Politik

Signa-Pleite: Sind 680 Millionen Euro Steuergelder für Galeria Karstadt Kaufhof futsch?

Die Folgen der Pleite von Signa und des Immobilienimperiums rund um den österreichischen Investor Réne Benko zieht weitere Kreise. Offenbar sind nun 680 Millionen Euro, mit denen der kriselnde Kaufhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof 2020 vom deutschen Staat gestützt wurde, verloren. Peinlich - und teuer!
28.02.2024 10:20
Aktualisiert: 28.02.2024 15:00
Lesezeit: 2 min

Im März 2020 leidet die deutsche Wirtschaft massiv unter dem ersten Corona-Lockdown. Für den kurz zuvor fusionierten Galeria Karstadt Kaufhof-Konzern sind Einnahmen überlebenswichtig, doch die Umsätze brechen im Lockdown weg - nur dank erfolgreicher Verhandlungen mit den Gläubigern und dank der Aussicht auf staatliche Hilfen geht es beim Warenhauskonzern weiter.

680 Millionen Euro Coronahilfen sind damals an Galeria Karstadt Kaufhof geflossen. Wie sich jetzt zeigt, sind die staatlichen Hilfen, die der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) dem Kaufhauskonzern gezahlt hatte, offenbar ohne eine solide Absicherung und ohne eine genaue Prüfung des Benko-Konzerns geflossen. Nach der Signa-Pleite haben nun Investoren Strafanzeige gegen René Benko gestellt. Es besteht der Verdacht, dass dieser kurz vor der Insolvenz noch Millionensummen verschoben haben soll.

Großteil der Hilfen war nicht besichert

Aus dem WDR vorliegenden Dokumenten soll hervorgehen, dass der WSF anscheinend schon damals mit einer erneuten Insolvenz von Galeria Karstadt Kaufhof gerechnet hat. Für diesen Fall wurde vertraglich vereinbart, dass dann die offenen Forderungen an Signa verkauft werden sollten. Als die Vereinbarung im März 2023 getroffen wurde, waren vom ursprünglichen Betrag nur noch knapp 90 Mio. der Forderung besichert. Die Signa Holding hätte für die Restforderung nur noch 27 Mio. Euro zahlen sollen. Auch wurde keinerlei Regelung für den Fall getroffen, dass auch die Signa Holding Pleite gehen könnte. Dies ist aber Ende 2023 eingetreten.

René Benko wurde bei diesem Konstrukt nicht in Mithaftung genommen. Er profitierte von den Staatshilfen, da Galeria Karstadt Kaufhof seine Mieten ebenfalls an Signa zahlte. Somit flossen Millionensummen der Steuergelder direkt ins Benkos Imperium zurück.

Keine Prüfung im Wirtschafts- und Finanzministerium

Dass eine weitere Insolvenz bei Galeria nicht zu vermeiden ist, hätte bereits der Jahresabschluss der Signa Retail Selection AG gezeigt. Diese wies zum Geschäftsjahresende im September 2022 einen Verlust in Höhe von knapp 1,4 Mrd. Euro aus. Der Signa-Konzern selbst hatte seit Jahren keine Konzernbilanzen mehr vorgelegt. All diese Umstände wurden beim WSF nicht berücksichtigt. Die Steuergeldhilfen an die kriselnde Galeria waren somit ein echtes Vabanquespiel. Außerdem setzte sich der WSF bei der Vergabe auch über EU-Recht hinweg. Während der Coronakrise durften Unternehmen nur dann staatliche Unterstützung erhalten, wenn sie am 31.12.2019 noch mindestens über die Hälfte ihres Eigenkapitals vorweisen konnten. Bei Galeria war das zu diesem Zeitpunkt bereits bei null.

Benkos Netzwerk in höchste Politkreise

Benko verfügt über ausgezeichnete Verbindungen zum ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der wiederum enge, jahrzehntelange Beziehungen zu Olaf Scholz (SPD) unterhält. Scholz war als Finanzminister auch für die Corona-Staatshilfen zuständig. Gusenbauer wurde nach seinem Ausscheiden aus dem Amt bei Signa tätig – bis zur Insolvenz.

Auch für andere Großprojekte in Berlin und München sowie den Hamburger Elbtower hatte Benko ein dichtes Netz an Lobbyisten aufgebaut, die Verbindungen in die obersten Etagen der deutschen Politik pflegten. Benko beschäftigte die PR-Agenturen von Ole von Beust und Joschka Fischer. Auch der ehemalige österreichische Kanzler Sebastian Kurz war als Berater für ihn tätig.

Die Signa Pleite kann auch in Deutschland Milliardenschäden hinterlassen. Viele dutzend Großbaustellen des österreichischen Immobilien-Imperiums liegen in deutschen Großstädten brach. Bei den deutschen Banken sind viele hundert Millionen an Krediten stark gefährdet. Die Steuergelder aus der Coronahilfe für Galeria Karstadt Kaufhof werden wir wohl nicht wiedersehen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Preis-Leistungs-Check: Lynk & Co 01 mit 280 PS und Vollausstattung
08.03.2026

Der Lynk & Co 01 kombiniert als Plug-in-Hybrid-SUV 280 PS, großzügige Ausstattung und einen Preis von 36.000 bis 40.000 Euro zu einem...

DWN
Politik
Politik Sachverständigenrat: Deutsche Regierung schlägt Felbermayr als "Wirtschaftsweisen" vor
08.03.2026

Ums Personal eines der wichtigsten Beratergremien der Bundesregierung gab es kürzlich Aufregung. Jetzt präsentiert Schwarz-Rot einen...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuerbetrug mit Luxusautos: Festnahmen bei EU-weiter Razzia
08.03.2026

Großaktion gegen Steuerbetrug: In neun EU-Ländern durchsuchen Beamte Objekte. Die Köpfe des weit verzweigten Netzwerks sollten in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Produktion unter Druck: Warum Deutschland die Verlagerung nach Osteuropa bereut
08.03.2026

Die Verlagerung der Produktion nach Osteuropa galt lange als bewährte Strategie deutscher Industrieunternehmen, um Kosten zu senken und...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation in der Eurozone: EZB vor dem nächsten Zinsschock
07.03.2026

Die Inflation in der Eurozone galt vielen bereits als gebändigt. Doch ausgerechnet Frankreich und Spanien liefern neue Preissignale, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsengänge 2026: Diese zehn IPO könnten den Aktienmarkt prägen
07.03.2026

Raumfahrt, Künstliche Intelligenz, Rüstung und Fintech - Unternehmen aus verschiedenen Bereichen planen in diesem Jahr Börsengänge....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rekrutierung von Führungskräften: Wie Unternehmen Fehlbesetzungen vermeiden
07.03.2026

Fehlbesetzungen im Management entstehen oft weniger aus mangelnder Qualifikation als aus Schwächen im Rekrutierungsprozess und in der...

DWN
Finanzen
Finanzen Angriff auf PayPal, Visa, Mastercard: Digitaler Euro rückt näher
07.03.2026

Der digitale Euro soll Europa unabhängiger von US-Zahlungsanbietern machen. In Brüssel wird über den finalen Gesetzestext verhandelt,...