Panorama

Frankreich macht Bauern Zusagen - Blockaden rund um Paris

Frankreichs Regierung hat den Landwirten angesichts sich ausweitender Proteste weitreichende Hilfszusagen gemacht. Was genau den Landwirten angeboten wird!
27.01.2024 11:30
Lesezeit: 2 min
Frankreich macht Bauern Zusagen - Blockaden rund um Paris
Landwirte blockieren eine Autobahn südlich von Paris. Jetzt macht die französische Regierung Zugeständnisse (Foto: dpa) Foto: Thomas Padilla

Während Bauern ihre landesweiten Blockaden am Freitag auf den Großraum Paris ausgedehnten, legte Premierminister Gabriel Attal am Abend ein umfassendes Paket an Hilfsmaßnahmen vor. Die Erhöhung der Besteuerung von Agrardiesel werde zurückgenommen, Nothilfen von 100 Millionen Euro für von Unwettern getroffene Landwirte und den Biosektor bereitgestellt und Hilfen für den unter Überproduktion leidenden Weinbau mobilisiert, sagte Attal. Etliche Vorschriften und Verfahren würden mit sofortiger Wirkung vereinfacht.

„Frankreich ist eine Agrarmacht und ein Land, das seine Landwirte liebt“, betonte Attal bei seinem Besuch auf einem Hof nahe der spanischen Grenze. Der Schutz vor unlauterer Konkurrenz für die Landwirte werde verstärkt und Industrie und Handel würden mit drastischen Strafen belegt, wenn sie die in Frankreich geltenden Regelungen missachteten, die Landwirten ein faires Einkommen sichern sollen. „Wir wollen nicht von den anderen abhängig sein für unserer Ernährung“, sagte Attal, und rief die Bevölkerung auf, wenn möglich, französische Erzeugnisse zu kaufen. Auch in Kantinen solle aus Frankreich stammendes Essen serviert werden.

Für den erst vor gut zwei Wochen ins Amt gekommenen jungen Premier sind die um sich greifenden Bauernproteste eine Feuertaufe, noch vor seiner Regierungserklärung in der kommenden Woche. Mit seinem Redemanuskript auf einem Strohballen liegend sprach Attal fast eine Stunde zu den Landwirten und reihte die Ankündigung zumeist zeitnah greifender Erleichterungen aneinander.

Die Blockaden in Frankreich nahmen unterdessen immer größere Ausmaße an. Alleine im Süden des Landes waren 400 Kilometer Autobahn gesperrt und erstmals wurden im Großraum Paris auch Richtung Hauptstadt führende Autobahnen blockiert. Am Rande eines Protests in Perpignan im Süden geriet auch ein leerstehendes Gebäude einer landwirtschaftlichen Sozialkasse in Brand. Am Abend wollten die Agrarverbände auf die Ankündigungen des Premierministers reagieren und über die Fortsetzung der Proteste entscheiden. Diese richten sich gegen überbordende Normen und Vorschriften, auch von der EU, außerdem kämpfen die Bauern für ein ausreichendes Einkommen.

Dabei sind auch außergewöhnliche Aktionen in Vorbereitung: In La Roche-sur-Yon kündigten Landwirte und Landwirtinnen an, aus Protest nackt auf aufgehäufte Strohballen in einem Kreisverkehr zu steigen, wie der Sender BFMTV berichtete.

Unterdessen brachte ein durch Bauernproteste in der Großstadt Reims ausgelöster Stau ein junges Paar auf dem Weg zum Kreißsaal in große Bedrängnis. Notgedrungen brachte die Frau das Kind im Auto zur Welt, unterstützt von zwei Gemeindepolizisten und einem Feuerwehrmann, wie die Zeitung „L'Est Républicain“ unter Berufung auf die Stadt berichtete. (dpa)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Rente und Pension im Vergleich: Wie groß die Unterschiede wirklich sind
12.08.2026

Die Renten sind im Schnitt deutlich niedriger als die Beamtenpensionen. Eine neue Auswertung aus dem Bundestag zeigt erhebliche...

DWN
Politik
Politik EU-Verpackungsverordnung tritt in Kraft: Welche schärferen Regeln gelten
12.08.2026

Ein Coffee-to-go, eine Pizza zum Mitnehmen und eine Bestellung aus dem Internet, die im riesigen Karton kommt: Ab heute gelten in der EU...

DWN
Politik
Politik Geheimdienst-Reform: BND und Verfassungsschutz bekommen mehr Macht
12.08.2026

Die geplante Reform der Geheimdienste soll laut dem CDU-Politiker Henrichmann mehr Befugnisse bringen: Nachrichtendienste sollen künftig...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg verändert sich: Putins Hinterland wird zur neuen Front
12.08.2026

Die Front bewegt sich kaum noch, doch der Ukraine-Krieg bekommt eine neue Dimension. Ukrainische Drohnen und Raketen treffen Raffinerien,...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Wagenknecht könnte AfD zur Macht verhelfen
12.08.2026

Knapp vier Wochen vor der Wahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD in Umfragen weit vorn. Und das BSW kann sich Hoffnung auf den Sprung über...

DWN
Technologie
Technologie KI-Wasserzeichen: Claude wird unsichtbar markiert und Unternehmen müssen reagieren
12.08.2026

Claude soll künftig unsichtbare Spuren in Texten und Dateien hinterlassen. Anthropic reagiert damit auf neue Vorgaben des EU AI Act, doch...

DWN
Finanzen
Finanzen Neues DAX-Rekordhoch: Warum Anleger Deutschlands Krise ignorieren
12.08.2026

Deutschlands Industrie verliert Arbeitsplätze, Investitionen fehlen und die Konjunktur kommt kaum vom Fleck. Trotzdem jagt der DAX von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland: Arbeitszeit pro Kopf sinkt leicht - Ältere arbeiten mehr
12.08.2026

Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf ist besonders bei Männern und Jüngeren gesunken. Bei Frauen hingegen blieb sie stabil. Woran...