Politik

Cannabis-Freigabe: Start verläuft zunächst ruhig, doch es bleiben Fragen

Am 1. April ist die Freigabe von Cannabis für Erwachsene in Deutschland in Kraft getreten. Doch während der Start ruhig verläuft, stehen die Kommunen vor einer Vielzahl offener Fragen. Wie können die Kommunen angesichts der Vielzahl von offenen Fragen sicherstellen, dass alle Regeln rund um das Thema Kiffen eingehalten werden? Wird nun nicht alles viel komplizierter - vor allem für die Polizei?
03.04.2024 06:13
Lesezeit: 2 min

Im Zusammenhang mit der Freigabe von Cannabis für Erwachsene seit Ostermontag sind zunächst keine größeren Geschehnisse bekannt geworden - doch die Kommunen haben noch viele offene Fragen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund beispielsweise fordert Klarheit, wie die neuen Vorschriften anzuwenden sind. „Die Kommunen erwarten von den Ländern, dass sie umsetzbare Regeln für den Vollzug der Regeln vor Ort festlegen“, sagte Hauptgeschäftsführer André Berghegger der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Aus kommunaler Sicht seien es noch eine ganze Reihe offener Fragen.

Kommunen fordern Anleitung für die Kontrollen

Unklar ist den Städten und Gemeinden demnach, wie sie die Einhaltung der festgelegten Abstandregeln zu Schulen, Kitas oder Sportstätten oder die vielen Regeln für die ab dem 1. Juli gestatteten Anbauvereine kontrollieren sollen. „Dabei ist klar, dass die kommunalen Ordnungsbehörden nicht überlastet werden dürfen, denn es fehlt bereits jetzt vielerorts an Personal“, sagte Berghegger. Er forderte zudem Hinweise dazu, wie ein effizienter Jugendschutz gewährleistet und der Privatanbau von Cannabis kontrolliert werden sollen.

„Für das Vertrauen in den Staat ist es wichtig, dass gesetzliche Regelungen stets so ausgestaltet werden, dass sie kontrollierbar und nachvollziehbar sind. Hier sehen wir beim aktuellen Cannabis-Gesetz noch deutliche Defizite“, kritisierte er.

Polizei meldet zunächst ruhige Lage

Aus Sicht der Polizei ist das Inkrafttreten der Cannabis-Legalisierung ruhig verlaufen, Beispiel Thüringen: Am ersten Tag habe es drei kleinere Kundgebungen von Cannabis-Befürwortern im Freistaat gegeben, sagte ein Sprecher der Landespolizeidirektion am Dienstag. Dort habe es keine größeren Vorkommnisse gegeben. Ob es konkrete Verstöße gegen Abstands- oder Mengenauflagen gab, konnte der Sprecher nicht sagen. „Wir haben aber nichts Herausragendes zu berichten. Es war ein absolut ruhiger Start.“

Auch der Berliner Polizei zufolge gab es bislang keine besonderen Vorkommnisse oder Auffälligkeiten in der Stadt in Bezug zur Cannabis-Legalisierung. „Kontrollmaßnahmen erfolgen verdachtsabhängig im Rahmen des täglichen Dienstes“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zum Vorgehen der Beamten.

Unauffällig und ruhig - so beschreiben die Polizeipräsidien in Bayern den Start der Cannabis-Legalisierung. Aus München heißt es, bislang seien dort keine besonderen Verstöße im Zusammenhang mit dem neuen Gesetz zu verzeichnen gewesen. Andere bayerische Präsidien konnten zunächst keine genaueren Angaben zu konkreten Verstößen gegen Abstands- oder Mengenauflagen machen. Den jeweiligen Pressestellen seien allerdings keine besonderen oder herausragenden Fälle bekannt. „Das wird sich erst einmal alles einspielen müssen“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord.

CDU will Freigabe rückgängig machen

Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thorsten Frei, hält nichts von dem neuen Gesetz: „Ein Weg wie ihn kein anderes Land in Europa geht, ist mit Sicherheit ein falscher Weg. Und deswegen müssten wir dieses Gesetz rückgängig machen“, sagte Frei im RTL/ntv Frühstart. Im Falle eines Wahlsieges der Union bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr wolle man die Cannabis-Legalisierung wieder aufheben.

Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen (Grüne) hingegen verteidigte die Legalisierung im Deutschlandfunk. Mittel- und langfristig gesehen werde die Gesellschaft durch das neue Gesetz zu einem gesünderen und besseren Umgang mit Cannabis kommen.

Seit dem 1. April ist der Besitz, private Anbau und Konsum von Cannabis für Erwachsene in Deutschland erlaubt. Es dürfen aber nicht mehr als 25 Gramm in der Öffentlichkeit mitgeführt oder mehr als 50 Gramm zu Hause aufbewahrt werden. Drei Pflanzen im Wohnbereich sind gestattet. Für den Konsum in der Öffentlichkeit gilt: nicht in der Nähe von Kindern und Jugendlichen, Schulen, Kitas, Spiel- und Sportplätzen und tagsüber nicht in Fußgängerzonen. (dpa)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold erlebt ein Comeback: Wie das MTS Money Transfer System Sicherheit und digitale Freiheit verbindet

Steigende Staatsverschuldung, Inflation und geopolitische Spannungen stärken die Bedeutung von Gold als Vermögenswert. Das MTS Money...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Silberpreis fällt zum Monatsende deutlich: Warum selbst ein Angebotsdefizit den Kurs nicht stützt
30.10.2026

Der Silberpreis steht zum Monatsende erneut unter Druck. Am Freitagmorgen rutschte der Kurs des Edelmetalls zeitweise nur rund 50,65...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Warum der Körper im Urlaub schlappmacht
30.10.2026

Der letzte Arbeitstag ist geschafft, der Urlaub beginnt – und plötzlich kommen Kopfschmerzen, Erschöpfung oder Infekte. Warum der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi rutscht fast in die roten Zahlen - Audi-Chef weiter unter Druck
30.10.2026

Die Krise trifft Autobauer Audi immer härter. Im dritten Quartal fahren die Ingolstädter nur noch einen vergleichsweise winzigen Gewinn...

DWN
Politik
Politik Elterngeld vor Reform: Mindest- und Höchstsatz sollen erstmals steigen
30.10.2026

Das Bundesfamilienministerium hat die Elterngeldreform trotz Sparziele neu zugeschnitten: Mindest- und Höchstsatz sollen erstmals seit...

DWN
Politik
Politik Bahn, Kredite, Weihnachtsmarkt – was sich im November ändert
30.10.2026

Für Familien wird eine ICE-Fahrt mit der Bahn zum Pauschalpreis dauerhaft angeboten. Was sich im neuen Monat außerdem bei kleinen...

DWN
Finanzen
Finanzen Alphabet-Aktie stürzt ab: Warum der KI-Boom den Konzern Milliarden kostet
30.10.2026

Alphabet steigert im dritten Quartal 2026 den Umsatz um 25 Prozent, trotzdem bricht die Google-Aktie nachbörslich an der Nasdaq um mehr...

DWN
Panorama
Panorama Unter Corona-Niveau: Rund 17,7 Millionen Patienten lagen 2025 im Krankenhaus
30.10.2026

Die Zahl der vollstationär behandelten Menschen in Deutschland stieg leicht, blieb aber deutlich unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie....

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs aktuell: Binance-Angriff erschüttert den Kryptomarkt
30.10.2026

Ein schwerer Angriff auf die Kryptobörse Binance belastet die Stimmung bei Bitcoin, Ethereum und Co. Offenbar haben nordkoreanische Hacker...