Finanzen

TeamViewer Aktienanalyse: Deutsche Software-Lösungen mit Zukunft

Neben der alles dominierenden SAP sind börsennotierte deutsche Softwarekonzerne rar. Heute werfen wir mit TeamViewer einen Blick auf eines der wenigen aussichtsreichen Unternehmen in diesem Bereich. TeamViewer profitiert von mehreren Megatrends und bietet die passenden Lösungen an.
03.03.2024 12:00
Aktualisiert: 03.03.2024 14:26
Lesezeit: 4 min

TeamViewer ist ein deutsches Softwareunternehmen, das sich auf die Entwicklung von Fernwartungslösungen spezialisiert hat. Das Unternehmen wurde 2005 gegründet und hat seinen Sitz in Göppingen, Baden-Württemberg. TeamViewer bietet seine Dienstleistungen weltweit an und zählt zu den führenden Anbietern in diesem Bereich.

Das Geschäftsmodell von TeamViewer ist ein so genanntes Freemium-Modell. Die Basisversion der Software kann von Privatanwendern kostenlos genutzt werden. Für die kommerzielle Nutzung durch Unternehmen stehen kostenpflichtige Lizenzen zur Verfügung. So kann TeamViewer einerseits eine sehr große Verbreitung der Software erreichen und andererseits über die kommerziellen Lizenzen Umsätze generieren.

Das Kernprodukt von TeamViewer ist die gleichnamige Software für Fernzugriff und Fernwartung. Mit TeamViewer kann der Bildschirm eines Computers über das Internet mit einem anderen Computer geteilt werden. So kann beispielsweise der IT-Support eines Unternehmens aus der Ferne auf die Computer der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugreifen, Probleme diagnostizieren und Support leisten. Mittlerweile hat sich TeamViewer von einem reinen Fernzugriffstool auch für komplexe Anwendungsfälle zu einer Komplettlösung für Remote Connectivity und -Collaboration entwickelt.

Das Produkt und der Megatrend

Das Portfolio wurde kontinuierlich um weitere Produkte wie Videokonferenzlösungen und ein Managementsystem zur Verwaltung aller Geräte erweitert. Zum Funktionsumfang gehören beispielsweise erweiterte Sicherheitsfunktionen, eine zentrale Lizenzverwaltung und eine höhere Anzahl gleichzeitiger Verbindungen.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor von TeamViewer ist die enorme Verbreitung und Bekanntheit der Software. Nach eigenen Angaben ist die Software von TeamViewer auf über 2,5 Milliarden Geräten von 630.000 Kunden installiert und damit das weltweit meistgenutzte Fernwartungstool. Diese große Reichweite wiederum führt dazu, dass sich TeamViewer bei Unternehmen als Quasi-Standard für Fernwartung und Fernzugriff etabliert hat. Viele Unternehmen nutzen TeamViewer, weil es auf nahezu jedem Gerät und jeder Plattform läuft. Über die Jahre hat TeamViewer seine Kompatibilität kontinuierlich ausgebaut, z.B. durch native Apps für mobile Geräte und Betriebssysteme wie iOS und Android.

Diese hohe Kompatibilität entspricht dem Megatrend zur Digitalisierung der Wertschöpfungskette. Kaum eine Industrie kommt ohne Automatisierung, Industrie 4.0 und der zunehmenden Verbreitung von mobilen Endgeräten und IoT-Technologien aus. Zudem ermöglichen Unternehmen ihren Mitarbeitenden zunehmend den Fernzugriff auf Unternehmenssysteme, -daten und -geräte aus dem Home-Office sowie die standortübergreifende Zusammenarbeit mit Kollegen, Teams und Dritten. In den letzten Monaten hat das Unternehmen zudem verstärkt auf Partnerschaften mit Siemens, SAP, Microsoft oder Google gesetzt, um Kunden mit seinen Lösungen zu erreichen.

Teamviewer und Augmented Reality

Besonders spannend ist in diesem Zusammenhang, dass sich TeamViewer in den letzten Jahren zu einem wichtigen Player im Bereich Augmented Reality entwickelt hat. Das Unternehmen bietet eine Reihe von Lösungen an, mit denen Unternehmen ihre Arbeitsabläufe mithilfe der jungen Technologie optimieren können. So können Kunden ihre Effizienz steigern, Fehler reduzieren und die Zusammenarbeit ihrer Mitarbeiter verbessern.

80 Prozent der Beschäftigten weltweit arbeiten nicht am Schreibtisch, gleichzeitig herrscht gerade in diesen Berufen ein Fachkräftemangel. In Zeiten steigenden Kostendrucks liegt hier ein enormes Marktpotenzial für die Lösungen von TeamViewer. Das Unternehmen konzentriert sich daher auf industrielle Arbeitsprozesse in Logistik, Produktion, Service und Außendienst. So nutzen mehrere Automobilhersteller die Lösung, um ihre Werkstätten in Echtzeit mit den Experten in der Zentrale zu verbinden. Der Experte kann direkt Anweisungen geben und der Werkstattmitarbeiter kann frei agieren.

Positiver Nebeneffekt: Die individualisierte Lösung für den Kunden ist tief in dessen Prozesse eingebettet, so dass für TeamViewer ein Burggraben mit entsprechenden Wechselkosten entsteht. Zwar liegt der Anteil des AR-Geschäfts noch im niedrigen zweistelligen Bereich. Es ist aber die klare Absicht erkennbar, dass TeamViewer dieses Geschäft ausbauen möchte und entsprechende Investitionen tätigt. Pünktlich zum Start von Apple Vision Pro hatte TeamViewer daher auch eine passende App im Angebot.

Die jüngsten Zahlen sind vielversprechend

TeamViewer verfügt über die entsprechenden finanziellen Mittel. Anfang Februar veröffentlichte das Unternehmen vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2023. Diese waren durchaus überzeugend. Das Unternehmen konnte seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent steigern. Dabei verzeichneten sowohl das Geschäft mit kleinen und mittelständischen Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 1.500 Euro und 10.000 Euro als auch das Geschäft mit Großunternehmen mit einem Umsatz von über 200.000 Euro ein zweistelliges Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr. Das Geschäft profitierte dabei von Up- und Cross-Selling-Initiativen im gehobenen Mittelstand und guten Neuabschlüssen im Enterprise-Segment.

Gleichzeitig ist das Geschäft mit einer Free Cashflow-Marge von 31,7 Prozent für das Gesamtjahr 2023 hochprofitabel. Auch für das laufende Jahr rechnet das Management mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum zwischen sieben und elf Prozent. In der zweiten Jahreshälfte wird sich zudem die Anpassung der viel kritisierten Partnerschaft mit Manchester United mit 17,5 Millionen Euro positiv auf das Ergebnis auswirken. Im kommenden Jahr rechnet TeamViewer sogar mit 35 Millionen Euro. Zusätzliche Mittel, für die Weiterentwicklung der Produkte und strategische Wachstumsinitiativen.

In der Vergangenheit hat TeamViewer sein Produktportfolio stark durch Akquisitionen ergänzt. Die Aktivseite der Bilanz besteht daher zu 60 Prozent aus Goodwill. Aus der Zeit unter Permira, den Übernahmen und Aktienrückkäufen resultiert eine extrem niedrige Eigenkapitalquote von 7,5 Prozent. Dieser Wert relativiert sich jedoch durch den grundsätzlich geringen Kapitalbedarf des Geschäftsmodells und die hohe Profitabilität von TeamViewer. So liegt der Nettoverschuldungsgrad (Nettofinanzverbindlichkeiten zu EBITDA) Ende 2023 bei 1,8 und soll bis Ende 2024 sogar auf 1,3 sinken. Die Werte sind in dieser Höhe akzeptabel und lassen der Gesellschaft Spielraum für Aktienrückkäufe.

Der Ausblick für das Unternehmen

Im Rahmen des Mitte Dezember gestarteten Programms mit einem Volumen von bis zu 150 Millionen Euro hat das Unternehmen bislang Aktien im Wert von durchschnittlich fünf Millionen Euro pro Woche erworben. Setzt man den von Analysten durchschnittlich erwarteten Free Cashflow für das laufende Geschäftsjahr ins Verhältnis zum aktuellen Unternehmenswert, ergibt sich eine Free Cashflow-Rendite von 8,4 Prozent. Damit erscheint die Aktie alles andere als teuer und TeamViewer als geeigneter Übernahmekandidat für einen Technologiekonzern, der sich in wichtigen B2B-Zukunftsfeldern positionieren möchte.

Aber auch aus eigener Kraft zählt das MDAX-Unternehmen zu den deutschen Aktien mit den besten Zukunftsaussichten. Positiv zu werten ist in diesem Zusammenhang auch der jüngste Aktienkauf des seit Mai 2023 amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Ralf W. Dieter. Der ehemalige CEO der Dürr AG erwarb Ende Februar Aktien im Wert von 1,5 Millionen Euro.

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