Politik

Waffenruhe Ukraine: Putin nennt Verzicht auf NATO-Mitgliedschaft als Bedingung

Russlands Präsident Wladimir Putin bietet eine Waffenruhe in der Ukraine an, stellt dafür aber klare Bedingungen auf: Die Ukraine muss auf eine NATO-Mitgliedschaft verzichten. Ist dieser "Deal" realistisch und sollte die Ukraine darauf eingehen?
14.06.2024 13:03
Aktualisiert: 14.06.2024 13:03
Lesezeit: 2 min
Waffenruhe Ukraine: Putin nennt Verzicht auf NATO-Mitgliedschaft als Bedingung
Der russische Präsident Wladimir Putin nennt Bedingungen für eine Waffenruhe in der Ukraine (Foto: dpa). Foto: Sergei Bobylev

Der russische Präsident bietet eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg an. Im Gegenzug soll die Regierung in Kiew auf ihre Pläne für einen NATO-Beitritt verzichten und ihre Truppen aus vier Regionen abziehen, so der Kremlchef.

Putins Bedingungen für eine Waffenruhe

Wladimir Putin stellt klare Bedingungen für Friedensgespräche mit der Ukraine. Russland ist bereit, die Kämpfe zu stoppen und Verhandlungen aufzunehmen, wenn sich die ukrainischen Streitkräfte aus den vier östlichen Regionen zurückziehen, die Moskau bereits annektiert hat. Zudem müsse die Ukraine auf ihre NATO-Ambitionen verzichten.

Sicherer Abzug der ukrainischen Truppen

Putin versichert, dass Russland einen sicheren Abzug der ukrainischen Truppen gewährleisten würde. Er betont, dass es bei diesem Friedensvorschlag nicht um eine vorübergehende Feuerpause gehe, sondern darum, den Konflikt dauerhaft zu beenden.

Falls jedoch die Ukraine und der Westen den jüngsten russischen Vorschlag ablehnen sollten, würden sich die Bedingungen ändern und die Lage auf dem Schlachtfeld würde sich nicht zugunsten der Ukraine entwickeln.

Reaktion auf G7-Entscheidung?

Dass Putin gerade jetzt Bedingungen für eine Waffenruhe nennt, ist möglicherweise kein Zufall: Reagiert er so auf die Entscheidung der G7-Staaten, eingefrorenes russisches Staatsvermögen für die angegriffene Ukraine zu nutzen? Der Kreml-Chef bezeichnete dies als "Raub". Westliche Staaten bemühten sich derzeit um eine rechtliche Grundlage für ihre Entscheidung, sagte Putin am Freitag während einer Rede im Außenministerium in Moskau, die russische Staatsmedien übertrugen.

"Aber ungeachtet aller Kniffe: Raub bleibt definitiv Raub", fügte er hinzu - und drohte: Die Entscheidung der Gruppe der führenden demokratischen Industrienationen (G7) werde "nicht ungestraft bleiben".

Die G7-Staaten, zu denen Deutschland, Italien, die USA, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Japan und die EU gehören, haben ihre Entscheidung als Zeichen der Geschlossenheit in der Unterstützung der Ukraine gepriesen. US-Präsident Joe Biden sagte: "Eine weitere Erinnerung an Putin, dass wir nicht nachgeben werden. Vielmehr sind wir geschlossen gegen diese illegale Aggression." Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sprach von einem unerwarteten Ergebnis, das sie stolz mache. "Jetzt muss es technisch definiert werden."

G7: Fokus auf China und wirtschaftliche Sicherheit

Am zweiten Gipfeltag verlagerte sich der Fokus der G7 von der Ukraine hin zu den Beziehungen zu China, wirtschaftlicher Sicherheit und Migration. Im Luxusresort «Borgo Egnazia» an der süditalienischen Adria-Küste landete am Mittag ein historischer Besucher: Papst Franziskus kam mit einem Hubschrauber aus Rom zum Gipfelort und wurde dort von Gastgeberin Meloni empfangen. Er ist der erste Papst in fast 50 Jahren G7-Geschichte, der an einem Treffen der Runde teilnimmt.

Papst Franziskus und Künstliche Intelligenz

Das Kirchenoberhaupt von mehr als 1,3 Milliarden Katholiken nahm an einer Sitzung zum Thema Künstliche Intelligenz teil. Der Argentinier könnte die Gelegenheit aber auch für andere Mahnungen an die internationalen Staats- und Regierungschefs nutzen und auf den umstrittenen Präsidenten seiner Heimat, Javier Miliei, treffen. Milei wurde neben rund einem Dutzend anderer Staats- und Regierungschefs als Gast bei den G7 erwartet.

Abschlusserklärung der G7

Am Freitag soll zudem die Gipfelerklärung verabschiedet werden, in der die G7 ihren Ton gegenüber China verschärfen. Die Passage dazu liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Darin heißt es, China schaffe mit wettbewerbsfeindlichen Praktiken wie Subventionen Überkapazitäten und verzerre den Wettbewerb. Dies gefährde die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit in den G7-Staaten, auch Arbeitsplätze. China werden indirekt auch weitere Strafzölle angedroht.

Gastgeberin Meloni hatte bereits am Donnerstag nach der letzten Arbeitssitzung verkündet, dass man sich auf eine Abschlusserklärung geeinigt habe. Offiziell endet der Gipfel am Samstag. Nahtlos daran schließt in der Schweiz eine Ukraine-Friedenskonferenz an, an der auch Kanzler Scholz teilnehmen wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gestiegene Betriebskosten: Wachsender Druck auf Produktionsbetriebe

Die deutsche Wirtschaft steht im Jahr 2026 vor enormen Herausforderungen, welche die Gewinnspannen der Betriebe spürbar verringern. Laut...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: US-Indizes schließen uneinheitlich, da Trump ein Iran-Abkommen nach den Zwischenwahlen für möglich hält
22.09.2026

Politische Signale und starke Einzelwerte bewegen die Märkte im späten Handel.

DWN
Politik
Politik Mehrheit fordert Rücktritt von Kanzler Merz
22.09.2026

Mehr als die Hälfte der Befragten spricht sich für einen Rücktritt des Kanzlers aus. Unter den Anhängern einer Partei ist der Anteil...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Planet Labs: Berlin bekommt eine neue Satellitenfabrik
22.09.2026

In der Hauptstadt soll ein neuer Produktionsstandort für Satelliten entstehen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in den USA, will aber...

DWN
Politik
Politik Ehemaliger Topberater des Weißen Hauses: Trump gibt Tech-Milliardären beängstigend viel Macht
22.09.2026

Künstliche Intelligenz könnte die Welt ähnlich tiefgreifend verändern wie einst das Manhattan-Projekt. Doch diesmal liegt die...

DWN
Finanzen
Finanzen Heizkosten steigen 2026: So teuer wird das Heizen
22.09.2026

Für viele Haushalte wird das Heizen 2026 teurer – besonders bei Öl und Holzpellets. Eine neue Prognose zeigt, welche Heizarten stärker...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs springt über 85.000 Dollar. Was hat die Erholung ausgelöst?
22.09.2026

Der Bitcoin-Kurs ist wieder deutlich gestiegen und kletterte über 85.000 Dollar. Bemerkenswert ist der Rebound, da kurz zuvor zwei...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenz: So schützen Unternehmer ihr Privatvermögen
22.09.2026

Gerät die Firma ins Wanken, kann es schnell um mehr gehen als das Unternehmen. Plötzlich stehen auch Haus, Depot und Ersparnisse auf dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes-Benz-Aktie: Arbeitszeit in der Diskussion – Konzern setzt deutsche Werke unter Druck
22.09.2026

Mercedes hält seine deutschen Werke für zu teuer und fordert mehr Arbeit für das gleiche Geld. Um den Druck zu erhöhen, legt der...