Politik

Ukraine erhält F-16-Jets: Nato-Beitritt nun "unumkehrbar"

Die Nato-Staaten beschleunigen die Lieferung von F-16-Jets an die Ukraine. USA, Niederlande und Dänemark haben am Dienstag beim Nato-Gipfel in Washington erklärt, dass der Transfer der F-16-Jets bereits begonnen hat. Diese westlichen Kampfflugzeuge sollen noch diesen Sommer zur Verteidigung gegen den russischen Angriff eingesetzt werden. Was das für die Nato-Pläne der Ukraine bedeutet!
10.07.2024 17:59
Aktualisiert: 10.07.2024 17:59
Lesezeit: 2 min
Ukraine erhält F-16-Jets: Nato-Beitritt nun "unumkehrbar"
Zwei Kampfflugzeuge vom Typ F-16: Die USA, Deutschland und weitere Verbündete versprachen der Ukraine zusätzliche Unterstützung zur Abwehr russischer Luftangriffe (Foto: dpa). Foto: Harald Tittel

Zusätzlich betonte das Bündnis, dass der Weg der Ukraine in die Nato nicht mehr aufzuhalten sei. In der Abschlusserklärung des Gipfels wird der Pfad zur Mitgliedschaft als "irreversibel" bezeichnet, wie die Deutsche Presse-Agentur nach Abschluss der Verhandlungen erfuhr.

Eine formelle Einladung zum Nato-Beitritt der Ukraine wird erst ausgesprochen, wenn alle Alliierten zustimmen und die Aufnahmebedingungen, einschließlich Reformen in Demokratie, Wirtschaft und Sicherheit, erfüllt sind.

Scholz zur Luftverteidigung: Unterstützung wird fortgesetzt

Bundeskanzler Olaf Scholz sicherte der Ukraine weitere Unterstützung zu und bezeichnete die bisherige Hilfe mit Luftverteidigungssystemen als bedeutend. "Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen", sagte Scholz vor einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Selenskyj bedankte sich bei Scholz für die Luftverteidigung.

Die USA, Deutschland und weitere Verbündete versprachen der Ukraine am Dienstag beim Nato-Gipfel zusätzliche Unterstützung zur Abwehr russischer Luftangriffe. Die Ukraine hatte bereits im April sieben weitere Patriot-Systeme gefordert, von denen Deutschland drei geliefert hat. Scholz betonte, dass Deutschland seiner Verantwortung als größte europäische Volkswirtschaft gerecht werde.

Nato-Beitritt bleibt umstritten

Der Text der Abschlusserklärung stellt einen Kompromiss dar, der die unterschiedlichen Positionen zum Nato-Beitrittsprozess der Ukraine widerspiegelt. Die Nato-Mitgliedschaft der Ukraine ist innerhalb des Bündnisses umstritten. Länder wie Deutschland und die USA lehnen eine formelle Einladung derzeit ab, da sie eine Eskalation des Ukraine-Krieges befürchten.

Andere Alliierte argumentieren hingegen, dass Russland klar signalisiert werden sollte, dass ein Nato-Beitritt der Ukraine unvermeidlich ist. Sie hoffen, dass eine Einladung der Ukraine in die Nato zu einem schnelleren Ende des Krieges beitragen könnte.

Eine Grundsatzeinigung zur Aufnahme der Ukraine in die Nato wurde bereits 2008 in Bukarest getroffen, jedoch ohne konkreten Zeitplan.

Die Abschlusserklärung sichert der Ukraine auch für das nächste Jahr Militärhilfen in Höhe von mindestens 40 Milliarden Euro zu. Dieser Betrag entspricht den bisherigen Hilfen der vergangenen Jahre. Diese Zusage ist jedoch weniger als das, was Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ursprünglich gefordert hatte. Stoltenberg wollte eine mehrjährige Verpflichtung, um Präsident Putin zu zeigen, dass der Westen nicht nachlassen wird. Die USA wollten sich jedoch nicht langfristig binden.

Russlands Luftüberlegenheit und ukrainische Abwehr

Seit fast zweieinhalb Jahren verteidigt sich die Ukraine gegen die russische Invasion und ist auf ausländische Waffenlieferungen angewiesen. Russland nutzt seine Luftüberlegenheit für Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur und Bevölkerung sowie die ungeschützten Fronttruppen. Selenskyj erklärte, die Ukraine benötige mindestens 128 Kampfflugzeuge, während Russland täglich bis zu 300 Flugzeuge einsetzen könne.

Die F-16-Jets stammen aus den Beständen von Dänemark und den Niederlanden. "Der Übergabeverfahren für diese F-16-Jets ist im Gange, und die Ukraine wird diesen Sommer einsatzbereite F-16 fliegen", hieß es in der gemeinsamen Erklärung. "Aus Sicherheitsgründen können wir derzeit keine weiteren Details bekanntgeben." Die drei Staaten dankten zudem Belgien und Norwegen für die Zusage, weitere Flugzeuge bereitzustellen.

Die Ausbildung ukrainischer Piloten und Bodenmannschaften für die F-16-Jets läuft bereits seit Monaten. Diese Jets sollen vor allem russische Bombenabwürfe verhindern.

US-Präsident Biden ohne Pannen

US-Präsident Joe Biden kündigte bei der Feier zum 75-jährigen Bestehen der Nato an, dass die USA und weitere Nato-Staaten der Ukraine zusätzliche Ausrüstung zur Abwehr russischer Luftangriffe liefern wollen. Biden, der nach seinem verpatzten TV-Duell unter besonderer Beobachtung steht, meisterte seinen Auftritt fehlerfrei mit Hilfe eines Teleprompters. Der Demokrat kämpft derzeit darum, seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im November zu sichern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Arbeitsmarkt: Werden Elektriker reicher als Programmierer?
14.03.2026

Programmierer galten lange als sichere Gewinner der Digitalisierung. Doch im KI-Arbeitsmarkt verschieben sich die Machtverhältnisse...

DWN
Technologie
Technologie Gerichtsurteil: Betreiber haften für falsche KI-Aussagen ihrer Chatbots
14.03.2026

Künstliche Intelligenz liefert Antworten in Sekunden – doch was passiert, wenn sie falsche Tatsachen behauptet? Ein aktuelles Urteil...

DWN
Politik
Politik Atomwaffen in Finnland: Regierung kippt jahrzehntelanges Verbot
14.03.2026

Ein jahrzehntelanges Tabu fällt. Finnland will künftig die Stationierung von Atomwaffen auf eigenem Boden erlauben und begründet dies...

DWN
Immobilien
Immobilien Verschärfung der Mietpreisbremse: Warum der neue Gesetzentwurf die Wohnungsnot verschlimmert
14.03.2026

Kritiker und Experten warnen, dass der neue Gesetzesentwurf zur Verschärfung und Verlängerung der Mietpreisbremse bis 2029 die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft FlixTrain rüstet auf: Milliardeninvestition verschärft Wettbewerb mit der DB im Fernverkehr
13.03.2026

FlixTrain investiert Milliarden in neue Fernzüge und baut sein Angebot im deutschen Fernverkehr deutlich aus. Kann der private Anbieter...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russlands Haushalt unter Druck: Steigender Ölpreis bringt nur begrenzte Entlastung
13.03.2026

Die Eskalation im Nahen Osten lässt die Ölpreise weltweit steigen und verschafft Russland kurzfristig höhere Einnahmen aus dem...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Stoïk: Cyberrisiken neu denken, bevor ein Schaden entsteht
13.03.2026

Cyberangriffe werden häufiger und teurer. Stoïk kombiniert Cyberversicherung, Prävention und Cybersicherheitslösungen. Das Unternehmen,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg erschüttert die Märkte: Ölpreis, Aktien und Bitcoin unter Druck
13.03.2026

Der Iran-Krieg sorgt weltweit für starke Ausschläge bei Ölpreisen, Aktien, Währungen, Gold und Bitcoin und verschärft die Unsicherheit...