Immobilien

Shopping-Center in Deutschland: Talsohle verlassen und im Aufschwung

KaDeWe in Berlin und Galeria Karstadt Kaufhof sind ins Unglück geraten und haben Insolvenz gemeldet. Doch andere deutsche Einkaufszentren haben die Trendumkehr nach der Corona-Krise geschafft. Der Aufwärtstrend gewinnt schnell an Fahrt. Eine aktuelle Studie ist dem Erfolgsgeheimnis auf die Spur gekommen.
20.02.2024 10:05
Lesezeit: 2 min
Shopping-Center in Deutschland: Talsohle verlassen und im Aufschwung
Es tut sich was in der deutschen Shopping-Center Branche. (Foto: dpa) Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Deutsche Shopping-Center, die einen großen Mix aus verschiedenen Shopping-Möglichkeiten, beispielsweise Dienstleistungs- und Gesundheitsangebote, Lebensmitteleinzelhandel, Mode, Drogerien sowie Freizeit- und Unterhaltungsangebote, unter einem Dach anbieten, haben den Schlag der Corona-Krise gut überwunden. Große Investitionen der Management-Teams in den vergangenen fünf Jahren in Revitalisierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen spiegeln sich jetzt in guten Leistungszahlen in Kategorien wie Mietvolumen und Neuvermietungen wider.

Das sind einige der Hauptergebnisse einer gemeinsamen Studie „Shopping-Center 2024: Bestandsaufnahme und Zukunftsfähigkeit einer Branche“ des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) und EY Real Estate.

Oliver Schweizer, Leiter des Immobiliensektors bei EY in Deutschland, wies darauf hin, dass über 70 Prozent der Center sich durch besonders starke Performancewerte in den Bereichen Mietvolumen, Leerstand und Neuvermietung auszeichnen. Bei drei Viertel der Shopping-Center wurden bei Bestandsmietern Ende 2023 höhere Mieten erzielt als Anfang 2022. „Diese Zahlen bestätigen, dass ein aktiver Ansatz im Center-Management Früchte trägt“, so Schweizer.

Iris Schöberl, Vizepräsidentin des ZIA, sagte viele Shopping-Center wurden während der Corona-Krise unfreiwillig in die Passivität gedrängt und erlebten ein Tief, doch die Trendumkehr sei jetzt geschafft und die Aufwärtsdynamik ist stark. "Mit einem professionellen Center-Management und einem individuellen Angebots-Mix setzen viele Center starke kreative Akzente", kommentierte sie.

Einkaufszentren werden Mittelpunkte des Zusammenlebens

Die Besucherfrequenz in den verschiedenen Einkaufszentren in Deutschland hat noch nicht überall wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht, so Schöberl. „Doch die Pandemie hat einen Entwicklungsprozess beschleunigt, in dem sich immer mehr Shopping-Center zu Mittelpunkten des Zusammenlebens entwickeln. Dieses soziale Plus ist auch eine entscheidende Antwort des stationären Handels auf die digitale Konkurrenz.“

Einzelhandel „bleibt das Herzstück“

Schöberl betonte, dass der Einzelhandel in den Centern weiter eine Schlüsselrolle einnimmt. „Eine lebendige Stadt ohne Handel ist wie ein Auto ohne Räder. Wir brauchen aber verstärkt einen Mehrwert der Marke „Einkaufen plus“, die zusätzlichen Besucherinnen und Besucher in die Center zieht und sie zum Ort sozialer Begegnung macht.“

Der Mix in verschiedenen Centern sieht laut der Studie so aus:

  • Dienstleistungs- und Gesundheitsangebote finden sich mittlerweile in fast allen Centern (89 Prozent)
  • Freizeit- und Unterhaltungsangebote sind auch gut vertreten (52 Prozent)
  • Der Lebensmitteleinzelhandel hat sich als typischer Ankermieter etabliert (75 Prozent)
  • Auch Drogerien haben einen hohen Stellenwert (35 Prozent)

Laut der Analyse zeigt die Branche großes Engagement, wenn es darum geht, Trends vorherzusehen. Managerinnen und Manager sind sich der Bedeutung von Nachhaltigkeit und energetischer Transformation bewusst: Schon 77 Prozent der verschiedenen Center in Deutschland sind zertifiziert und 94 Prozent haben auf Grünstrom umgestellt.

Andreas Hohlmann, Vorsitzender der Task Force Handel beim ZIA, sagte der Kernbefund der Studie war, dass es enorm viel Bewegung in der Branche gibt. „Die Richtung? Mit dem Einsatz modernster digitaler Technologie, einer starken sozialen Komponente und einer Orientierung am Ziel verlässlicher Nachhaltigkeit steuern Shopping-Center in Deutschland in beachtlichem Tempo Richtung Zukunft“, so Hohlmann. „Der Handel bleibt das Herzstück.“

Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC sind die Generation der Babyboomer (55- bis 75-Jährigen) wirtschaftlich derzeit der Motor, der den Handel in Deutschland am Laufen hält. Die Analyse kommt zum überraschenden Ergebnis, dass die Babyboomers sogar online für reichlich Umsatz sorgen. So gehen 62 Prozent demnach monatlich online und 44 Prozent bewerten die Digitalisierung als echte Erleichterung für ihr Leben. Die anfängliche Scheu gegenüber Internet und neuen Medien ist fast völlig verflogen, so der PwC -Befund.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Zeit für vernachlässigte Aktien und den Energiesektor
25.10.2026

Die kommende Woche wird eine der wichtigsten dieser Berichtssaison.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi baut US-Werk für SUVs: Jobverluste in Deutschland drohen  
25.10.2026

US-Präsident Donald Trump verkündet den Bau eines neuen Autowerks von Audi in den USA. Daraufhin entzündet sich am Auftritt des...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Zeit für vernachlässigte Aktien und den Energiesektor
25.10.2026

Die Ergebnisse amerikanischer Unternehmen übertrumpfen die Marktstimmung deutlich, doch Sorgen über KI-Kosten trüben die Aussichten....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kapitalismus lebt: Warum Yanis Varoufakis mit seiner Theorie vom Technofeudalismus zugleich falsch und richtig liegt
25.10.2026

Der Kapitalismus ist tot. An seine Stelle ist ein neofeudales System getreten, in dem sich die Macht in den Händen der Eigentümer...

DWN
Finanzen
Finanzen OpenAI-IPO: Die wahre Sorge der Finanzchefin vor dem Börsengang
25.10.2026

Während die Finanzwelt auf den milliardenschweren OpenAI-Börsengang wartet, treibt Finanzchefin Sarah Friar eine ganz andere Sorge um:...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Arbeitnehmer in der Dauerkrise: Immer mehr psychische Erkrankungen
25.10.2026

Die Krisen der vergangenen Jahre hinterlassen Spuren in der Psyche vieler Menschen und am Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitnehmer fallen...

DWN
Technologie
Technologie Adobe-Alternative kostenlos: Ein verärgerter Kunde fordert den Milliardenkonzern heraus
25.10.2026

Ein Kunde will sein Adobe-Abo kündigen und soll dafür auch noch bezahlen. Seine Rache könnte den Software-Riesen teuer zu stehen kommen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI im Unternehmen: Warum ChatGPT allein noch keine Prozesse automatisiert
25.10.2026

ChatGPT schreibt Texte, fasst Informationen zusammen und spart Mitarbeitern Zeit. Doch wer KI wirklich zur Prozessautomatisierung nutzen...