Politik

Nimmt Putin auch noch Moldau ins Visier? Separatisten in Transnistrien bitten Russland um Schutz

Lange schon befürchtet EU-Beitrittskandidat Moldau eine russische Aggression im Separatistengebiet Transnistrien, das an die Ukraine grenzt. Nun wenden sich die dortigen Machthaber direkt an Moskau - mit der Bitte um Schutz. Es könnte der nächste Kriegsschauplatz in Europa werden.
29.02.2024 06:40
Lesezeit: 2 min
Nimmt Putin auch noch Moldau ins Visier? Separatisten in Transnistrien bitten Russland um Schutz
Russlands Präsident Wladimir Putin im Gespräch mit seinem Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Ob sich die beiden wohl bald das pro-russische Separationsgebiet Transnistrien in Moldau einverleiben wollen? (Foto: dpa) Foto: Alexander Zemlianichenko

Zuletzt gab es vermehrt Anzeichen von wachsenden Spannungen im Konflikt um das abtrünnige pro-russische Separatistengebiet Transnistrien in Moldau. Nun bitten die Machthaber der nicht anerkannten Transnistrischen Moldauischen Republik Russland um Hilfe bei der Wirtschaftsblockade durch den Staat Moldau. Dies berichten zumindest russische Quellen, wobei sie sich auf eine Resolution beziehen, die in Transnistien vom Sonderkongress der Abgeordneten angenommen wurde.

Die Machthaber des Separatistengebiets, das an die Ukraine grenzt, stimmten heute am 28. Februar für eine entsprechende Resolution, aus der moldauische Medien zitierten. Transnistrien wolle sich demnach an den russischen Föderationsrat sowie die Staatsduma wenden "mit der Bitte über die Realisierung von Maßnahmen zum Schutz Transnistriens angesichts des zunehmenden Drucks durch Moldau". "Die kritische Situation erfordert ein dringendes und möglichst aktives internationales Eingreifen, um eine Eskalation der Spannungen zu verhindern und eine krisenhafte Entwicklung der Situation zu vermeiden", heißt es in dem Dokument. Was genau sie von Russland erwarten, ist daraus aber nicht ersichtlich.

Das russische Außenministerium teilte dazu am Nachmittag mit, dass die zuständigen Ministerien diesen Antrag prüfen wollten. Das russische Außenamt verlautbarte folgendes: "Der Schutz der Bewohner Transnistriens, unserer Landsleute, ist eine der Prioritäten."

Neue Front im Ukrainekrieg?

Beim EU-Beitrittskandidaten Moldau, der zwischen der Ukraine und Rumänien liegt, dürften diese Nachrichten die Angst vor einer russischen Aggression auch auf ihrem Staatsgebiet schüren - erst recht, weil Russland bereits seit Jahrzehnten eigene Soldaten in Transnistrien stationiert hat. Die Region ist seit den 1990er-Jahren von Moldau abtrünnig. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 haben sich moldauische Politiker immer wieder sehr besorgt gezeigt. Beobachter warfen Russland zudem vor, die Region zu destabilisieren.

Die Machthaber in Transnistrien verwiesen in ihrem Appell auch auf russische Staatsbürger, die in dem Separatistengebiet lebten. Der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti zufolge bitten die Separatisten Russland darum, Maßnahmen zu ergreifen "unter Berücksichtigung der Tatsache des ständigen Aufenthalts von mehr als 220.000 russischen Staatsbürgern auf dem Territorium der Transnistrischen Moldauischen Republik und der einzigartigen positiven Erfahrung der russischen Friedenssicherung am Dnjestr".

Das klingt wie die Bitte nach einer Militäroperation. Transnistrien könnte zu einer neuen Front im Ukrainekrieg werden. Die Ukraine befürchtet schon länger, dass Russland Transnistrien als Startpunkt für einen Angriff der ukrainisischen Hafenstadt Odessa nutzen könnte.

Transnistrien ist schon seit vielen Jahren ein Pulverfass im Osten

Die von pro-russischen Separatisten kontrollierte selbsternannte Republik Transnistrien liegt im Südwesten Moldaus an der Grenze zur Ukraine. Die Region ist seit den 1990er-Jahren von Moldau abtrünnig. Beim letzten Sonderkongress im Jahr 2006 verkündeten die Separatisten ein Referendum für einen Anschluss an Russland, für das sich später eine große Mehrheit der Bevölkerung aussprach. In den letzten Monaten hatte es in der Separatistenregion vermehrt rumort. Schon 2022 kam es zu mehreren Explosionen mit ungeklärter Ursache.

Letzte Woche erklärte das russische Verteidigungsministerium, die Ukraine würde selbst einen militärischen Angriff auf Transnistrien planen - Beweise dafür legte man aber nicht vor.

Gemäß der russischen Militärdoktrin sind Einsätze der Armee auch außerhalb des eigenen Staatsgebiets erlaubt, wenn es um den vermeintlichen Schutz russischer Staatsbürger geht. Aktuell erkennt der Kreml Transnistrien offiziell nicht als eigenen Staat an, unterstützt die Bevölkerung aber wirtschaftlich, etwa mit kostenlosen Gaslieferungen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SanDisk und Micron führen Erholung der Chipaktien an, während Großbanken nachgeben
19.10.2026

Verfolgen Sie die entscheidenden Entwicklungen an der Wall Street und entdecken Sie, welche Sektoren die Märkte am Montag bewegten.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Traditionsunternehmen Miele: Mittelständler mit Milliarden-Umsatz - Chef stirbt im Alter von 98 Jahren
19.10.2026

Als Hersteller für Haus- und Gewerbegeräte ist Miele weltweit bekannt. In Westfalen wurde das Traditionsunternehmen 1899 gegründet. Als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bald treffen die Giganten aufeinander: Die Wette auf Indien könnte lukrativer sein als die auf China
19.10.2026

Wenn nur zehn Prozent der Inder, die heute kein Auto besitzen, in den kommenden Jahrzehnten Eigentümer eines Neuwagens würden, sprächen...

DWN
Politik
Politik Steuerzinsen 2027: Nachzahlungen sollen doppelt verzinst werden
19.10.2026

100.000 Euro Steuernachzahlung, zwei volle Zinsjahre: Heute können daraus 3.600 Euro Zinsen werden. Unter dem geplanten neuen Satz wären...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VW ID. Buzz im Test: Übernachten im Elektroauto wird zum Geduldsspiel
19.10.2026

Im Elektroauto schlafen, morgens Kaffee kochen und dabei unabhängig vom Campingplatz bleiben. Der neue Campingmodus des VW ID. Buzz soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Was wäre, wenn ich statt des S&P 500 einfach seine Mutter kaufen würde?
19.10.2026

Ohne das Unternehmen S&P Global könnten die Finanzmärkte nur schwer funktionieren. Der Aktienkurs ist in diesem Jahr jedoch auf ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin und Co.: Sparkassen starten schrittweise Kryptohandel
19.10.2026

Der Wettbewerb im Kryptohandel nimmt zu: Nun wollen auch die Sparkassen mit einem eigenen Angebot Privatkunden ansprechen. Sie rollen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Anthropic: Milliardenverluste, Millionengehälter und ein gigantischer Börsenplan
19.10.2026

18 Millionen Dollar Vergütung für den Chef, fast 42 Milliarden Dollar Verlust für das Unternehmen: Beim KI-Entwickler Anthropic liegen...