Finanzen

Allzeithochs bei DAX, MSCI World und Co.: Jetzt besser nicht investieren?

Zahlreiche Aktienindizes sind kürzlich auf Rekordhochs gestiegen, der deutsche DAX beispielsweise kletterte im gestrigen Montagshandel auf über 17.630 Punkte. Sollten Anleger jetzt mit dem Markteinstieg warten und einen Sparplan aussetzen?
Autor
23.02.2024 10:02
Lesezeit: 3 min
Allzeithochs bei DAX, MSCI World und Co.: Jetzt besser nicht investieren?
US-amerikanische Flaggen wehen in New York Citys Finanzdistrikt Wall Street. Sollten Anleger nun trotz der Allzeithochs bei DAX, MSCI World und Co. investieren? (Foto: dpa) Foto: Stephen Shaver

Zahlreiche Indizes haben neue Allzeithochs erobert, zum Beispiel der DAX, der S&P 500 oder der MSCI World-Index. Der S&P 500 etwa knackte Anfang Februar erstmals die 5.000-Punkte-Marke.

Manchen Anlegern bereitet die Rallye Sorgen: Sie fragen sich, ob die Kurse nicht zu hoch für einen Einstieg sind oder ob nicht bald ein Crash folgen könnte – nicht zuletzt auch wegen der Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed.

Am besten sofort investieren

Klaus Porwoll von Pecuniars rät indes von einer Abwartehaltung ab. „Markt-Timing, also Investitionen nach der Entwicklung am Kapitalmarkt oder nach Prognosen auszurichten, funktioniert nicht und gelingt selbst Profianlegern bestenfalls in Ausnahmefällen“, erklärt der Honorar-Finanzanlagenberater schriftlich gegenüber DWN.

Der richtige Einstiegszeitpunkt am Aktienmarkt sei immer jetzt. „Stellen Sie sich nur vor, der Markt läuft – trotz Allzeithoch – weiter nach oben. Dann kommt man womöglich nicht mehr in den Markt und verpasst einen erheblichen Teil der Aufwärtsbewegung.“

Laut einer Analyse des US-Vermögensverwalters Global Asset Management sind Allzeithochs eher eine Regel denn eine Besonderheit. Langfristig wachsen nämlich die Wirtschaft und die Unternehmensgewinne und somit steigen auch die Indizes entsprechend an.

Laut der Analyse gab es beim S&P 500 zwischen 1950 und Ende 2020 mehr als 1100 Allzeithochs. Das waren 16 pro Jahr oder ein Allzeithoch alle 23 Tage. Nach den meisten folgte kein Crash: Bloß bei 6,5 Prozent aller Allzeithochs waren die Kurse nach 12 Monaten mindestens 10 Prozent tiefer. Nach drei Jahren waren es noch 1,6 Prozent. Nach zehn Jahren stand niemals ein Minus von 10 Prozent oder mehr zu Buche.

Laut den Berechnungen des Vermögensberaters Gerd Kommer rentierte der S&P 500 nach einem Allzeithoch sogar überdurchschnittlich. Demnach stieg der Index zwischen 1926 und 2020 um 10,3 Prozent pro Jahr. In den 12 Monaten nach Erreichen eines Allzeithochs waren es hingegen 13,9 Prozent (24 Monate danach: 11,2 Prozent pro Jahr, 36 Monate: 10,5 Prozent). Ursache könnte der Zufall sein, aber auch ein möglicher Momentum-Effekt, erklärt Kommer.

Aktienmärkte sind nicht generell überbewertet

Experten sehen die Aktienmärkte zudem nicht als generell überbewertet an. Teuer seien vor allem Tech-Aktien aus den USA, erklärte der Portfoliomanager Reinhard Panse kürzlich gegenüber DWN. Das zeigten Modelle, die den Kurs ins Verhältnis zu den Dividenden, Gewinnen und dem Buchwert setzten.

„Heute hat der US-Aktienmarkt – diesmal aufgrund der Fantasie bezüglich Künstlicher Intelligenz (KI) – wieder fast dasselbe Bewertungsniveau wie vor 23 Jahren erreicht“, erklärte Panse mit Blick auf die Dotcom-Blase. Europäische Aktien seien gerade einmal halb so teuer und deutsche Titel erreichten nur 38 Prozent des damaligen Bewertungsniveaus.

Dementsprechend rät Honorarberater Klaus Porwoll davon ab, mit Investments zu warten. Wenn man Geld langfristig anlege und breit diversifiziere, „dann ist es egal, wo der Aktienmarkt steht“, erklärt er. Denn langfristig würden Aktien die höchsten Renditen bieten.

Eine Rechnung des Schwab Centre for Financial Research legt denn auch nahe, dass der Einstiegszeitpunkt auf lange Sicht keine so große Rolle spielt. Die Finanzökonomen verglichen drei Anleger miteinander, die pro Jahr 2000 US-Dollar in ein „S&P 500“-Portfolio investierten (von 2003 bis 2022).

Ein Anleger mit Glück investierte dabei immer am Tag mit dem geringsten Schlusskurs. Ein passiver Anleger investierte direkt am Jahresanfang die gesamte Summe und ein Anleger mit Pech erwischte stets den Tag mit dem höchsten Schlusskurs.

Dennoch lag der Anleger mit Glück nicht sehr weit vorne: Nach den 20 Jahren hatte er nur 8,2 Prozent mehr Endvermögen als der passive Anleger (138.000 versus 127.500 US-Dollar). Der Anleger mit Pech kam auf immerhin 112.300 US-Dollar. Am schlechtesten fuhr ein Anleger, der sein Geld auf dem Bankkonto liegen ließ (43.900 US-Dollar vor Steuern, Inflation und Anlagekosten).

Wie sollten sich Anleger verhalten?

Porwoll rät daher, so früh wie möglich einzusteigen. Wer sich mit einem größeren Einmalinvestment nicht wohlfühle, solle die Summe in mehrere Raten aufteilen und nach und nach in den Markt gehen. „In diesem Fall würde ich aber feste Kaufzeitpunkte festlegen und diese auch unabhängig von der Marktentwicklung oder von Prognosen umsetzen“, empfiehlt der Berliner.

Einen Sparplan solle man niemals aussetzen, sondern unabhängig von der Entwicklung am Kapitalmarkt weiterlaufen lassen. „Am besten richtet man ihn ein und schaut zu bestimmten Zeitpunkten drauf, vielleicht ein- oder zweimal im Jahr, um zu überprüfen, ob das Investment noch zu den persönlichen Zielen passt.“ Dabei solle man sich vor Augen halten, dass man bei sinkenden Kursen günstiger einkaufe.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Elias Huber

Elias Huber arbeitet als freier Journalist und Honorar-Finanzanlagenberater. Der studierte Volkswirt schreibt vor allem über die Themen Wirtschaft und Geldanlage. 

DWN
Politik
Politik Steht der Länderfinanzausgleich auf der Kippe? Union droht bei Linksregierung mit Geldentzug
29.09.2026

Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin könnte diese bald die Regierung anführen. Die CDU- und CSU-geführten Bundesländer drohen...

DWN
Politik
Politik Winterzeit, Tankrabatt, Bahnhöfe: Was sich im Oktober ändert
29.09.2026

Die Sommerzeit endet schon wieder und das Alkoholverbot an Bahnhöfen kommt - ein Blick auf die Neuerungen im Oktober.

DWN
Finanzen
Finanzen Medios-Aktie: Konzern peilt bis 2031 Umsatz von 3,1 Milliarden Euro an
29.09.2026

Medios-Aktie gefragt: Medios will Umsatz und Ergebnis bis 2031 deutlich steigern. Die Berliner wollen sich mit der Strategie „Medios Next...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
29.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...

DWN
Politik
Politik Klima-Transformation: Das steckt hinter dem Umbau der Stahlindustrie
29.09.2026

Weg von Kohle, hin zu Wasserstoff: Die deutsche Stahlindustrie steckt Milliarden in die Produktion von grünen Stahl. Doch die...

DWN
Politik
Politik Fachkräftemangel: Einwanderer 2025 in vielen Berufen unverzichtbar
29.09.2026

Mehr als ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland hat Wurzeln im Ausland. Besonders in Berufen, in denen händeringend Fachkräfte...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreich Staatsverschuldung: Die nächste Gefahr für die Eurozone
29.09.2026

Frankreich galt lange als einer der politischen und wirtschaftlichen Pfeiler der Eurozone. Doch an den Anleihemärkten wächst die...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Wall Street schließt im Minus, während sich der Anleiheausverkauf fortsetzt
28.09.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Erfahren Sie, welche entscheidenden Faktoren die Wall Street heute in Atem hielten.