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US-Präsident Joe Biden im Gesundheitscheck: Verschleiß, Atemmaske und steifer Gang

Mit 81 Jahren ist Joe Biden der älteste aktive US-Präsident aller Zeiten. Ist er fit genug für einen der härtesten Jobs der Welt? Sein Arzt sagt ja. Doch angesichts seines steifen Gangs, regelmäßiger Stolperer beim Gehen und Aussetzer beim Reden haben einige in den USA daran Zweifel. Joe Biden im Gesundheitscheck!
29.02.2024 11:27
Lesezeit: 3 min
US-Präsident Joe Biden im Gesundheitscheck: Verschleiß, Atemmaske und steifer Gang
Joe Biden, Präsident der USA, spricht auf einer Veranstaltung. Mit 81 Jahren ist er der älteste aktive US-Präsident aller Zeiten. (Foto: dpa) Foto: Manuel Balce Ceneta

Joe Bidens Alter ist Dauerthema im US-Präsidentschaftswahlkampf. Er hat zwar mit allerlei Wehwehchen zu kämpfen, ist nach Einschätzung seiner Ärzte aber uneingeschränkt fit für seinen Job. Das Weiße Haus veröffentlichte am Mittwoch (Ortszeit) den neuesten Gesundheitscheck des 81-Jährigen. Auf sechs Seiten werden darin diverse kleinere Gebrechen aufgelistet, darunter wie schon in früheren Jahren auch wenig schmeichelhafte Dinge wie allgemeiner "Verschleiß" und ein "steifer Gang". Bidens Arzt bescheinigt dem ältesten US-Präsidenten aller Zeiten aber, er sei "gesund", "aktiv" und ohne Einschränkung in der Lage, die Aufgaben seines Amtes zu erfüllen. Eben daran gibt es wegen Bidens hohem Alter, regelmäßiger kleiner Aussetzer und einem zuletzt veröffentlichten explosiven Untersuchungsbericht in anderer Sache aber durchaus Zweifel.

Es ist eine Besonderheit in der US-Politik, dass Präsidenten regelmäßig offenlegen müssen, wie es um ihre Gesundheit bestellt ist. Rechtlich ist das nicht vorgeschrieben, es ist aber zu einer Art Ritual geworden, um das kein Amtsinhaber herumkommt. Ein Mal im Jahr lassen US-Präsidenten daher ausführliche Tests und Routine-Untersuchungen über sich ergehen, deren Ergebnisse dann in einiger Ausführlichkeit publiziert werden. Biden besuchte dazu am Mittwoch das Walter-Reed-Militärkrankenhaus nahe der Hauptstadt Washington.

Hüftbeschwerden, Atmungsstörung, aber "kein Tremor"

In dem sechsseitigen Bulletin, das sein Arzt Kevin O'Connor im Anschluss herausgab, heißt es, der Demokrat fühle sich gut und es gebe keine neuen gesundheitlichen Bedenken. Aufgelistet sind allerdings diverse bereits bekannte Wehwehchen des Präsidenten. Der 81-Jährige hat demnach mit allgemeiner Abnutzung der Wirbelsäule zu kämpfen. "Der Gang des Präsidenten ist nach wie vor steif, hat sich aber seit letztem Jahr nicht verschlechtert", schrieb der Arzt dazu. Zuletzt habe Biden bei aktiver Betätigung auch vermehrt Beschwerden in der linken Hüfte zu beklagen gehabt.

Seit mehreren Monaten trägt der mächtigste Mann der Welt wegen einer Schlafapnoe außerdem "fast jede Nacht" eine Atemmaske. Das habe sich bewährt, schrieb der Arzt. Eine Schlafapnoe ist eine schlafbezogene Atmungsstörung, bei der Betroffene Atemaussetzer im Schlaf erleiden. Das führt dazu, dass Betroffene morgens nicht erholt aufwachen. Biden leidet außerdem unter einer Refluxkrankheit. Die Verdauungserkrankung hat dem Arzt nach zur Folge, dass Biden sich häufiger räuspern und husten muss.

Was der Mediziner, wie in früheren Berichten, sonst noch anmerkt: Der Präsident rauche nicht, trinke keinen Alkohol und treibe an "mindestens fünf Tagen pro Woche" Sport. Er sei 1,83 Meter groß und wiege knapp 81 Kilo.

Die Ergebnisse des Berichts gleichen weitgehend den Resultaten früherer Untersuchungen. Bidens Alter ist bei der Lektüre des Bulletins dennoch omnipräsent - etwa in Bemerkungen, dass es keine Anzeichen für mögliche Schlaganfälle oder Parkinson gebe und der Präsident "keinen Tremor" aufweise.

Die Sache mit dem Alter

Der Gesundheitszustand des Präsidenten stößt in den USA generell auf gesteigertes öffentliches Interesse. Für Biden gilt das angesichts seines hohen Alters umso mehr. Er war 2021 als ältester Präsident aller Zeiten ins Weiße Haus eingezogen und will im November für eine zweite Amtszeit antreten. Sollte er das schaffen, wäre er an deren Ende 86 Jahre alt. In Teilen der Bevölkerung und Bidens eigener Partei hält sich der Enthusiasmus für seine Wiederwahlkampagne daher in Grenzen.

Biden macht regelmäßig Schlagzeilen mit Patzern, Versprechern und kleineren Fehltritten. Konkurrenten aus den Reihen der Republikaner - allen voran Bidens wahrscheinlicher Herausforderer bei der Wahl im November, sein Amtsvorgänger Donald Trump - nutzen solche Fauxpas ausgiebig, um Bidens mentale und körperliche Fitness infrage zu stellen.

Zuletzt hatte noch dazu die Veröffentlichung eines Ermittlungsberichts in der Affäre um die Aufbewahrung von Geheimdokumente bei Biden für großes Aufsehen gesorgt, weil der Demokrat in dem Report als tattriger Greis dargestellt wurde - als "wohlmeinender älterer Mann mit einem schlechten Gedächtnis", dessen Erinnerungsvermögen "signifikant eingeschränkt" sei. Biden wies die Darstellung empört zurück und beteuerte, sein Gedächtnis sei vollkommen in Ordnung.

Kein kognitiver Test

Am Mittwoch war das Weiße Haus dennoch einmal mehr mit mehreren Nachfragen konfrontiert, warum der Präsident bei dem Routine-Gesundheitscheck nicht auch einen Test zu seiner mentalen Fitness gemacht habe, um seine kognitiven Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. "Der Präsident braucht keinen kognitiven Test», sagte Bidens Sprecherin Karine Jean-Pierre dazu. Das sei die einhellige Einschätzung seiner Ärzte. "Er absolviert jeden Tag einen kognitiven Test, wenn er von einem Thema zum nächsten wechselt», betonte sie. Biden habe als Präsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte einen sehr fordernden Job. "Und der Präsident war in den letzten drei Jahren in der Lage, diese Aufgabe jeden Tag zu erfüllen."

Auch Trump war während seiner Amtszeit - wegen seines erratischen Politikstils, teils chaotischer Zustände und verbaler Fehltritte - mit Zweifeln an seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit konfrontiert gewesen. Der Republikaner entschied sich damals, seine geistigen Fähigkeiten überprüfen zu lassen, und machte einen Test, wie er unter anderem zur Früherkennung bei Verdacht auf Demenz und Alzheimer angewandt wird. Dabei muss der Patient etwa gezeichnete Tiere wie einen Löwen oder ein Nashorn erkennen oder einen Würfel nachzeichnen. Dazu kommen Fragen, die Konzentrationsfähigkeit und Erinnerungsvermögen überprüfen sollen. Trump bestand einst mit 30 von 30 Punkten - und hoffte wohl, mit diesem Resultat Spekulationen mit Blick auf seine Eignung zur Ausübung des Amtes ein Ende zu setzen. Dies hatte jedoch nur begrenztem Erfolg. Auf eine Wiederholung des Testes in den Jahren danach verzichtete Trump. (dpa)

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