Technologie

„Mission KI“: Deutschlands Initiative für Künstliche Intelligenz und Datenökonomie

„Mission KI“ heißt die nationale Initiative zur Stärkung der KI- und Datenökonomie in Deutschland. Gemeinsam mit Acatech und dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr setzt die Bundesregierung auf innovative Datenräume, KI-Standards und gezielte Förderung von KI-Startups.
24.05.2024 10:15
Lesezeit: 3 min
„Mission KI“: Deutschlands Initiative für Künstliche Intelligenz und Datenökonomie
Deutschland muss das Tempo erhöhen, um im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) mit anderen Ländern mithalten zu können. (Foto: iStock.com, FotografieLink) Foto: FotografieLink

Tempo, wir brauchen Tempo! Mission KI Made in Germany

Wir müssen Gas geben, wenn wir Schritt halten wollen mit den anderen Nationen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI). Investitionen in KI-Startups pro Kopf sind in den USA zehnfach höher als in Deutschland, in Israel fast zwanzigfach. Auch sonst sind uns andere Staaten voraus. Die USA führt die KI-Forschung an. Dass zudem die größten Technologieunternehmen der Welt wie Google, Microsoft oder Meta dort beheimatet sind, beschleunigt den Vorsprung, denn sie investieren bedeutende Summen in die Entwicklung. Erst kürzlich veröffentlichte Google einen weiteren Meilenstein in der Geschichte seiner Suchmaschine.

Mit der Ankündigung von „AI Overviews“ bricht ein neues Zeitalter der altbewährten Google-Suche an. Mit erweiterten KI-Übersichten, mehr Planungs- und Recherchefunktionen und KI-organisierten Suchergebnissen wird das neue benutzerdefinierte Modell die Suche weiter vereinfachen. Google geht davon aus, dass bis Ende des Jahres über eine Milliarde Menschen auf die neuen Funktionen zugreifen werden können. Laut TechMonitor wird die USA mit fast 50 Prozent für KI-bezogene Projekte bis 2026 der größte Markt für KI-Systeme sein.

Auch China hat in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um in der KI einen globalen Vorsprung zu erlangen. Große Technologieunternehmen wie Huawei, Baidu und Tencent investieren massiv in KI. Der Vorteil der Asiaten ist der Zugriff auf einen umfangreichen Datenpool aus der Bevölkerung, den sie für das Training von KI-Algorithmen nutzen können. Der Großteil der Menschen dort nutzt die Applikation WeChat für alle erdenklichen Tätigkeiten und hinterlässt darauf Unmengen an Datenspuren. Da der Datenschutz nicht dem europäischen entspricht, können die Unternehmen diese Daten für Entwicklungszwecke nutzen.

Laut Reuters wurden im Januar 2023 mehr als 40 KI-Modelle für die öffentliche Nutzung zertifiziert. Großbritannien ist bei der KI-Entwicklung ebenfalls ganz vorne mit dabei. Der International Trade Administration zufolge verfügt das Land über eine der besten KI-Strategien weltweit, mit umfangreicher staatlicher Unterstützung, akademischen Aktivitäten, umfangreichen Risikokapitalfinanzierungen, KI-Startups und Unternehmensübernahmen.

Deutschland: Spitzenforschung und erfolgreiche Startups

Und Deutschland? Auch Deutschland muss sich nicht verstecken. In Bezug auf KI gibt es herausragende Forschungsinstitute wie das Max-Planck-Institut für intelligente Systeme oder das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Punkten kann das Land auch durch eine wachsende Anzahl von KI-Startups und Unternehmen, die innovative Anwendungen entwickeln.

Mit einer Bewertung von 13 Milliarden US-Dollar gehört zum Beispiel das Münchner Software-Unternehmen Celonis zu den Spitzenreitern der Startups. Laut CB Insights gab es im vergangenen Jahr 29 Startups im Land mit einer Marktbewertung von mindestens einer Milliarde US-Dollar in Deutschland. Auch Helsing ist solch ein KI-Unternehmen aus München. Sein Produkt ist so gefragt wie noch nie. Software, die Panzer, Kampfjets und U-Boote besser machen soll. Der geschätzte Wert des Unternehmens liegt mittlerweile bei 1,7 Milliarden Euro.

Was es so besonders macht? Es ist das erste Einhorn aus dem Bereich Militär, Rüstung und Verteidigung in ganz Europa. Hier scheint sich auch ein Trend abzuzeichnen. Auch andere Venture Capital Gesellschaften haben Startups aus dem Rüstungsbereich für sich entdeckt. So investierte die Wagniskapitalfirma Projekt A gut 18 Millionen Euro in das Münchner Startup Quantum Systems, dessen Drohnen russische Truppen im Ukraine-Krieg ausspionieren sollen. Diese sogenannten Dual-Use-Unternehmen (deren Produkte sowohl zivile als auch militärische Zwecke verfolgen) stehen seit kurzem mehr im Fokus bei Wagniskapitalgebern.

Generative KI und große Sprachmodelle, slso Large Language Models (LLMs) können Problemstellungen spezieller Industrien und Industriesegmente lösen und die Wertschöpfung und Produktivität um ein Vielfaches erhöhen. Doch noch fehlt es vielen Unternehmen am Wissen über die neue Technologie, aber auch über die vorhandenen Anbieter wie Startups, die die speziellen Lösungen anbieten.

„Mission KI“: Eine Initiative für Deutschlands digitale Wettbewerbsfähigkeit

Um besser Unternehmen und KI-Startups zusammenzubringen, wurde deshalb das Projekt „Mission KI“ initiiert. Die nationale Initiative für Künstliche Intelligenz und Datenökonomie ist ein gemeinsames Projekt von Acatech – der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften - und vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV). Das Hebelprojekt der Digitalstrategie der Bundesregierung soll die digitale Wettbewerbsfähigkeit stärken. Die Initiative verfolgt drei Ziele. Zum einen soll „Mission KI“ die Datenbasis für KI-Innovationen erweitern und dazu Datenräume über Sektoren- und Ländergrenzen vernetzen.

Des Weiteren sollen transparente KI-Qualitäts- und Prüfstandards entstehen und darauf aufbauend freiwillige KI-Standards nach deutschen und europäischen Werten definiert werden. Ziel ist es, ein freiwilliges KI-Gütesiegel zu etablieren. Denn während Hochrisiko-KI-Anwendungen durch den AI-Act der Europäischen Union sehr konkret reguliert werden, besteht für Nicht-Risiko-Anwendungen bislang nur eine Transparenzpflicht. Das Siegel soll die Sicherheit für private wie industrielle Anwender erhöhen sowie Mindestanforderungen und Marktstandards etablieren. Dazu sollen Innovations- und Qualitätszentren, also Erprobungs- und Experimentierumgebungen und öffentliche Erlebnisräume geschaffen werden.

Durch die Vernetzung von Gründern mit Investoren und Unternehmen soll darüber hinaus das Wachstum von KI-Innovationen unterstützt werden. Das wird erstmals am Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg durchgeführt. Zehn mittelständische Unternehmen sollen mit zwölf oder bis zu 15 KI-Startups zusammengebracht und beim Einstieg in neue KI-Technologien begleitet werden.

In drei Schritten werden mittelständische Unternehmen auf ihrem Weg in die KI-Implementierung begleitet. Erst sollen die Herausforderungen der Unternehmen identifiziert, dann passende KI-Startups deutschlandweit ausgewählt und im Juli 2024 die ausgewählten Projektpartner auf einem Event zusammengebracht werden. Das Matchmaking ist der Auftakt zu den weiteren Maßnahmen der „Mission KI“, die dann folgen sollen.

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                                                                            ***

Sofia Delgado ist freie Journalistin und arbeitet seit 2021 in Stuttgart, nachdem sie viereinhalb Jahre lang in Peking gelebt hat. Sie widmet sich gesellschaftskritischen Themen und schreibt für verschiedene Auftraggeber. Persönlich priorisiert sie die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit, als dringendste Herausforderung für die Menschheit.

 

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