Finanzen

Microliving, Tiny Houses und Co.: So investieren Anleger in alternative Wohntrends

Kleine Wohneinheiten und Tiny Houses sind im Kommen. Auch Anleger können in alternative Wohnformen investieren – allerdings sind die Möglichkeiten begrenzt.
Autor
24.03.2024 09:00
Aktualisiert: 24.03.2024 10:00
Lesezeit: 3 min
Microliving, Tiny Houses und Co.: So investieren Anleger in alternative Wohntrends
Optionen, in Microliving zu investieren, sind derzeit noch begrenzt – und riskant. (Foto: Shutter2U/iStock) Foto: Shutter2U

Microliving ist ein wachsender Markt. Die zunehmende Zahl an Senioren, die Versingelung der Haushalte und die weiter hohe Zahl an Studenten pusht die Nachfrage nach kleinen Ein-Zimmer-Wohnungen. Die Immobilienmarktforscher von Savills rechnen bis 2026 mit etwa 13 Prozent mehr Studentenwohnungen allein in den 30 größten Universitätsstädten in Deutschland.

Gleichwohl sind die Anlagemöglichkeiten für Privatanleger „sehr rar“, erklärt Matti Schenk von Savills gegenüber DWN. Der Immobilienforscher beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit dem Markt für Studenten- und Mikrowohnen. Ihm sind in Deutschland keine Publikumsfonds oder Wohnimmobilien-Aktiengesellschaften mit größerem Engagement bekannt.

„Will ein Anleger über den Kauf von Aktien oder Publikumsfondsanteilen in das Segment einsteigen, so muss man meiner Meinung nach auf ausländische Märkte, allen voran Großbritannien, schauen“, erklärt Schenk. Etwa ist die Unite Group der führende Anbieter von Studentenwohnheimen in Großbritannien. Der Konzern aus Bristol betreibt 70.000 Betten in 163 Studentenwohnheimen und ist im britischen Leitindex FTSE 100 gelistet.

„Hohe Kaufpreise, magere Rendite“

Das Unternehmen schüttet als sogenannter Real Estate Investment Trust (REIT) regelmäßig hohe Dividenden aus. Bei dieser Sonderform einer Immobiliengesellschaft werden Gewinne in Großbritannien geringer versteuert und mindestens 90 Prozent müssen pro Jahr an die Anleger ausgezahlt werden.

Daneben gibt es auch Immobilien-Projektentwickler, die kleine Ein-Zimmer-Wohnungen bauen und an Privatanleger verkaufen. Privatanleger streichen die Mieteinnahmen ein und können das Objekt weiterverkaufen. Der Projektentwickler oder ein verbundenes Unternehmen übernimmt in der Regel die gesamte Bewirtschaftung gegen Entgelt. Einsteigen lässt sich bereits mit 120.000 bis 130.000 Euro.

Laut Matti Schenk würden die meisten Anbieter aber bloß mit institutionellen Investoren zusammenarbeiten. Es gebe mit iLive und Campus Viva nur zwei überregionale Anbieter aus Deutschland, die sich an Privatanleger richteten.

Anleger sollten die Vertragsbedingungen genau prüfen und konservativ rechnen. Etwa rät Stiftung Warentest, mindestens zwei Monatsmieten für die Instandhaltung zurückzulegen – etwa für den Austausch von Möbeln.

Die Verbraucherschützer analysierten bereits im Jahr 2014 diverse Angebote für Studentenwohnungen und kamen auf eine Nettoanfangsrendite zwischen 2,8 bis 3,3 Prozent pro Jahr (einschließlich Betriebskosten und ohne Wertsteigerung). „Hohe Kaufpreise, magere Rendite“, titelte die Stiftung damals. Angesichts der derzeit hohen Zinsen dürften Studentenwohnungen als Kapitalanlage kaum attraktiver geworden sein.

Immobilien-Crowdinvestments und Immobilienfonds

Eine weitere Alternative sind Immobilien-Crowdinvestments. Hier werden auch vereinzelt Immobilien unter dem Schlagwort Microliving an Privatanleger vertrieben. Auf Immobilien-Crowdinvestment-Plattformen wie Exporo, Bergfürst oder Engel & Völkers lässt sich nach Angeboten suchen. Der Einstieg ist teils mit Summen im unteren dreistelligen Bereich möglich.

Gleichwohl sind die Angebote offenbar begrenzt. Etwa bietet Exporo derzeit keine Investments in Tiny Houses oder Microliving-Immobilien an, wie eine Sprecherin auf DWN-Anfrage erklärt. Zudem warnt die Verbraucherzentrale vor den Schwarmfinanzierungen als „hochriskant“. Crowdinvestments sind häufig als Nachrangdarlehen aufgesetzt. Anleger würden bei Insolvenz des Vertragspartners als letzte aus der Konkursmasse bedient.

Die meisten Immobilienfonds mit Fokus Microliving richten sich laut Matti Schenk an institutionelle Investoren. Laut DWN-Recherche gibt es mit dem „Catella Modernes Wohnen“ einen offenen Immobilien-Publikumsfonds, der in alternative Wohntrends investiert. Schwerpunkt sind laut dem Factsheet Studentenwohnheime, Seniorenwohnen, Young Professionals, Serviced Apartments, kleinteiliges Wohnen/Mikroapartments und Transformationen.

Allerdings ist die Vermietungsquote zuletzt deutlich gefallen – von 97,5 auf 93,3 Prozent (von April bis Oktober 2023). Die Rendite betrug im vergangenen Jahr -3 Prozent (zum 31. Januar 2024) und liegt seit Auflage im Juli 2017 weit unter der Inflationsrate (+1,3 Prozent pro Jahr). Auch hinter anderen Immobilienfonds bleibt der Catella Modernes Wohnen zurück: Laut der Ratingagentur Scope rentierte eine Vergleichsgruppe mit ähnlichem Anlagefokus seit Juli 2017 deutlich besser (+4,3 Prozent pro Jahr).

Microliving und Tiny Houses sind nicht investierbar

Bei Tiny Houses – also sehr kleinen, freistehenden Wohneinheiten – gibt es offenbar bloß Start-ups, die entsprechende Immobilien entwerfen und bauen. “Tiny Houses sind als Investmentprodukt nach meinem Wissen in Deutschland noch nicht existent und insgesamt eine sehr kleine Nische“, erklärt Matti Schenk.

Anleger dürften daher mit einem Immobilienaktien-ETF besser fahren. Sollten sich Trends wie Microliving, Tiny Houses oder Wohnen auf dem Land als nachhaltig erweisen, dürften die Firmen in diesen ETFs davon profitieren. Die ETFs enthalten die größten Immobilienfirmen, die bereits in der Vergangenheit am erfolgreichsten Immobilien bewirtschaftet haben und durch den Kauf entsprechender Start-ups und Immobilien profitieren dürften.

Etwa sind in Deutschland sechs ETFs auf den Index „FTSE EPRA Nareit Developed“ zugelassen, der 367 Aktien von Immobilienunternehmen aus 22 Industrieländern enthält. Außerdem gibt es fünf ETFs auf den „FTSE EPRA Nareit Developed Europe“. Der Index enthält 107 Immobiliengesellschaften aus 13 europäischen Ländern, darunter zu 10 Prozent die deutsche Vonovia (Deutschland: 16,7 Prozent, Schweiz: 9,5 Prozent, Österreich: 0,5 Prozent).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

Elias Huber

Elias Huber arbeitet als freier Journalist und Honorar-Finanzanlagenberater. Der studierte Volkswirt schreibt vor allem über die Themen Wirtschaft und Geldanlage. 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft GTA 6 legt Amerikas Wirtschaft lahm: Wer vom Milliarden-Geschäft profitiert
02.11.2026

Millionen Fans warten auf GTA 6. Doch der Verkaufsstart könnte für die amerikanische Wirtschaft teuer werden: 1,5 Millionen Beschäftigte...

DWN
Finanzen
Finanzen Micron-Aktie: Eine Warnung aus Korea für meine KI-Investition
02.11.2026

Die Gewinne sind auf Rekordniveau, und für die Chips der kommenden Jahre gibt es größtenteils bereits Käufer. Trotzdem macht mir als...

DWN
Politik
Politik Kampf um die Arktis: Die EU will ein Stück vom Kuchen
02.11.2026

Russland mit Eisbrechern, die USA mit Militär, China mit Handelsschiffen. Und die EU mit einer Strategie, allerdings ohne klare...

DWN
Technologie
Technologie Einem Slowenen gehört die Domain spacex.si: Kann Elon Musk sie ihm einfach wegnehmen?
02.11.2026

Tomaž Gojkošek aus Hajdina besitzt die Domain spacex.si seit 2021, während Musks Unternehmen eine deutlich ältere Marke hält. Wer hat...

DWN
Unternehmen
Unternehmen UniCredit-Chef Orcel wirbt im Übernahmekampf um Commerzbank-Mittelstand
02.11.2026

Im Übernahmeringen um die Commerzbank geht UniCredit in die Offensive: Konzernchef Andrea Orcel verspricht deutschen Firmenkunden mehr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Welthandel zieht an: Chinas Containerboom könnte täuschen
02.11.2026

Der weltweite Containerumschlag steigt im September kräftig. Vor allem chinesische Häfen treiben den Zuwachs. Doch ein Feiertagseffekt...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Kampf um Stabilität – vor Quartalszahlen zählen Lieferungen und Cashflow
02.11.2026

Rheinmetall steht vor wichtigen Quartalszahlen. Nach dem kleinen Rückschlag zum Wochenschluss sollen sie und weitere erfüllte Aufträge...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs aktuell: ETF-Abflüsse bremsen die Erholung
02.11.2026

Der Bitcoin-Kurs zeigt sich zum Start in die neue Börsenwoche kaum bewegt. Nach einem schwachen Ausklang der vergangenen Handelswoche...