Immobilien

KI wird für viele Immobilien-Firmen überlebenswichtig sein

KI wird bereits in verschiedenen Wirtschaftszweigen eingesetzt, und die Technologie ist auch für den Immobiliensektor nichts Neues. Das Bewusstsein der Branche für Anwendungen wächst schnell. Wie wird KI momentan im Markt angewendet und was sind die Hürden?
01.02.2024 10:41
Aktualisiert: 01.02.2024 10:41
Lesezeit: 3 min
KI wird für viele Immobilien-Firmen überlebenswichtig sein
Große Immobilien-Firmen benutzen bereits KI-Technologien wie Chatbots. (Foto: istockphoto.com/Shutthiphong Chandaeng) Foto: Shutthiphong Chandaeng

Künstlicher Intelligenz (KI) wird in der Immobilien-Branche verstärkt vorangetrieben. Der Einsatz von Technologien aus dem Bereich der KI ist, laut Immobilien-Experten, keine Bedrohung, sondern eine Chance. Für einige Firmen ist die Technologie sogar die einzige Möglichkeit, ihr Geschäft angesichts des aktuellen zunehmenden demografischen Wandels weiterzuführen.

So wird KI derzeit zum Beispiel von Firmen zur Erleichterung von Alltagsaufgaben benutzt, während strategisch geprüft wird, inwieweit KI-Investitionsentscheidungen das Risikomanagement der Unternehmen unterstützen könnten.

Dr. Alexander Hellmuth, Partner bei EY Real Estate und Leiter des Digitalisierungsteams, sagte auf DWN-Anfrage, dass KI bereits in vielen Bereichen eingezogen ist, ohne dass sich die Öffentlichkeit in machen Fällen davon bewusst ist. „Im wohnwirtschaftlichen Bereich gibt es KI-unterstützte Systeme zur Klassifikation von Mieteranfragen und Software zur Texterkennung. KI ist also nicht komplett neu. Der Einsatz nimmt schnell zu. Insbesondere in Backoffice-Bereichen werden die Fortschritte in der Technologie zu großen Automatisierungspotenzialen führen“, so Hellmuth.

Viele größere Wohnungsunternehmen benutzten beispielsweise schon Chatbots, um Mieteranfragen oder Schadensmeldungen automatisch entgegenzunehmen. „Unserer Erfahrung nach ist insbesondere Größe ein Vorteil. KI lebt von skalierbaren Vorgängen. Bei kleinen Unternehmen mit wenig Wiederholung lohnt sich eine große Implementierung zum jetzigen Zeitpunkt oft weniger.“

Studie: 47 Prozent sehen große Veränderungen für Geschäftsmodell durch KI

Laut den Ergebnissen des diesjährigen Trendbarometers Immobilien-Investmentmarkt 2024 für das EY Real Estate, erwarten 47 Prozent der Befragten wesentliche Veränderungen für ihr Geschäftsmodell durch KI. Rund 37 Prozent prüfen derzeit die Anwendung und sieben Prozent nutzen bereits KI in ihrem Geschäftsalltag. Nur neun Prozent sind der Meinung, dass KI ihr Geschäftsmodell in Zukunft nur wenig beeinflussen wird und daher kein Thema ist.

Für die aktuelle EY-Trendbarometer Studie wurden rund 250 Investoren, die in den vergangenen Jahren am deutschen Immobilienmarkt aktiv waren, befragt. Auf die Frage, wie weit ist die Immobilienbranche mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (OpenAI) ist, kommentierten einzelne Marktteilnehmer: „Derzeit (ist KI) noch ein Modethema, aber viele Prozesse werden sich durch KI mittelfristig effizienter abbilden lassen. Wir stehen vor großen Veränderungen.“

Was sind die großen Hürden für die Branche?

Hellmuth zufolge ist ein großes Hindernis bei der Einführung von KI in der Branche die Übersetzung der Basistechnologie in konkreten Anwendungsfällen. So müssten Daten verfügbar gemacht werden, Schnittstellen zur bestehenden Software gebaut und Algorithmen trainiert werden. „Ein Haupthindernis ist sicherlich die Verfügbarkeit von entsprechendem Fachpersonal. KI und Menschen, die sich damit auskennen, ist ja nicht nur in der Immobilienwirtschaft gefragt, sondern im Grunde in allen Branchen.“

Einige Teilnehmer des EY Trendbarometers Immobilien-Investmentmarkt 2024 bemerkten, dass KI die Immobilienwirtschaft zwar nachhaltig beeinflussen würde, doch Datenschutz sich mittelfristig als Hemmnis erweisen könnte.

KI: Chance für den Sektor nachhaltig zu sein

Der allgemeine Konsens ist, dass der Einsatz von Technologien aus dem KI-Bereich der Immobilienwirtschaft eine Chance bietet und für manche Unternehmen teilweise sogar die einzige Möglichkeit ist, um noch weiter existieren zu können. Hellmuth zufolge sind die Belegschaften mancher Immobilien-Firmen im Schnitt schon heute relativ alt. „Für Tätigkeiten wie Hausverwaltung ist es nicht leicht überhaupt Nachwuchs zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund müssen alle Möglichkeiten genutzt werden, mit denen das vorhandene Personal seine Aufgaben maximal effizient erledigen kann. Dafür wird sich KI und insbesondere deren Automatisierungspotenzial als unerlässlich erweisen.“

Einige Bereiche, in denen KI in der Branche schon eingesetzt wird sind Daten- und Informationsverwaltung, verbesserte Prognosen von Immobilienpreisen durch eine umfassende Datenbank, schnellere Abwickelung des Vermietungs- und Verkaufsprozesses, schnellere und fehlerfreie Prüfung von Dokumenten und Verbesserung von Facility Management und Property Management.

Andere Ergebnisse des EY Trendbarometers Immobilien-Investmentmarkt 2024 sind dass, nach zwei Jahren signifikanter Einbrüche auf dem Immobilien-Investmentmarkt, sich die Zeichen einer Bodenbildung verdichten. Die Krise am Markt ist allerdings noch lange nicht vorbei und Insolvenzen werden auch im Jahr 2024 weiter ein Thema sein. Die Sorgenkinder im Sektor bleiben der Wohnungsneubau und Büroimmobilien, während Restrukturierungen in den Fokus rücken und Abwertungen und Insolvenzen auch im Jahr 2024 wichtig sein werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street beendet September uneinheitlich
30.09.2026

Ein turbulenter Monat geht zu Ende – erfahren Sie, welche Dynamiken jetzt die Kurse an der Wall Street bestimmen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreich Staatsverschuldung: Die nächste Gefahr für die Eurozone
30.09.2026

Frankreich galt lange als einer der politischen und wirtschaftlichen Pfeiler der Eurozone. Doch an den Anleihemärkten wächst die...

DWN
Finanzen
Finanzen VW kündigt Tarifvertrag: Was jetzt auf 100.000 Beschäftigte zukommt – und auf die VW-Aktie
30.09.2026

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und kündigt einen Großteil seiner Haustarifverträge. Nach Angaben der IG Metall sind zehn...

DWN
Politik
Politik Innere Sicherheit: Innenministerkonferenz beschließt nicht mehr einstimmig
30.09.2026

Die Innenministerkonferenz verabschiedet sich vom Einstimmigkeitsprinzip, um zukünftig "Blockaden" zu verhindern. Künftig reichen 13...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Unternehmen, die in China tätig sind, stehen vor einer schwierigen Wahl
30.09.2026

Europäische Unternehmen mit Geschäften in China stehen vor einem Dilemma: gegen EU-Recht verstoßen oder gegen chinesisches Recht. Die...

DWN
Politik
Politik Vestager und Nobelpreisträger schlagen KI-Alarm: Kritisches Zeitfenster schließt sich Monat für Monat
30.09.2026

Europa läuft Gefahr, bei künstlicher Intelligenz dauerhaft von den USA und China abhängig zu werden. Margrethe Vestager, zwei...

DWN
Politik
Politik Teilzeitrepublik: Teilzeit boomt, Vollzeit schrumpft: Arbeiten die Deutschen zu wenig?
30.09.2026

Der Staat klagt über Personalmangel – hat aber selbst die höchste Teilzeitquote unter den Beschäftigten. Eine Studie schlägt nun die...

DWN
Politik
Politik Ende des Brexit? Britischer Premier schließt Wiedereintritt in EU nicht aus
30.09.2026

Der Brexit bleibt auch Jahre nach dem Austritt ein Dauerthema im Vereinigten Königreich. Mit seiner Haltung dazu sorgt der britische...