden Einkauf mit der Karte erhält man ein Prozent des Rechnungsbetrags erstattet - das Geld fließt in einen Sparplan. Wer 100 Euro an der Supermarktkasse bezahlt, dem wird ein Euro für die eigene Geldanlage vergütet.

Für Big Spender gibt's die Karte in Metall

Das Grundmodell, eine virtuelle Karte von Trade Republic, ist kostenlos. Diese kann man jedoch nur über die App benutzen - für die Jugend eine selbstverständliche Fingerübung und keine Einschränkung. Für eine physische Karte aus Plastik fallen einmalig fünf Euro an. Wer es ganz schick möchte, kann für 50 Euro sogar eine Karte aus Metall beantragen - und den Big Spender mimen. Diese spiegelt schön, das fällt auf, beim Bezahlen am Tresen.

Die Frage ist eigentlich nur, ob und wie lange sich die klassische Bankenbranche es leisten kann, dass immer mehr Sparer, genervt von dieser Gleichmut ihrer Bankberater, das rettende Ufer bei Banken im Internet suchen. Oder auf dem Forum „Weltsparen", wo europaweit die Zinsen und Konditionen obskurer oder halt nur regional bekannter Banken verglichen werden. Wer mag sich da noch über die schlappen Zinssätze der alten Hausbank ärgern.

Bitte die Summe aufrunden!

Kostenlose Konten oder verbunden mit dem Gehaltseingang bieten zwar auch DKB, N26 oder Comdirect an. Dass Banken indessen auch das populäre Cashback-System nutzen, ist eher selten. Bislang ist es noch die Domäne der Handelsketten - und man fragt sich insgeheim warum? Trade Republic hat den Namen Saveback gewählt - das Geld soll ja nicht gleich wieder konsumiert werden.

Grundsätzlich ist es ein System, bei dem die Sparer profitieren. Schließlich bekommen sie für jeden Einkauf Geld vom Bankinstitut geschenkt, selbst wenn es nur ein paar Cent sind. Es gibt sogar noch einen Clou: Jeder kann beim Einkauf den Betrag an der Kasse aufrunden oder wie beim Trinkgeld glatte Summen angeben. Das Sparen könnte so zur Routine werden, denn auch kleine Beträge läppern sich, das weiß niemand besser als unser Finanzminister.

Für die Anlage großer Geldbeträge ist die Geldkarte ohnehin nicht konzipiert worden. Trade Republic hat festgelegt, dass der Bonus für jeden Kunden auf 15 Euro pro Monat beschränkt ist. Um den Maximalbetrag auszuschöpfen, müssten (bei einer Erstattung von einem Prozent) monatlich 1.500 Euro per Karte ausgegeben werden. Das Abheben von Geld an ATM-Schaltern oder der Supermarktkasse ist ausgenommen.

Woran verdient Trade Republic?

Wie im Fall Arne Pomplun aus Berlin ist außerdem die Einrichtung eines Trade Republic-Sparplans mit mindestens 50 Euro Startkapital Voraussetzung. Der Kunde zahlt jeden Monat in seinen ETF ein, also in einen börsengehandelten Indexfonds und damit in einen ganzen Strauß aus Aktien. Das ist das Kerngeschäft von Trade Republic, warum sich das Brokerhaus auch ein lukratives Geschäft verspricht von seinem Publicity-Stunt. Rückvergütungen der Handelshäuser und die Umsätze an den Börsenhandelsplätzen dürften sich zum guten Business addieren.

Bislang hatte das Unternehmen Erfolg. Die Zahl der Kunden ist stark angewachsen, deren Vermögen in den Depots von Trade Republic summieren sich auf gut 35 Milliarden Euro. Die Neobroker machen Gewinn und wollen nun neue Felder bestellen. Ob die Karte wirklich zum breiten Erfolg wird, muss sich erweisen. Die Warteliste in Deutschland scheint die Hoffnungen aber zu beflügeln.

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Peter Schubert

Peter Schubert ist stellv. Chefredakteur und schreibt seit November 2023 bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Immobilienthemen. Er hat in Berlin Publizistik, Amerikanistik und Rechtswissenschaften an der Freien Universität studiert, war lange Jahre im Axel-Springer-Verlag bei „Berliner Morgenpost“, „Die Welt“, „Welt am Sonntag“ sowie „Welt Kompakt“ tätig. 

Als Autor mit dem Konrad-Adenauer-Journalistenpreis ausgezeichnet und von der Bundes-Architektenkammer für seine Berichterstattung über den Hauptstadtbau prämiert, ist er als Mitbegründer des Netzwerks Recherche und der Gesellschaft Hackesche Höfe (und Herausgeber von Architekturbüchern) hervorgetreten. In den zurückliegenden Jahren berichtete er als USA-Korrespondent aus Los Angeles in Kalifornien und war in der Schweiz als Projektentwickler tätig.

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